Geheimdienstler wirft Israel Kriegstreiberei vor

29. April 2012, 14:39 Uhr

Israels Ex-Geheimdienstchef stichelt: Netanjahu und Barak führten die Öffentlichkeit in der Iran-Frage gezielt in die Irre. Außerdem hätten sie nicht die notwendigen Führungsqualitäten, um im Kriegsfall am Ruder zu sein.

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Die Internationale Atomenergiebehörde prüft Irans Atomwaffenambitionen.©

Der ehemalige israelische Geheimdienstchef Juval Diskin hat Israels politische Führung scharf angegriffen und ihr Täuschung im Atomstreit mit dem Iran vorgeworfen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak gaukelten "der israelischen Öffentlichkeit in der Iran-Frage ein Trugbild vor", sagte Diskin während einer Ansprache in der Stadt Kfar Saba bei Tel Aviv.

"Sie tun so, als ob der Iran eine Atombombe haben wird, falls Israel nicht dagegen vorgeht", sagte der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet am Freitag. Ein israelischer Angriff könne die Iraner jedoch nach Expertenmeinung gerade dazu anstacheln, die Bombe noch viel schneller zu entwickeln. "Das heißt, während die Iraner es heute lieber langsam und im Stillen tun, werden sie dann die Legitimation haben, es schnell und binnen eines kurzen Zeitraums zu machen."

Die ungewöhnlich scharfen Worte Diskins sorgten in Israel am Wochenende für große Aufmerksamkeit. Vertraute von Netanjahu und Barak warfen ihm am Sonntag nach Rundfunkangaben vor, er sei nur enttäuscht, weil er nicht zum Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad ernannt worden sei. Außerdem verfolge er politische Ziele.

Skepsis gegen messianische Gefühle

Der Ex-Geheimdienstchef äußerte auch tiefes Misstrauen in die Führungsqualitäten von Netanjahu und Barak im Falle eines Krieges mit dem Iran oder den arabischen Nachbarstaaten. "Ich habe sie aus der Nähe beobachtet... Das sind keine Leute, denen ich persönlich zutrauen würde, Israel in einer Situation solchen Ausmaßes zu führen. Das sind keine Leute, die in einem solchen Augenblick am Ruder sein sollten."

"Ich glaube nicht an eine Führung, die Entscheidungen auf der Basis messianischer Gefühle trifft", sagte Diskin, der zwischen 2005 und 2011 Geheimdienstchef war.

Netanjahu hat wiederholt Parallelen zwischen dem Holocaust und der Bedrohung Israels durch eine mögliche iranische Atombombe gezogen. Am Dienstag hatte er betont, zwar hoffe er auf den Erfolg internationaler Sanktionen gegen das vermutete Atomwaffenprogramm des Iran. Aber bisher gebe es dafür keine Anzeichen. Auch Barak bezeichnete die Erfolgsaussichten der Sanktionen als "sehr gering". Israel hat wiederholt gewarnt, dass am Ende auch militärische Maßnahmen gegen den Iran nicht ausgeschlossen werden könnten. Der Iran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln.

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