. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
21. Januar 2010, 18:32 Uhr

Das Phantom vom Münchner Flughafen

Wer ist der Passagier? Und: Wo ist er? Das Versagen der Sicherheitskräfte in München wirft viele Fragen auf und zeigt: Deutsche Flughäfen haben Probleme, die Nacktscanner nicht lösen können. Von Manuela Pfohl und Sönke Wiese

flughafen münchen, terror, alarm, passagier, laptop

Ein Polizist kontrolliert am Donnerstag den Münchner Flughafen© Christof Stache/APN

Am Mittwoch um 14.35 Uhr schlägt der Scanner am Sicherheitscheck von Terminal 2 des Münchner Flughafens Alarm. Der Laptop eines Passagiers, der gerade kontrolliert wird, weist einen Markierungsstoff auf, der den allermeisten Sprengstoffen beigemischt ist. Laut Dienstanweisung müsste die Kontrolleurin jetzt eine zweite Prüfung veranlassen - und dürfte den betreffenden Fluggast samt Corpus delicti keine Sekunde mehr aus den Augen lassen. Doch nichts dergleichen geschieht. Der Passagier nimmt seinen Laptop, zieht sich seinen Mantel an und verlässt den Kontrollpunkt in Richtung Sicherheitsbereich. Unmittelbar danach ist er verschwunden und bis jetzt nicht wiedergefunden. Obwohl das gesamte Gelände abgeriegelt und stundenlang von einem Großaufgebot der Bundespolizei jeder Winkel durchsucht wurde.

Eine "nichtharmlose Feststellung"

Der jüngste Vorfall am Münchner Flughafen macht mit aller Wucht klar, wie sinnlos Diskussionen über Nacktscanner sind, solange das Flughafenpersonal ein großes Sicherheitsproblem darstellt. Die Geräte haben in München funktioniert, doch dann gab es ein kollektives Versagen - bei der Sicherheitsfirma SGM, die für die Sicherheitschecks am Münchner Flughafen zuständig ist, bei der zuständigen Bundespolizei, die im Falle eines Terroralarms einschreiten muss, bei der Regierung Oberbayern, in deren Auftrag SGM handelt, und beim Flughafenbetreiber.

Nach den Aussagen des Sprechers der Regierung von Oberbayern, Heinrich Schuster, wurde bei der Kontrolle des Laptops um 14.35 Uhr eine so genannte "nichtharmlose Feststellung" gemacht. 30 bis 40 Sekunden später habe sich der Passagier mit seinem Laptop entfernt. Doch erst um 14.50 Uhr wird von der Kontrollstelle der Alarm ausgelöst, der die Bundespolizei ruft. Wiederum 20 Minuten später, um 15.10 Uhr wird das Terminal 2 abgeriegelt. Der unbekannte Passagier hat also mehr als eine halbe Stunde Zeit zu "verschwinden", ehe die Suche nach ihm beginnt.

Doch wen sollen die Beamten eigentlich suchen und wo?

"Vielleicht ist das nur ein Geschäftsmann"

Schuster: "Es gibt eine lückenlose Überwachung des Sicherheitschecks. Bei der Auswertung des Materials konnte festgestellt werden, dass der Mann offenbar um die 50 ist, ergrautes Haar hat, bei mitteleuropäischem Aussehen, Anzug, Krawatte und einen Mantel trug. Darüber hinaus schien er der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein. Er war bei der Kontrolle auf Englisch angesprochen worden." Mehr Informationen habe er nicht, sagt Schuster und verweist auf die Polizei.

Vielleicht, so mutmaßt Edgar Dommermuth, stellvertretender Leiter der Bundespolizeiinspektion des Flughafens München, handelt es sich dabei um einen Geschäftsmann, der gar nicht mitbekommen hat, dass sein Sicherheitscheck noch gar nicht abgeschlossen war.

Gab es einen Kontrollverlust?

