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1. November 2007, 10:52 Uhr

Satire mit Madeleine

Erlaubte Satire oder einfach pietätlos? Das Magazin "Titanic" hat auf einer Doppelseite Produkte mit dem Bild des verschwundenen britischen Mädchens Madeleine gezeigt. Maddies Eltern sind sauer, bei der Zeitschrift ist man sich keiner Schuld bewusst.

Diese Doppelseite veröffentlichte die "Titanic" in ihrer neuen Ausgabe. Sowohl die Eltern von Madeleine als auch britische Medien zeigten sich empört© Titanic

Die Eltern der verschwundenen Madeleine haben eine Satire über ihre Tochter in dem deutschen Magazin "Titanic" kritisiert. Der Artikel sei "extrem verletzend" und "vollkommen respektlos", sagte der Sprecher von Gerry und Kate McCann, Clarence Mitchell. Das Magazin habe keine Erlaubnis gehabt, das Abbild der Vierjährigen zu benutzen, Anwälte würden die Veröffentlichung nun prüfen.

Die "Titanic" publizierte auf einer Doppelseite eine anzeigenähnliche Abbildung, die Produkte in einem Supermarkt mit dem Bild und dem Namen des britischen Mädchens zeigt. Darunter ist ein Haushaltsreiniger, der verspricht, alle Spuren zu beseitigen und gegen den selbst DNA-Tests nichts ausrichten könnten. Das Magazin schreibt, Madeleine sei das "bekannteste Gesicht der Welt" geworden und der logische Schritt sei, dass ihr Abbild für Werbung verwendet würde.

Auch britische Zeitungen zeigten sich empört über die Satire: Die "Sun" titelt: "German mag’s sick Maddie joke" ("Der kranke Scherz des deutsche Magazins")

"Titanic"-Redakteur Oliver Nagel sagte nach britischen Medienangaben, der Artikel sei keine Kritik an den McCanns und lediglich für das deutsche Publikum bestimmt. "Wir machen uns keinen Spaß daraus, dass ein Kind verschwunden ist, sondern daraus, dass die Medien es so aufblasen." Die Redaktion werde sich nicht entschuldigen. Madeleine verschwand vor knapp einem halben Jahr aus einem Ferienappartement in Südportugal.

Madeleines Vater zurück im Job

Unterdessen hat Gerry McCann seine Arbeit als Arzt wieder aufgenommen. Er und seine Frau Kate wollten einen "Grad der Normalität" in ihr Leben bringen, sagte der Kardiologe vor dem Glenfield-Krankenhaus im englischen Leicester. Die Zeit dafür sei nun reif. "Wir denken, dass wir alles für die Suche von Madeleine getan haben und wir haben die angemessene Struktur geschaffen, sie zu finden." Er wolle sich nun voll auf seine Arbeit konzentrieren.

Gerry McCann (39) wird vorerst drei halbe Tage die Woche arbeiten und voraussichtlich zunächst administrative und akademische Aufgaben erfüllen und keinen Kontakt zu Patienten haben. Der Krankenhausdirektor Doug Skehan rief die Medien zu Respekt auf und dass sie die Umgebung eines Krankenhauses achteten. Gerry McCann versuche sein Leben zu "normalisieren", und er und seine Kollegen würden ihn herzlich willkommen heißen. "Um es kurz zu machen, wir sind froh, dass ein guter Arzt zurückgekommen ist." Gerry McCann betonte, er warte keine "bedeutenden Entwicklungen" in nächster Zukunft, außer Madeleine werde gefunden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Weisheitszahn (02.11.2007, 10:26 Uhr)
Liebe TITANIC-Redaktion,

