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27. Februar 2009, 14:14 Uhr

Verkäuferin wegen 1,36 Euro entlassen

Eine Bäckereifiliale hat eine Verkäuferin wegen eines Fehlbetrags von 1,36 in der Kasse zunächst fristlos entlassen. Vor Gericht einigten sich beide Seiten auf eine ordentliche Kündigung. Erst jüngst hatte ein Urteil für Wirbel gesorgt, das die Kündigung einer Verkäuferin in Berlin wegen eines ähnlichen Falls bestätigt hatte.

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Weil bei einer Verkäuferin in einer Bäckerei Geld in der Kasse fehlte, ist ihr zunächst fristlos gekündigt worden© Oliver Berg/DPA

Eine Verkäuferin einer Bäckereifiliale in Friedrichshafen am Bodensee ist nach Pressinformationen entlassen worden, weil 1,36 Euro in der Kasse fehlten. Laut "Südkurier" hat die 40-Jährige nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg eine ordentliche Kündigung erhalten. Der Arbeitgeber hatte zuvor eine fristlose Kündigung ausgesprochen. Ihr Chef hatte zwei Detektive eingesetzt, um Unregelmäßigkeiten aufzuspüren. Diese hatten festgestellt, dass mal zu viel und mal zu wenig Geld in der Kasse war. Einmal fanden sie einen Fehlbetrag von 1,36 Euro.

Abweichungen nach oben und nach unten in der Kasse waren nach Feststellungen des Arbeitsgerichts offenbar an der Tagesordnung, wie das Blatt ferner schrieb. Auf das Angebot ihres Arbeitgebers, eine Unterschlagung zuzugeben, wenn er auf eine Anzeige verzichtete, war die Verkäuferin nicht eingegangen.

Erst am Dienstag hatte das Landesarbeitsgericht Berlin die fristlose Entlassung einer Supermarkt-Kassiererin nach mehr als 30 Jahren für wirksam erklärt. Sie soll zwei Pfandbons über 48 und 82 Cent unterschlagen haben. Das Urteil hatte einen Streit zwischen Politik und Justiz ausgelöst.

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
loooping8 (01.03.2009, 07:48 Uhr)
Unsere Bananenrepublik:)
Daniele Reber ist die Vorsitzende Richterin des Berliner Landesarbeitsgerichtes,
die die Kündigung der Supermarktskassiererin Emmely bestätigt hat.
Daniele Reber hat also Recht gesprochen.
Was spricht diese Richterin noch?
Sie "Spricht" Seminare für das Institut: Forum - Institut für Management GmbH
http://www.bwb-law.de/fileadmin/pdf-dokumente/Forum-Arbeitsr echt.pdf
Diese Institut beschreibt sich auf seiner WEB-Präsenz folgendermaßen:
Das Forum Institut für Management ist eine internationale Institutsgruppe, die sich mit der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften der Wirtschaft befasst.
http://www.forum-institut.de/
Seminarteilnehmer bezahlen hier schon mal 1300,- Euro pro Seminartag.
Wieviel eine ReferentIn erhält, darüber herrscht seriöses Schweigen.
Nun sollte einE RichterIn unabhängig sein in seinen/ihren Entscheidungen.
Eben auch einE ARBEITSrichterIn
Inwieweit eine Unabhängigkeit gewährleistet bleibt, mit der Bürde solch einer Nebentätigkeit
für ein Institut für Management und die Angst um einen möglichen Verlust dieser Bürde, darf jeder gern für sich gedanklich durchspielen.
Am 01.04.2009 wird dort wieder ein interessantes Seminar abgehalten:
Titel „So beenden Sie effektiv Arbeitsverhältnisse“
Hier werde auch Tipps gegeben, „wie man ´Unkündbare´ kündigt“
Aetz (28.02.2009, 13:05 Uhr)
Idiotisch, natürlich machen Menschen fehler!
Ich halte es für eine Frechheit, dass bei so kleinen Fehlbeträgen Absicht unterstellt wird - dagegen sollte direkt mit "übler Nachrede" geklagt werden. Also gerade diese Scheiß-Euro-Münzen, auch nach 8 Jahren muss ich noch dreimal gucken, um die auseinander halten zu können und es passiert mir regelmäßig, dass ich unabsichtlich falsche Beträge gebe (sehe auch nicht mehr so gut wie früher, zugegeben). Ich halte es für selbstverständlich, dass Kassiererinnen Fehler machen, das ist oft ein stressiger Job und Menschen werden auch mal müde oder unaufmerksam. Wenn Fehlbeträge plus/minus laufen, ist das ganz normal, erst wenn regelmäßig zu wenig in der Kasse ist, sollte man nachdenklich werden. Wenn ein Arbeitnehmer bei der Arbeit etwas kaputt macht, wird er (meines Wissens) normalerweise auch nicht haftbar gemacht, beim Kassieren sehe ich das analog als unvermeidliches menschliches Versagen.
Ich denke auch, dass jedem das klar sein müsste und diese Kassierinnen aus anderen Gründen gekündigt wurden, das Urteil also tatsächlich vollständig an der Realität vorbeigeht.
sachsenwini (28.02.2009, 12:17 Uhr)
@ Palatine