War der Mann also harmlos und wollte nur schnell seinen Flieger erreichen? In dem Fall hätte er Glück gehabt. Denn tatsächlich ergibt sich aus den Flugplänen, dass am Mittwoch offenbar erst ab 15.40 Uhr mehrere Abflüge von Terminal 2 gestoppt wurden. Das wiederum lässt vermuten, dass auch ein potentieller Terrorist jede Menge Gelegenheit gehabt hätte, trotz des Alarms noch in einen Flieger zu steigen. Gab es also mehr als eine Stunde lang einen Kontrollverlust? Eine entsprechende Nachfrage beim Flughafenbetreiber blieb bislang erfolglos.

Auch wenn man hinter den Kulissen die Brisanz des Vorfalls erkannt und Bundesinnenminister Thomas de Maizere (CDU) die Angelegenheit zur "Chefsache" erklärt hat, bekommt die Öffentlichkeit bislang keine Antworten auf die wichtigsten Fragen

Jede Menge Nebelkerzen

Wie kann es sein, dass ein Verdächtiger im Sicherheitsbereich eines deutschen Flughafens spurlos verschwinden kann? Dass er, womöglich mit Sprengstoff im Handgepäck, sogar noch ein Flugzeug besteigen kann? Dass man bis jetzt, rund 24 Stunden später, offenbar immer noch nicht seine Identität festgestellt hat?

Stattdessen werden allerhand Nebelkerzen gezündet. Vermutlich habe es sich um einen Fehlalarm gehandelt, meinen nun die Verantwortlichen, nachdem sie erst einen der wichtigsten europäischen Flughäfen stundenlang lahmgelegt haben und trotz Großfahndung nicht den Verdächtigen finden oder seinen Verbleib klären konnten.

Die Kontrollgeräte seien so eingestellt, dass sie Sprengstoffverdacht schon auf niedrigstem Niveau meldeten, erklärte der Geschäftführer der eingesetzten Sicherheitsfirma in München. Daher kämen auch Fehlalarme immer wieder vor.

Eindruck eines erheblichen Sicherheitsproblems

Doch ob es auch in diesem Fall so war, ist nicht geklärt. Und es stellt sich die Frage, was die besten Geräte und sensible Einstellungen helfen, wenn es das Sicherheitspersonal im Zweifelsfall nicht schafft, einen Verdächtigen aufzuhalten und das Gepäck näher zu untersuchen? Die Bundespolizei hat vor kurzem Tests durchgeführt, bei denen es teilweise 30 Prozent der Polizisten gelang, ihre Waffen unbemerkt durch die Sicherheitssperren an deutschen Flughäfen zu schmuggeln. Der Münchner Fall verschärft den Eindruck, dass es ein erhebliches Sicherheitsproblem gibt.

Von Manuela Pfohl und Sönke Wiese
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
sternritter (23.01.2010, 17:57 Uhr)
teilweise 100%
was für ein bescheuerte, nutzlose Beschreibung "teilweise 30%". Das hat genausoviel Sinn und Aussagevermögen wie "teilweise 100%".
NewWorld (22.01.2010, 10:16 Uhr)
Was soll das rumgehacke....
auf dem Sicherheitspersonal. Die haben ihren Job richtig gemacht. Versagt hat die Bundespolizei, die im Falle eines Sprengstoffundes den Verdächtigen übernehmen muß. Sie ist auch zuständig, wenn jemand die Kontrollen durchbricht. Denn nur die Bundespolizei ist bewaffnet, die Kontrolleure nicht.

