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22. Juni 2009, 14:43 Uhr
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Rätsel um "Phantom" gelöst?

Mindestens 40 DNA-Spuren deuten quer durch halb Europa auf ein weibliches "Phantom", das die Polizei seit Jahren in Atem hält. Doch nach stern.de-Informationen stammt die DNA wohl eher von den Wattestäbchen, mit denen die Polizei Spuren sichert, und die schon bei der Herstellung verunreinigt wurden. Die Behörden bestätigten den Verdacht.

Phantom, Heilbronn, Polizistenmord, DNA

Verunreinigte Wattestäbchen: Nach stern.de-Informationen gibt es das gesuchte "Phantom" nicht© Thomas Bernhardt/Polizeidirektion Saarbrücken

Die Zelle Nummer 4, in der früher Trunkenbolde und Taschendiebe die Nacht verbrachten, ist voll gestopft mit Kisten, in denen Hunderte Wattestäbchen lagern. Auch in den fensterlosen Zimmern nebenan auf dem Flur ist kein Platz mehr. 4500 Spuren sind im Keller der Polizeidirektion Heilbronn archiviert, im ehemaligen Arresttrakt, der nun eine Asservatenkammer ist.

Mit diesem Berg an Wattestäbchen wollten die Ermittler Deutschlands rätselhaftesten Kriminalfall lösen, den Mord an der jungen Polizistin Michéle Kiesewetter, die am 25. April 2007 in einem Polizeiwagen hingerichtet und deren Kollege schwer verletzt worden war.

Als mutmaßliche Killerin hatten sie eine Frau im Visier, deren DNA seit Jahren an mindestens 40 verschiedenen Tatorten gefunden wurde. Das Rätsel um die "unbekannte weibliche Person (UWP)", die brutal gemordet und geraubt haben soll, ist jetzt offenbar gelöst.

Der falschen DNA auf der Spur

Die gesuchte Täterin, bundesweit als das "Phantom" bekannt, gibt es nicht. Das DNA-Material der "Unbekannten weiblichen Person" (UWP) war wohl schon vorher auf jenen Wattestäbchen, mit denen die Polizei die vermeintlichen Spuren sicherte. Nach Informationen von stern.de soll es sich dabei um das DNA-Profil einer Packerin eines Unternehmens für Medizinalbedarf handeln. Entsprechende Untersuchungen, so ist aus Ermittlerkreisen zu hören, seien allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken bestätigte aber am Mittwochabend, dass es tatsächlich "begründete Zweifel" an der Existenz des "Phantoms" gebe. DNA-Spuren der UWP seien bei der Identifikation einer verbrannten Leiche aufgetaucht, bei der es sich um einen seit 2002 vermissten Asylbewerber handele. Dass dieser in Völklingen durchgeführten erkennungsdienstlichen Behandlung die DNA-Spur des Phantoms auftauchte, konnte "eigentlich nicht sein", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ernst Meiners, am Mittwoch. Bei einer nochmaligen Untersuchung fand sich die DNA nicht mehr. Nun wird weiter geprüft - auch der Herstellungsprozess der verwendeten Watte-Sticks.

Die Wattestäbchen, die zur Sicherung von DNA-Spuren verwendet werden, sind zwar ordnungsgemäß sterilisiert, aber Verunreinigungen durch menschliche Körperzellen - etwa aus Hautresten, Schweiß und anderen Sekreten - überleben nach Auskunft von Experten eine solche Maßnahme. "Kontaminationen durch DNA werden durch die Sterilisation nicht beeinflusst", weiß Professor Christian Ruef vom Universitätsspital Zürich. "sterilisiert werden dagegen Viren, Bakterien und Pilze." Gut möglich, dass mehrere verunreinigte Chargen dieser Watte-Sticks in Umlauf geraten sind.

Kontaminierung schon länger vermutet

Schon Ende des vergangenen Jahres hatte der Münsteraner Rechtsmediziner Bernd Brinkmann im "heute-journal" auf die "minimale Möglichkeit" hingewiesen, dass Sicherungsutensilien kontaminiert sein könnten. Zitat Brinkmann: "Möglicherweise tauchte an allen Tatorten Ermittlerzubehör wie Einmalhandschuhe, Plastikbehältnisse oder Pipetten einer bestimmten Firma auf, das durch eine unachtsame Mitarbeiterin mit eigenem Erbgut verunreinigt wurde." Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg wies die Spekulation damals zurück: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass irgendetwas eingeschleppt wurde."

Dabei gab es im "Phantom"-Fall jede Menge Ungereimtheiten. So waren die DNA-Spuren der Unbekannten in Österreich, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland gefunden worden, nicht aber in Bayern. Hatte das "Phantom" dieses Bundesland gemieden? Die höchstwahrscheinliche Erklärung: Nach stern.de-Informationen bezieht die bayerische Polizei ihre Watte-Sticks von anderen Herstellern.

Ebenfalls merkwürdig war der Täterkreis, mit dem das "Phantom" unterwegs gewesen sein soll. Slowaken, Serben, Polen, Rumänen, Kroaten, Deutsch-Iraker, Albaner, Franzosen - mindestens acht verschiedene Nationalitäten. Sie hätte also mehrere Fremdsprachen sprechen müssen. Auch gesehen haben wollte sie niemand - nicht einmal die festgenommenen Autodiebe, die im Saarland teure Wagen gestohlen hatten.

