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6. Juli 2005, 12:00 Uhr

Gipfelgegner blockieren Gleneagles

Vor Beginn des G-8-Gipfels im schottischen Gleneagles ist es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Behörden rechnen auch weiterhin mit zahlreichen Protestaktionen.

Demonstranten auf einer Zufahrtstraße nach Gleneagles© Peter Morrison/AP

Vor Beginn des G-8-Gipfels in Schottland ist es am Mittwoch an einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen zum Tagungshotel zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die zumeist schwarz gekleideten und vermummten Demonstranten griffen auch Polizeiwagen an und schlugen die Scheiben parkender Autos ein. Die G-8-Gegner kamen von einem improvisierten Campingplatz in der Nähe von Sterling, auf dem sich rund 5.000 Menschen versammelt hatten. Der Bahnhof von Sterling wurde für eineinhalb Stunden gesperrt.

Die Polizei sperrte zur Sicherung des Tagungsortes auch die Autobahn M9, die an Gleneagles vorbei nach Edinburgh führt. Autofahrer mussten sich auf lange Staus einstellen. Auf der gesperrten M9 kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen, als die Demonstranten versuchten, die Polizeisperren zu durchbrechen. In der Ortschaft Bannockburn wurde Polizeiwagen mit Eisenstangen angegriffen. Auch die Scheiben einer Burger-King-Filiale wurden eingeworfen. In einem auf eine Wand gesprühten Slogan hieß es: "10.000 Pharaonen - Sechs Milliarden Sklaven".

Blockaden von "Öko-Kriegern"

In der Ortschaft Crieff blockierten etwa 50 "Öko-Krieger" mit Baumstämmen und Ästen eine Brücke, weil sich in dem Ort Delegierte des G-8-Treffens aufhalten sollten. Auf einem Plakat hieß es: "G-8-Demokratie kann warten." Kritiker des G-8-Gipfels und Globalisierungsgegner hatten für den Mittwoch weitere Proteste angekündigt, unter anderem in der nördlich des Tagungshotels Gleneagles gelegenen Ortschaft Auchterarder. Der britische Premierminister Tony Blairs traf mit dem Hubschrauber in Gleneagles ein. Er hatte zuvor in Singapur für die Olympiabewerbung Londons geworben.

Die schottische Polizei hatte am Dienstag ein entschlossenes Vorgehen gegen gewalttätige Demonstranten während des G-8-Gipfels angekündigt. In Schottland sind 10.000 Polizisten aus ganz Großbritannien im Einsatz, etwa 3.000 von ihnen direkt in Gleneagles. Das Golfhotel, in dem der Gipfel stattfindet, wurde mit Stacheldraht abgeriegelt. Schon am Montag war es zu ersten Auseinandersetzungen gekommen. Danach erhielten bis zu 100 Gegner des Gipfeltreffens eine gerichtliche Vorladung.

Der britische Premierminister Tony Blair hat als derzeitiger G8-Vorsitzender Entwicklungshilfe und Klimaschutz als Hauptthemen des Gipfels gewählt. Durch die Live-8- Konzerte vom vergangenen Samstag verbinden sich vor allem mit dem Thema Afrikahilfe große Erwartungen. Unter anderem will Blair die Hilfsgelder für die ärmsten Länder stark erhöhen. Andere wichtige Punkte sind der hohe Ölpreis, die iranischen und nordkoreanischen Atomprogramme und der Friedensprozess im Nahen Osten.

Schröder für Schuldenerlass

Unmittelbar vor Beginn des Gipfels hat Kanzler Gerhard Schröder (SPD) für einen vollständigen Schuldenerlass für die ärmsten Länder Afrikas plädiert. Insgesamt würden die Staaten dann um rund 56 Milliarden US-Dollar zusätzlich entlastet, schrieb Schröder in einem Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Die Mittel sollten in Bildung und die soziale Infrastruktur investiert werden. "Dieser Erlass bleibt an gute Regierungsführung als Voraussetzung gebunden, denn nur so ist sichergestellt, dass der Schuldenerlass auch wirklich der Überwindung von Hunger und Armut dient", betonte der Kanzler.

Schröder kündigte in dem Zeitungsbeitrag an, bei dem Treffen auch die wirtschaftlichen Belastungen durch drastisch gestiegene Ölpreise anzusprechen. "Der Anstieg der Ölpreise beruht nicht allein auf erhöhtem Verbrauch. Nach Expertenansicht dient nur noch ein kleiner Teil der Handelsbewegungen an den internationalen Börsen der Versorgung mit Rohöl. Der größere Teil sei inzwischen "finanzmarktgetrieben" und damit rein spekulativ, kritisierte der Kanzler. Er wolle sich deshalb für mehr Transparenz, aber auch für einen effizienteren Umgang mit Energie einsetzen.

"An faire Spielregeln halten"

Als weiteres Thema nannte Schröder den Umgang mit hoch spekulativen Hedge-Fonds. Entscheidend sei, "dass sich alle Beteiligten an faire Spielregeln halten", so der Bundeskanzler. "In Deutschland ist es auf Grund des eher kurzfristig angelegten Engagements zu Entwicklungen gekommen, die die Stabilität von Unternehmen bedroht haben", kritisierte er. "Deshalb trete ich für eine weltweit wirkungsvolle Aufsicht ein."

AP/DPA
 
 
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