Ich war diese Woche selber in Frankfurt, mußte durch die Sicherheitskontrolle am Terminal 1. Ich glaube es waren 5 Röntgengeräte mit entsprechendem Personal (je 3-4). Dahinter standen ganze ZWEI Bundespolizisten. Diese konnten den gesamten Bereich garnicht überblicken.
Lammbock (22.01.2010, 09:37 Uhr)
Danke...
...für dieses neuerliche Paradebeispiel nach dem Motto: "Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied!" - und den sich hoffentlich jetzt so richtig aufbauenden Druck auf all unsere realitätsfernen und lobbygesteuerten "Sicherheitsexperten" und "Technikbefürworter". Es ist und bleibt so: 100%ige Sicherheit wird es nicht geben, solange zwar immer neue und bessere Technologien eingeführt werden, das schwächste Glied aber nicht verstärkt wird. Und wenn sie uns allen eine Sonde in den Ar*** implantieren - wenn einer nicht sieht, dass die rote Lampe auf dem Detektor blinkt, ist alles für die Katz bzw. fürs Konto der Sicherheitsfirmen und die Vorratsdatenspeicherung.
DarkSpir (22.01.2010, 09:15 Uhr)
Neue Sicherheitstechnik muss her!
Und bloss niemand, der sie bedient. Wär ja auch noch schöner, wenn wir jemanden einstellen müsste, der die ganzen Monitore der vielen Kameras im Auge behält...

Der Geschäftsmann hat da übrigens noch mal Glück gehabt, in Israel geht man nämlich mit sowas anders um: http://tinyurl.com/ybz2l9k ;)
sininen (22.01.2010, 08:21 Uhr)
Tja, der liebe Geiz
Solange die Herren Verantwortilichen im Security-Bereich der Flughäfen Hauptschul-Abgänger (nichts gegen Hauptschüler an sich!!) für 6,50?/Stunde beschäftigen und von denen analytisches Denken sowie hohe Motivation erwarten, so lange wird sich gar nichts ändern. Da können sie scannen und durchleuchten bis auf die Knochen.
Aber wir wissen ja: Im Zweifelsfall ist es den Oberen wichtiger, alles billig, billig zu haben als ernsthaft die Sicherheit mit qualifizierten und motivierten (ja, das hat auch ein bisschen was mit dem Entgelt zu tun) zu verbessern.

Warum muss ich im Flughafen vor dem Besteigen der Maschine zB meinen Pass zeigen, aber nicht beim Durchleuchten?
Dann wüsste man wenigstens jetzt (vielleicht) wer da den Laptop mit rein genommen hat (sofern die Verantwortlichen nicht bald vielleicht Analphabeten für 3,50?/Stunde einstellen).
Fakten (22.01.2010, 05:36 Uhr)
Mein Rat an die Muenchener Sicherheitskraefte:
...hoert endlich auf euch in der Mittagszeit zu besaufen.

Mein Rat an die Passagiere und Kunden der Airlines: eine 3-monatige Abwesenheit wird diesen Sicherheitswahn in Schall und Rauch aufgehen lassen.

Von Koerper-Scannern bestrahlen lassen sich nur Minderbemittelte.
sjm2000 (22.01.2010, 03:25 Uhr)
Je mehr Checkerei, je groesser die Sicherheitsluecken.
Diese ganze Checkerei mit Nacktscanner und sonstigem Hickhack soll doch nur die Hilflosigkeit der Verantwortlichen vertuschen. Jeder Terrorist der in den Sicherheitsbereich eines Flughafens rein will schafft das mit ausgelesenen und dann emulierten Sicherheitsausweisen. Das Chaos was jetzt die von verordnungsgeilen hirnlosen Politikern total ueberforderten Sicherheitsleute mit regelmaessigem Abstand auf den Flughaefen verursachen ist zudem das ideale Umfeld fuer eine Terroristen erfolgreich zu sein.
Letztlich belibt uns nur die Wahl das Flugzeug zu meiden so weit dies nur irgend moeglich ist.
CLAEROS (21.01.2010, 22:37 Uhr)
Als waschechter deutscher Staatsbürger wurde mir Ende der Neunziger als ehemals Selbstständiger meine Bewerbung auf dem Flughafen zu arbeiten im Vorfeld abgelehnt. Ich war 12 Jahre Unternehmer gewesen und hatte in dieser Zeit über eine halbe Mio. DM Steuern an den Fiskus bezahlt. Meine Firmenpleite basierte aufgrund zahlungsunfähiger Kunden.
Die ablehnende Begründung seitens des Air Ports dazu lautete nur lapidar, ich sei ein Sicherheitsrisiko
w e g e n meiner eid. Versicherung!!! Ich jedoch habe mir nie etwas zu schulden kommen lassen.