Zweifel bestehen seit 2007

Nicht die zwei festgenommenen Männer in Linz, die mit ihr in Autohäuser eingebrochen haben sollen. Und auch nicht die neun Jugendlichen aus dem Saarland, die im Sommer 2007 in eine Realschule eingebrochen waren, um Computer zu stehlen. Vor dem Sekretariat wurde eine leere Coladose gefunden, die nach Erkenntnissen der Polizei mit Sicherheit aus "dem Bestand der Schule" stammt. Am Öffnungsbügel sicherten Kriminaltechniker die DNA-Spur des "Phantoms". Die Jugendlichen beteuerten, dass keine Frau an den Einbrüchen beteiligt gewesen sei. Dieser Fall hatte die Ermittler endgültig zweifeln lassen. Denn sie hielten ihre Entdeckung lange geheim.

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KOMMENTARE (10 von 42)
 
aeternitas (26.03.2009, 20:02 Uhr)
@jojo
Ach, niest du nicht dauernd in deine sterilen Produkte? Hältst du auch schon seit 10 Jahren alle Reinigungsgegenstände von deiner Maschine fern?
Mich wundert an der ganzen Sache nur: Warum hat nur eine einzige Person keine Handschuhe an? Und wieso fasst diese eine Frau 1000e Stäbchen an? Oder hat sie in die Maschine reingeschneuzt??? Reingehustet? Oder werden in letzter Zeit auffallend viele Tatortspuren von Frauen hinterlassen? Oder sind alle anderen Stäbchensterilisierer Männer???
jo--jo (26.03.2009, 13:48 Uhr)
(ver)medialisiert
Also, wer diese amüsante Story von den durch eine Person... und das seit ungefähr 20 Jahren verunreinigten Wattestäbchen wirklich glaubt, dem ist in unserer (ver)medialisierten Welt wirklich nicht zu helfen.
balldurian (26.03.2009, 12:29 Uhr)
?@botoxia
Wenn aber gefundene gene unzweifelhaft weiblich sind, und seis nur drum weil eine tätermutter einst ihr kind streichelte - was dann ?
botoxia (26.03.2009, 10:55 Uhr)
Die verübten Taten
sprechen eindeutig eine männliche Sprache!
Helmers (26.03.2009, 10:36 Uhr)
Wo sind die Verantwortlichen?
Für die sinnlosen Arbeitsschritte und Fahndungsmaßnahmen tragen die Koordinatore beim LKA Stuttgart und beim BKA die Veranwort neben der Firma der Prüfstäbchen. Regress ist angesagt, neben dienstrechtlicher Aufsichtsprüfung.
Profitexter (26.03.2009, 09:22 Uhr)
peinlich für die Journalisten...
ehrlich: als ich das das erste Mal hörte (in diesem TV-Feature über das Phantom damals), habe ich mir schon gesagt, dass da etwas nicht stimmen kann, dass da so etwas dahinter stecken muss. Peinlich ist vor allem, dass das in den Medien so richtig unkritisch nachgeplappert und abgeschrieben wurde. Spricht nicht für das Niveau des Journalismus generell!
HombreUno (26.03.2009, 09:00 Uhr)
@chrgue,
Sie sprechen die "miese" Besoldung der Polizisten an:
Noch heute Morgen wurde im TV gezeigt wie Polizeioberkommisare und PHK (A11 + A12) an der Straße stehen und z.B. Gurtmuffel anhalten. Mich würde interessieren was Sie für eine "gerechte" Bezahlung halten, wenn bereits einfache Straßenpolizist so hoch eingestuft sind wie Jet-Piloten bei der Bundeswehr?
guinness.1 (26.03.2009, 08:48 Uhr)
Und wieder wurde hier beim Billigsten Lieferanten eingekauft....
... und ich stelle mir gerade vor, daß kleine chinesische Frauen im Schweisse ihres Angesichts die Watte von Hand auf die Stäbchen drehen, und dabei weibliche DNA hinterlassen...
.
Möglich wär´s, schließlich kommt fast alles inzwischen aus dem Billigland China, wo Arbeitskraft noch fast nichts kostet (mit unseren Maßstäben gemessen).
Countryjoe (26.03.2009, 08:32 Uhr)
CSI
Die Phantomerschaffer hätten sich mal lieber CSI anschauen sollen. Dann wäre diese superpeinliche Panne vllt. nicht passiert.
Zwickau (26.03.2009, 08:06 Uhr)
Wattestäbchen
Ein guter Wattestäbchenverkäufer, der es geschafft hat durch eine Rabattschlacht den Sparzwang der Polizeibehörde zu nutzen. Das Lager vielleicht über Jahre voll mit Wattestäbchen oder Dauerauftrag. Man wird halt in Zukunft immer eine B – Probe machen. Eine zweite Wattestäbchenfabrik entsteht, ein zweiter Wattestäbchenverkäufer hat auch einen neuen Arbeitsplatz. Ein Transporteur muss jetzt zweimal hinfahren. Der Mitarbeiter für Sicherheit, der den produktiven Hygienestand in der Wattestäbchenfabrik überwacht wird man Anlernen, was zu kontrollieren ist, damit auch zweimal hingeschaut/ kontrolliert wird. Die Justiz verlangt die o.g. Zweitprobe –und so kann aus Eins, Zwei werden.
Der Polizei sollte man in der Vorschriftenflut keine Schuld geben.
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