Nein, bei den Kassenbons ging es um eine unbewiesene Verdächtigung und hier um eine geringfügige Kassendifferenz.
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Beides ist den Unternehmern Grund genug, unbescholtene kritische Mitarbeiter los zu werden, und die Gerichte helfen mit.
Palatine (28.02.2009, 12:05 Uhr)
Palatine
Das ist doch ein völlig anderer Fall. Bei den Kassenbons ging es um Unterschlagung, im Fall der Bäckereiverkäuferin um Schussligkeit.
sachsenwini (28.02.2009, 11:49 Uhr)
Ich bin kein Fan von Herrn Thierse, aber wo er Recht hat, da hat er Recht!
Was hier gemacht wurde, ist eine Riesenschweinerei, die noch von einem Gericht befürwortet wurde. Das ist mittelalterliche Willkür.
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Es liegt auch nicht an der Gesetzgebung, sondern wie damit umgegangen wird. Wenn ein Gericht einen Verdacht oder ein Inventurdifferenz als Kündigungsgrund ansehen, dann stimmt bei deren Rechtsempfinden etwas nicht.
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Wenn dieser Prozess ein Präzedenzfall würde, dann könnte es in Zukunft jeden treffen, wo Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.
Wenn Arbeitgeber allein mit dem Vorwand eines Verdachts oder einer geringen Inventurdifferenz unbequeme Mitarbeiter entlassen können, könnte auch gar bald der Filialleiter selbst dran sein, falls durch den zu erwartenden Kundenschwund die Filiale geschlossen werden sollte.
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Ich werde künftig um die Kaiserläden einen großen Bogen machen.
scully78 (27.02.2009, 20:10 Uhr)
unmöglich
wenn jedesmal wenn die Kasse eine Differenz aufweist, die Kassiererin der Unterschlagung bezichtigt wird, dann haben wir bald keine Kassiererinnen mehr in den Geschäften.Überhaupt keine Verkäuferinnen mehr, weil ja jede als Diebin und Verbrecherin hingestellt wird, bevor sie überhaupt angefangen hat zu arbeiten.So wird man seine Angestellten auch schnell los, eh sie zu lange in der Firma sind und zu teuer werden, einfach mal bespitzeln und verleugnen lassen und ab zur nächsten.....Armutszeugnis für diese Arbeitgeber.Und dann wundert man sich wenn die Kassiererinnen nicht mehr gut drauf sind.Von allen Seiten kommen Arschtritte..
Eisenbaer (27.02.2009, 18:42 Uhr)
Herr Thierse...
...ist doch merkwürdigerweise für das Gesetz mitverantwortlich auf Grund dessen die Arbeitsgerichte die Entlassung für rechtens erklären mussten. So gesehen bekommt der Ausfall gegen die Richter einen ganz schalen Beigeschmack...
Helmers (27.02.2009, 15:33 Uhr)
Respekt Herr Thierse
Endlich sagt mal ein Politiker laut, dass wir eine Klassenjustiz, eine Klassenmedizin u.s.w. haben. Die Demokratie ist in Gefahr, weil man nur noch radikale Parteien wählen kann, damit sich endlich was ändert!
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