ihr nennt euch Satire-Magazin, weiter so, ihr schaufelt euch das eigene Grab. Ein fiktives Supermarkt-Plakat, dazu extrem anrüchige Texte - hochkriminell, ein Fall für die Bundesanwaltschaft. Die Redaktion will sich nicht entschuldigen. Braucht sie auch nicht, das ist unentschuldbar. Sollen wir wirklich über diesen makabren Scherz schmunzeln? Die vermeintliche Satire ist ein Tiefschlag gegen den guten Geschmack, mentales Giftgas fürs Volk. Sie bringt ein ganzes Land in Verruf.
Liebe Pseudo-Satiriker, ich denke, dass sich 99,99 % aller deutschen Journalisten von diesem „Titanic“-Beitrag distanzieren. Menschenverachtend, hochgradig widerlich und von einem kranken Gedankengut, was wir nach dem 2. Weltkrieg eigentlich überwunden glaubten. Hoffentlich bricht über euch eine Flut von Anzeigen und Schadensersatzklagen herein, dass so etwas ein für allemal im Altpapiercontainer verschwindet. Ehrlich, eure Tastaturen gehören wirklich für immer wegschlossen, wegen der besonderen Schwere der Schuld.
Herzliche Grüße
Euer sich für eure würdelose Einstellung schämender „Weisheitszahn“
hirnriss (01.11.2007, 19:31 Uhr)
Maddie würzt am besten
Skandalös, wie Ford.Perfect auf Kosten Eiamptutierter und Aknekranker Effekte hascht!
Tipp im Übrigen: Titanic-Abo kündigen (Thomas B. Gsella ist als Chefredakteur ohnehin überbezahlt) und die Affäre Maddie künftig wieder in den hochklassigen Meinungsbildungsorganen Sun und Mirror verfolgen.
Wobei die journalistische Glanzleistung von RTL aktuell in diesem Zusammenhang wohl alles andere in den Schatten stellt. Und übrigens, Ford.Perfect mit dir in eine Kerbe und also auf Titanic haut. (Danke, RTL, dass Du Deine moralische Integrität einmal mehr unter Beweis gestellt hast.)
Kusshand, Deine Nerds
JackintheBox (01.11.2007, 19:17 Uhr)
@ragism
Wieso man "angreifbar" sein soll, wenn man darauf hinweist, das das eigene Kind verschwunden ist, ist mir schleierhaft.
Es scheint mir, Sie sind nicht in der Lage, zu erfassen,das es an einem verschwundenen Kind nur wenig lustige Aspekte gibt, entweder, weil Sie generell gemütsarm sind oder weil Sie sich der Tragik hier verschliessen.
Ehrliche Entrüstung über Satire mag für Sie in JEDEM Fall lächerlich und spiessig sein, für mich ist sie es nicht.
Was die "einfachen Gemüter" angeht, über die SIE sich jetzt lustig machen: die haben wenigstens ein Gemüt.
Ein Kind ist vermutlich tot und verschwunden. Eine Zeitschrift macht sich über die Suchaktion der Eltern lustig. Sie amüsieren sich wie Bolle, dass das geschmacklos gefunden wird.
Werden Sie erwachsen.
miwe (01.11.2007, 19:12 Uhr)
schade, der groschen ist nicht gefallen!
da sind ja mal wieder einige pseudo "versteher" auffaellig geworden, damit ist titanic seinen verpflichtungen nachgekommen: weder bezieht sich diese satire auf das leid der eltern und zieht es auch gar nicht ins laecherliche, noch veralbert sie das schicksal des maedchens!
schon mal drueber nachgedacht, ob die medienpraesenz des falles die gleiche waere, wenn ein haesslicher, kleiner schnoesel von alkoholiker-eltern beim x-beliebigen discounter um die ecke spurlos verschwunden waere? oder interessiert es uns alle genauso sehr, was mit den kinder in entwicklungslaendern passiert?
da gibts ja nicht so huebsche bilder zu publizieren, ein blonder engel beeindruckt halt mehr als ein armer dreckspatz mit fliegen an der nase!
genau das thematisiert titanic!
ich habs verstanden und es hat bei mir ein bitteres laecheln ausgeloest! perfekte satire! die setzt natuerlich verstehen voraus, aber ich bin optimistisch, dass die, die hier am lautesten den skandal beschreien, eh kein titanic kaufen, weil sie es eben nicht ansatzweise verstehen.
fuer alle die mein gruss mit dem fuss
ps: die sun ist doch das britische gegenstueck zur bild, oder? beide zeitungen repraesentieren doch ein aehnliches leser-profil. das ist halt eine alternative fuer "nicht-titanic-verteher" ;-)
Ford.Prefect (01.11.2007, 18:24 Uhr)
Menschenverachtend
Der Titanic-Artikel, wie auch die zustimmenden Kommentare hier, sind nur eines: vollkommen menschenverachtend.
Hier werden Witze auf Kosten eines Kindes namens Madeleine gemacht, das Opfer eines gemeinen Verbrechens geworden ist. Ob Madeleines Eltern etwas damit zu tun haben oder nicht, ist hierbei zunächst zweitrangig. Bis auf Weiteres gilt die nämlich die Unschuldsvermutung. Habt Ihr wirklich so wenig Herz und Verstand, Euch einmal in die Lage von Eltern hineinzuversetzen, die Ihr Kind verloren haben? Eltern, die alles in ihrer Macht stehende getan haben, das Kind wiederzufinden und die jetzt dafür auch noch so Schäbig verhöhnt werden? Und das von einer auflagenschwächelnden deutschen Ex-Satirezeitschrift, deren Macher und Macherinnen offenbar jedes Augenmaß verloren haben, um bissige Satire, die gerne auch knüppelhart sein darf, von plumper, unsensibler, respektloser und menschenverachtender Effekthascherei zu unterscheiden. Die Titanicredaktion gerät in Panik, weil sie AbonenntInnen, LeserInnen und damit Auflage verliert. Doch Leute, denkt mal nach: hier haben Eltern Ihr Kind verloren. Die ganzen zustimmenden Kommentare hier kann ich mir nur so erklären, dass sie von Personen stammen, die selbst keine Kinder haben, weil sie entweder zu jung sind (Modell "Pickliger Nerd ohne Freundin") oder nicht über die nötige Infrastruktur verfügen (Modell "Fetter Nerd ohne Freundin und ohne Eier").
hirnriss (01.11.2007, 17:21 Uhr)
Gute Laune löffeln mit Suppen von Maddie!
So ist das - die einen schmunzeln schon über die unfassbar stumpfsinnige Verballhornung der Totalkommerzialisierung eines verschwundenen Mädchens, andere brauchen's etwas anspruchsvoller (Stefan Raab etc.), um mal gepflegt ablachen zu können.
awb1 (01.11.2007, 16:37 Uhr)
Titanic Seite down?
Waren wohl nicht auf die Zugriffe vorbereitet. Bin dafür beim googlen auf die NHZ gestossen; auch nicht schlecht. www.neue-havanna-zeitung.de
metawe (01.11.2007, 16:13 Uhr)
Alles Humor?! oder, getroffene Hunde bellen
Die Briten ohne schwarzen Humor? Seltsam, da fehlt doch was. Offenbar darf bissiger schwarzer Humor nur gegenüber Deutschen verübt werden. Sicherlich, der Fall ist tragisch, aber, was ist heutzutage eigentlich nicht alles tragisch? Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Die Eltern der kleinen Madeleine kommen mir aber ohnehin nicht ganz koscher vor.
Ragism (01.11.2007, 16:09 Uhr)
Witzig oder nicht...
@Mechmo: Dieser Witz ist mitten im Heft auf einer als Anzeige getarnten Doppelseite. Weder auf dem Titelblatt noch sonstwo wird auf diesen Gag speziell hingewiesen. TITANIC ist eben ein Potpourri aus den unterschiedlichsten Beiträgen und Stilrichtungen. Aber es ist kein Magazin, das ein Mensch ohne hohe Bildung lesen, geschweige denn lustig finden kann. Ich halte es also für unwahrscheinlich, daß das Magazin mit dieser Aktion einen größeren Skandal geplant hat, dafür stehen in JEDER Ausgabe einfach zu viele Unverschämtheiten. Niemand hat sich z.B. treffender und böser über die Mohammed-Karikaturen ausgelassen.
Aber genau wie mir beim Stern nicht jeder Artikel gefällt, muss auch nicht jeder über alle Gags in der TITANIC lachen. Dann gleich "geschmacklos!" und "empörend!" zu rufen, ist so ziemlich der dümmste Reflex, dem man überhaupt nachgeben kann.
Mechmo (01.11.2007, 15:06 Uhr)
Wo ist der Witz?
Wieder einmal hat sich das pseudointellektuelle Satiremagazin Titanic in der Disziplin „gesellschaftskritische Satire“ vergeblich versucht. Natürlich soll Satire zum Nachdenken anregen, aber doch nicht darüber, wo eigentlich der Witz in ihr liegt. Titanic ist und bleibt das Fachblatt für die zu kurz gekommenen. Die können über fast alles lachen.
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