Möllemanns letzter Brief gibt Rätsel auf

5. Juni 2013, 10:20 Uhr

Vor zehn Jahren sprang Jürgen Möllemann in den Tod. Pünktlich zum Todestag soll ein bisher unbekannter Brief aufgetaucht sein. So unbekannt ist das Schreiben aus Wolfgang Kubickis Safe jedoch nicht.

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Vor zehn Jahren starb der umstrittene FDP-Politiker Jürgen Möllemann bei einem Fallschirmsprung©

Er war der Buhmann der FDP: Auf den Tag genau vor zehn Jahren sprang Jürgen Möllemann mit einem Fallschirm in den Tod. Am heutigen Jahrestag schreibt die "Bild"-Zeitung von "Möllemanns letztem Brief", der pünktlich zum Todestag "aufgetaucht" sei. Möllemann hatte diesen Brief seinem engen Freund Wolfgang Kubicki kurz vor seinem Tod überreicht. Laut "Bild" handelt es sich dabei um ein bisher unbekanntes Dokument, das "auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Freitod ... neue Rätsel aufgibt".

Tatsächlich hatte sich FDP-Politiker Kubicki schon vor über zwei Wochen mit der "Bunten" über den Tod seines Freundes, dieses Schreiben und die Übergabe vor zehn Jahren unterhalten. Auch in einer TV-Dokumentation aus dem Jahr 2007 ("Der Tag als Jürgen W. Möllemann in den Tod sprang") hält Kubicki den Brief in die Kamera.

Mysteriöser Brief an Freund Kubicki

"Er meinte, ich dürfe den Umschlag nur öffnen, wenn ihm etwas passiert sei. Darin würde ich alles finden, was wichtig sei. Am Tag seines Todes hoffte ich, in diesem Brief eine Antwort zu finden", zitierte die "Bunte" damals Kubicki. Der Fraktionsvorsitzende der schleswig-holsteinischen FDP will das Schreiben im April 2003 von Möllemann überreicht bekommen haben. Bei der Briefübergabe soll Möllemann einen sichtlich angeschlagenen Eindruck gemacht haben, schreibt jetzt die "Bild", die erstmals über konkrete Inhalte des Briefes berichtet. Noch am Abend von Möllemanns Tod holte Kubicki den Briefumschlag aus seinem Safe. "Ich hatte in dem Brief mit Hinweisen darauf gerechnet, von wem er sich bedroht und verfolgt fühlte. Und was die Gründe dafür waren", so Kubicki zu "Bild".

"Meine innere Unruhe, über die ich Dir berichtet habe, veranlasst mich, Dir für den angesprochenen Fall vertraulich folgendes zu schreiben", steht in dem zweiseitigen Schreiben. Außerdem wird Möllemanns Ehefrau Carola als Erbin benannt. "Bild" zitiert mehrere Passagen des Briefes. Unter anderem ist die Rede von einem Konto mit 1,2 Millionen Euro in Luxemburg, von dem Möllemann 2002 die anti-israelische Flyer-Aktion bezahlt hatte, wegen der er sich mit der FDP überwarf. "Das Konto in Luxemburg ist ausschließlich meines", schrieb der ehemalige Vizekanzler. Außerdem geht es in dem handschriftlichen Brief um Geschäfte in Teheran und Turkmenistan sowie um Dokumente, die Möllemann in Taschen bei Freunden in Luxemburg und Gran Canaria deponiert hatte.

Vor zehn Jahren war der routinierte Fallschirmspringer Möllemann auf einem Flugplatz in Marl in den Tod gestürzt. Gleichzeitig durchsuchten Staatsanwälte und Steuerfahnder seine Büros und Wohnräume in mehreren Ländern. Die Beamten suchten nach Beweisen für den Verdacht illegaler Parteienfinanzierung. Nach dem Sprung aus 4000 Metern Höhe hatte sich Möllemanns Fallschirm nicht geöffnet. Ob es ein Freitod oder ein Unfall war, ließ sich nie klären.

Offene Fragen und warme Worte

Der Brief hinterließ bei Kubicki viele Fragen: Zum einen war das Schreiben auf ein späteres Datum vordatiert, auf den 17. Mai 2003. Möllemann starb 19 Tage später. Hinweise, von wem sich Möllemann bedroht und verfolgt fühlte, wie er es gegenüber Kubicki bei einem letzten Treffen andeutete, gibt es in dem Brief nicht. Dafür warme Worte an den Freund: "Ich danke Dir sehr, mein Freund, dass Du, wenn nötig, Carola und den Töchtern bei der Bewältigung der wirtschaftlichen/rechtlichen Fragen hilfst." Gegenüber der "Bunten" sagte Kubicki vor einigen Wochen: "Als ich die Unterlagen las, die mir Jürgen hinterlassen hatte, war ich fassungslos. Lauter Belanglosigkeiten. Absolut sinnlos. Darüber ärgere ich mich bis heute." Vor allem für die Töchter Möllemanns, die nur schwer mit dem Tod fertiggeworden seien, hätte sich Kubicki eine Botschaft gewünscht.

Jürgen Möllemann hatte seinem Landesverband zwischen 1996 und 2002 Sach- und Barspenden über insgesamt rund 2,2 Millionen Euro zukommen lassen, deren Herkunft aber verschleiert. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängte deshalb für die FDP vor wenigen Wochen eine Strafzahlung in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro.

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