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29. September 2011, 18:09 Uhr

China startet langen Marsch ins Weltall

China will auch im Weltraum eine Supermacht werden: Mit "Tiangong-1" hat das Land ein erstes Testmodul für eine eigene Weltraumstation ins All geschickt. Während die junge Raumfahrtnation den Schritt feiert, warnen US-Experten vor den Risiken.

In einem ersten Schritt für die Entwicklung einer bemannten Raumstation hat China am Donnerstag ein Versuchsmodul ins All geschossen. Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch 2FT1" hob erfolgreich vom Raumfahrtzentrum in Jiuquan in der Provinz Gansu in Nordwestchina ab. "Tiangong 1", übersetzt "Himmelspalast", soll zwei Jahre lang die Erde umkreisen. Das Modul wird dem ersten chinesischen Rendezvous im All und Andockmanövern sowie Tests für die Konstruktion und den Betrieb einer chinesischen Raumstation dienen.

Rund 20 Minuten nach dem Start meldete das Raumfahrtzentrum, dass "Tiangong 1" seine vorbestimmte Umlaufbahn in rund 350 Kilometer Höhe erreicht habe und die Sonnensegel ausgeklappt worden seien. Der Kommandeur des Raumfahrtprogramms Chang Wanquan verkündete unter großem Beifall den "kompletten Erfolg" des Starts. Anfang November wird das unbemannte Raumschiff "Shenzhou 8" folgen. Das "Magische Schiff" soll ferngesteuerte Andockmanöver üben.

Der ursprünglich für Anfang des Monats geplante Start des Moduls musste zunächst verschoben werden, weil am 18. August eine Rakete eines ähnlichen Typs der "Langer Marsch"-Familie abgestürzt war. Es war der erste Fehlschlag einer solchen Rakete seit 15 Jahren.

Nachdem der Fehler im Kontrollsystem der kleinen Steuerungsraketen entdeckt worden war, wurde die Rakete für "Tiangong 1" entsprechend verbessert, um ein ähnliches Versagen zu verhindern.

Versorgungsteil und Versuchseinheit

Die 8,5 Tonnen schwere, 10,4 Meter lange und 3,35 Meter breite Testplattform wird nächstes Jahr auch von Astronauten angeflogen und als Mini-Raumlabor genutzt werden. Zwei weitere Flüge mit "Shenzhou"-Raumschiffen sind geplant. Erstmals könnte mit "Shenzhou 10" auch eine chinesische Astronautin fliegen.

"Tiangong 1" besteht aus einem Versorgungsteil und einer Versuchseinheit. Mit 15 Kubikmetern Volumen hätten drei Astronauten Platz zum Wohnen und Arbeiten, berichtete die Sprecherin des Programms, Wu Ping. Zwei Missionen mit weiteren "Tiangong"-Modulen sind geplant. Dabei soll die Wasser- und Sauerstoff-Aufbereitung getestet und 2015 ein Raumlabor gebildet werden.

Um 2020 soll dann eine richtige Raumstation gebaut werden, für die noch ein Name gesucht wird. Mit 60 Tonnen wird sie eher leicht ausfallen. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation ISS bringt immerhin rund 400 Tonnen auf die Waage. Da das internationale Projekt bis dahin auslaufen wird, wäre China dann das einzige Land mit einem bemannten Außenposten im All.

"Die Risiken sind enorm"

"Chinas größtes Problem ist der Mangel an Erfahrung mit Andockmanövern", sagte Dean Cheng, Experte der US-Denkfabrik Heritage Foundation der Nachrichtenagentur dpa. "Es hat noch nie zwei Raumschiffe miteinander verkoppelt. Die Risiken sind enorm."

Der Start des Raummoduls nur zwei Tage vor dem Nationalfeiertag an diesem Samstag ist ein prestigeträchtiger Schritt für das größte Entwicklungsland, das zugleich zweitstärkste Wirtschaftsmacht ist. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao verfolgte den Start im Raumfahrtzentrum in Peking, während Regierungschef Wen Jiabao sogar zum Raumfahrtbahnhof Jiuquan gefahren war.

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