Meine darauf folgenden Schreiben an den damaligen Bundesarbeitsminister Müntefering wurden nie beantwortet !!!!!!!

Wer JETZT hier wohl das tatsächliche Sicherheitsrisiko darstellt dürfte wohl außer Frage stehen.
Diese Sicherheitspanne ist eine einzige Sauerei...hier wird mit Menschenleben gespielt und seitens der Verantwortlichen wird wie immer wieder nur alles konsequenzenlos verharmlost und jeder Versager behält dort auch weiterhin seinen bestbezahlten Job! ARMES DEUTSCHLAND...mehr sage ich dazu nicht und verdrücke mir eine weitere Träne der Wut!
arniston (21.01.2010, 21:54 Uhr)
das kapital, havanna nach schröder in hannover !
wer über jahre am flughafen arbeitet kennt wege, wie ein trickbetrüger im ausgang (CSU).
so ist auch dem krieg in afganistan schwer nachzukommen und lobbyisten haben vergessen wie mächtig volk ist, (ausser grüne&spd) es ist nach allen ,,wahlen,, in der überzahl. (der mut kommt noch )
schlimm wird auch wenn politiker z.b mit dem diestwagen nach spanien , sich vorfahren lassen, und schäuble & co. millionenspenden ungesraft anehmen ,,dürfen,, , .sowas machen sich terroristen zu nutze !, was die anderen im sinne des gesetztes auch sind.
gibts noch fragen ?
kleiner-mannhh (21.01.2010, 20:30 Uhr)
Terror, Bundeswehr und Innenpolitik
Es kann doch nicht richtig sein, dass wenn deutsche Soldaten in Afghanistan um ihr Leben und der Sicherheit kämpfen wobei evtl non-combatante zu schaden kommen, hier gleich ein Großaufriss gestarten werden muss, die Staatsanwaltschaft ermitteln und Personen an den Pranger gestellt werden.
Lassen hier aber irgendwelche Sicherheitsleute evtl. Terroristen bewusst in Flieger steigen, wird alles nur verhamlost und unter den Tisch fallen gelassen. Wieso rollen hier noch keine Köpfe? Wieso werden hier keine angeprangert? Wo bleibt die mediale Hetzjagt???

Da läuft doch etwas gewaltig schief.


(Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten)
MEHR ZUM ARTIKEL
Sprengstoffalarm So lief die Panne von München ab

Nach der Panne am Münchner Flughafen haben die Behörden schwere Fehler eingestanden. Das Personal hätte den verdächtigen Passagier nach der Kontrolle festhalten müssen, und die Bundespolizei wurde zu spät informiert. Warum der Mann durch die Kontrolle spazieren konnte. mehr...

Terrorgefahr Hysterische Suche nach Sicherheit

Nach dem vereitelten Anschlag von Detroit überbieten sich Politiker mit immer absurderen Vorschlägen zur Flugsicherheit. Es ist der Versuch, vom eigentlichen Problem abzulenken. mehr...

Nach Anschlagsversuch von Detroit USA verschärfen Kontrollen an Flughäfen

Schärfere Sicherheitsstandards an US-Flughäfen: Seit heute müssen sich Reisende aus 14 verdächtigen Ländern ausnahmslos abtasten lassen. Auch andere Passagiere werden strenger kontrolliert. In Newark führte eine Panne zum Chaos. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe