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Assads großer Sieg – Wüstenstadt Palmyra erobert

Die Terrormiliz IS wurde vollständig aus Palmyra vertrieben, meldet das syrische Militär. Die Truppen von Machthaber Assad erringen einen spektakulären, aber verlustreichen Sieg. 

  Assads Truppen feiern den Sieg über den IS. 

Assads Truppen feiern den Sieg über den IS. 

Die Schlacht um Palmyra ist zu Ende. Am Ostersamstag wurde noch heftig um die Stadt gekämpft, aber nach Angaben aus Militärkreisen wurde die Oasenstadt Palmyra in der Nacht vollständig von Assads Truppen zurückerobert. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen Kämpfen in der Nacht gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra der Nachrichtenagentur AFP.

Die Position der Terrormiliz war schon vorher militärisch unhaltbar geworden, nachdem Assads Truppen entscheidende Hügelketten vor der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Dennoch ließen sich die Dschihadisten auf einen blutigen Abwehrkampf ein. Am Vortag gelang es ihnen noch, Assads Truppen aus dem Gebiet des Flughafens und eines Vororts wieder zu vertreiben. Aber gegen die vereinten Luftangriffe von Loyalisten und Russen und gegen die Übermacht an Artillerie und Panzern hatten sie keine Chance. Am Samstag tauchten erstmals Videos auf, auf denen einer der modernsten Kampfhubschrauber der Russen, ein Mi-28, Angriffe in Palmyra geflogen hat. Die Piloten Assads sind mit wesentlich älteren Maschinen ausgestattet, sie operierten mit alten MIG 21 über der Wüstenstadt.

Nachschubmangel bei den Terroristen

Die Auswertung von Handys gefallener IS-Kämpfer legt nahe, dass die Dschihadisten unter Mangel an Nachschub und Nahrung litten. Ein Foto zeigt einen Kämpfer mit einem gefangenen kleinen Vogel - seiner Mahlzeit für den Tag. Aber auch Assads Kämpfer sollen große Verluste beim Kampf um Palmyra erlitten haben. Anzunehmen ist, dass die IS-Truppen die Stadt in der Nacht aufgegeben haben. Anstatt eines Kampfes bis zum letzten Mann werden sich die überlebenden Kämpfer entlang der Überlandstraße M20 zurückgezogen haben.

Die IS-Terroristen hatte Palmyra im vergangenen Mai erobert und die Welt in den folgenden Monaten durch brutale Hinrichtungen und die Zerstörung mehrere antiker Tempel, Grabmäler und Skulpturen schockiert, die von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt wurden. Vor zwei Wochen startete die syrische Armee dann mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt in der Wüste nordöstlich von Damaskus. 

Damit haben in Syrien und im Irak die IS-Gegner die Oberhand. Im Irak arbeiten sich die Soldaten mit US-Unterstützung an die Großstadt Mossul heran. Mit einer Eroberung von Mossul ist in den nächsten Tagen nicht zu rechnen. Doch die Terroristen bremsen nur den Vormarsch, sie werden keine Trendwende mehr herbeiführen können.

Bedeutende Symbolkraft 

Für Assad ist der Fall von Palmyra ein spektakulärer Sieg. Die Wüstenstadt mit ihren ausgedehnten antiken Ruinenfeldern ist zum Symbol Syriens geworden und zum Symbol der Schwäche des Regimes, das die Stadt nicht erfolgreich verteidigen konnte. Umso wichtiger ist der Sieg jetzt. Die Chance dazu hat Assad der Waffenstillstand in Syrien gegeben. Das Regime in Damaskus hat zwar in jeder Phase des Krieges über kampffähige Truppen verfügt - aber die reichten nie aus für einen Krieg an allen Fronten. Der Waffenstillstand mit vielen Rebellengruppen führt nun dazu, dass Assad seine Elitetruppen auf die restlichen Gegner konzentrieren kann. Bei den Verbänden handelt es sich um ein wildes Gemisch aus Armeetruppen, Hisbollah-Einheiten und Milizionären.

Verlust der Hügel entscheidend

Der Kampf um die Wüstenstadt Palmyra war bereits entschieden, als der IS die Stellungen in den beherrschenden Hügelketten vor Palmyra aufgeben musste. Dort versuchten die Kämpfer des IS den Gegner aufzuhalten, obwohl sie keine  Aussicht auf Erfolg hatten. In dem offenen Gelände wurden ihre Stellungen von der Artillerie der Assad-Anhänger zerschlagen. Deren Ausrüstung hat sich seit der russischen Intervention entscheidend verbessert, sie verfügen nun über russische Raketenwerfer im XXL-Format, selbst die gefürchteten Raketenwerfer vom Typ TOS-1a waren vor Ort.

Russland hilft weiter

Hinzu kommt die russische Luftwaffe. Denn die ist keineswegs vollständig aus Syrien abgezogen worden, genau genommen wurde das russische Kontingent von Putin nur auf eine Stärke wie zu Beginn des Syrien-Einsatzes zurückgefahren. Experten beobachten zudem eine neue Zusammensetzung der russischen Kräfte. Es gibt weniger Kampfflugzeuge für Angriffe aus großer Höhe, stattdessen soll der Kreml mehr Kampfhubschrauber nach Syrien verlegt haben.

Darunter befinden sich auch die Typen Mi-28 und KA-52, die zu den modernsten der Welt gehören. Ihre Aufgabe ist die unmittelbare Unterstützung von Bodenkämpfen, so wie jetzt in Palmyra. Und auch auf dem Boden mischen die Russen mit Spezialeinheiten mit. Nachdem am Donnerstag ein russischer Offizier getötet wurde, teilte der Kreml offiziell mit, dass russische Soldaten zur Aufklärung und zum Leiten von Artillerie- und Luftangriffen direkt an der Front sind. 

Strategische Optionen

Für Assad ist die Eroberung von Palmyra ein massiver Prestigegewinn. Zudem hat der Herrscher von Damaskus allen Rebellen klar gemacht, dass seine Truppen wieder da und zu größeren Angriffsoperationen fähig sind. Insgesamt sollen mehr als 6000 Kämpfer beim Sturm auf die Stadt beteiligt gewesen sein. Militärisch ist die symbolisch so wichtige Stadt nur ein Sprungbrett. Nach der Einnahme können Assads Truppen auf der Überlandstraße weiter nach Westen Richtung As Sukhnah vorstoßen, um so auf Dauer die eingeschlossenen Regierungstruppen in Deir ez-Zor zu ersetzen. Dieser Vorstoß würde das Herrschaftsgebiet des IS in zwei Teile trennen.

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