11. November 2012, 08:32 Uhr

BBC hat zurzeit nur Skandale im Programm

George Entwistle ist als BBC-Chef zurückgetreten. Ein TV-Beitrag hatte fälschlicherweise einem Politiker Kindesmissbrauch vorgeworfen. Dabei hat der Sender gerade einen eigenen Pädophilen-Skandal.

Der Generaldirektor des britischen Senders BBC, George Entwistle, ist wegen eines umstrittenen Beitrags über eine Missbrauchaffäre zurückgetreten. "Ich habe beschlossen, dass es ein Gebot der Ehre ist, das Amt des Generaldirektors aufzugeben", sagte Entwistle am Samstagabend in London. Der Film hätte niemals gezeigt werden dürfen. Als Generaldirektor sei er "letztlich verantwortlich für den gesamten Inhalt" der BBC-Sendungen. In dem Beitrag hatte die BBC den ehemaligen Schatzmeister der Konservativen Partei, Alistair McAlpine, als vermeintlichen Täter ins Spiel gebracht.

Die Sendung "Newsnight" hatte in den vergangenen Tagen über Steve M. berichtet, der in den 70ern in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich identifiziert wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handele sich um McAlpine. McAlpine hatte sich am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt und die Vorwürfe vehement bestritten. Und auch Steve M. selbst teilte mit, dass es sich bei McAlpine nicht um den Täter gehandelt habe.

"Was hier passiert ist, ist vollkommen inakzeptabel. Ich habe klare und entschiedene Schritte veranlasst, um herauszufinden, was passiert ist und um die Dinge geradezurücken", hatte BBC-Generaldirektor Entwistle vor seiner Rücktrittsankündigung erklärt.

Auch "Guardian"-Kolumnist George Monbiot entschuldigte sich, dass er den Namen von McAlpine in einer Twitter-Kurznachricht erwähnt hatte.

Skandal ungeheuren Ausmaßes

Entwistle hatte bereits am Freitag angeordnet, dass "Newsnight" die Recherchen vorübergehend einstellt, um seine Arbeitsmethoden zu überprüfen. Die Sendung steht derzeit auch im Zentrum der Ermittlungen gegen den BBC-Starmoderator Jimmy Savile, der zu Lebzeiten hunderte Kinder missbraucht haben soll. "Newsnight" wird vorgeworfen, entsprechende Hinweise zurückgehalten und eine Sendung über die Vorwürfe nicht ausgestrahlt zu haben. Möglicherweise gab es auch entsprechende Anweisungen aus der BBC-Leitung.

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Der inzwischen verstorbene BBC-Moderator Jimmy Savile soll über 40 Jahre mehrere Hundert Kinder missbraucht haben©

Die Affäre Savile erschüttert seit Wochen Großbritannien, immer wieder gibt es neue Enthüllungen. Scotland Yard hat inzwischen wegen des Verdachts auf "Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß" durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet. Den Ermittlern zufolge gibt es Hinweise, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Die Polizei geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben. Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden bereits mehrere britische Prominente wegen Missbrauchsvorwürfen festgenommen. Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.

san/AFP/DPA
 
 
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