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9. Februar 2009, 15:33 Uhr

"Kreuzschändung schlimmer als Terror"

Neuer Eklat durch Pius-Bruder Franz Schmidberger: Der deutsche Distriktobere der Bewegung, der vor wenigen Tagen Mohammed mit einem Kinderschänder verglichen hatte, bezeichnete die Schändung eines Kreuzes als schwerere Sünde als die Terroranschläge vom 11. September 2001.

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Umstrittene Äußerungen: Pater Franz Schmidberger, der deutsche Distriktobere der erzkonservativen Priesterbruderschaft© Deville Marc/laif

Der Distriktobere der umstrittenen Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland, Pater Franz Schmidberger, hat laut einem ARD-Bericht die Schändung eines Kreuzes als schwerere Sünde bezeichnet als die Terroranschläge vom 11. September 2001. Bei einem Vortrag im Oktober 2001 habe Schmidberger gesagt, die Schändung eines Kreuzes, bei der dem Heiland ein Arm abgerissen wird, sei objektiv eine schwerere Sünde als die Attentate von New York und Washington, heißt es in einem Bericht des Politikmagazins "Report Mainz". Im Interview mit dem Magazin habe Schmidberger diese Äußerung bestätigt und verteidigt.

"Also das ist natürlich sehr provozierend formuliert. Das muss also dazu gesagt werden", sagte Schmidberger "Report Mainz". "Aber die Sünde ist zunächst einmal eine Beleidigung Gottes an erster Stelle, und dann natürlich auch eine große Beleidigung seiner Geschöpfe, ein großes Unrecht, das den Menschen angetan wird. Aber der erste Aspekt ist eben Gott."

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, bezeichnete die Äußerungen gegenüber dem SWR-Magazin als inakzeptabel. "Die Terroranschläge von New York, die Leid über Tausende von Menschen und Familien gebracht haben, sind in sich so tragisch, dass man sie mit nichts vergleichen kann", erklärte Kopp.

Mohammed verunglimpft

Bereits vergangene Woche hatte Schmidberger mit Äußerungen gegenüber dem SWR für Aufregung gesorgt. In einem Interview plädierte er für eine Bekehrung von Muslimen und verglich Mohammed indirekt mit einem Kinderschänder. "Also, das ist nachweislich, dass er mit einem Kind, mit einem Mädchen geschlechtlichen Umgang gepflegt hat, mit acht oder neun Jahren. Das bezeichnet man nach der heutigen Terminologie tatsächlich als Kinderschänder", sagte Schidberger. "Aber ich möchte mich darauf nicht festlegen. Ich habe das nicht speziell studiert."

Pater Schmidberger gilt laut "Report Mainz" als einer der führenden Köpfe der weltweiten Bruderschaft. Nach Recherchen des Magazins zählt die Bewegung in Deutschland rund 30.000 Anhänger - zumindest so viele lesen den Angaben zufolge das monatliche Mitteilungsblatt der Bruderschaft.

Das Politmagazin wertete nach eigenen Angaben Hunderte von Veröffentlichungen der Priester-Bruderschaft der vergangenen 15 Jahre aus. Nach den Unterlagen habe Schmidberger 2007 in "Grundsätzen einer christlichen Gesellschaftsordnung" für die Todesstrafe plädiert, hieß es. Darauf angesprochen habe er gesagt: "Das hat die Kirche immer vertreten, dass die Todesstrafe natürlich für Schwerverbrecher, für Schwerstverbrechen die angemessene Strafe ist einerseits als Sühne, andererseits aber auch in medizinischer Hinsicht, dass also mögliche weitere Verbrechen verhindert werden." Dem widersprach Kopp laut SWR: "Diese Position der Pius-Bruderschaft hat in der katholischen Kirche keinen Platz."

Außerdem seien "Report Mainz" bei der Auswertung der Bruderschafts-Veröffentlichungen wiederholt auf antijüdische und antisemitische Äußerungen gestoßen. So zitiert das Magazin aus einer vom "Verlag Vereinigung St. Pius X." im Jahr 2000 verbreiteten Schrift: "Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben." An anderer Stelle werde formuliert: "Das Ausleihen von Geld gegen hohe Zinsen und der so betriebene Wucher ... machten die Juden verhasst." Schmidberger sagt im Interview mit "Report Mainz": "Ein bisschen etwas Wahres ist da schon dran." Nach den Recherchen des TV-Magazins ist im aktuellen Mitteilungsblatt der Priestervereinigung erneut die Rede "vom Starrsinn und der Blindheit des jüdischen Volkes".

AFP/DPA
 
 
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