"Gorleben ist nicht geeignet"

13. April 2010, 12:11 Uhr

Die Umweltorganisation Greenpeace ist nach eigenen Aussagen auf Dokumente gestoßen, die Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endlager kippen könnten. Die Akten würden darauf hindeuten, dass massiv Wasser in den Salzstock eindringe. Von Vera Rigert

0 Bewertungen
Atom, Endlager, Gorleben, Salzstock, Greenpeace, Originaldokumente, Geheimakten, Geheimdokumente

Das Luftbild zeigt das Gelände des geplanten Atommüll-Endlagers in Gorleben, das seit Jahren für Diskussionen sorgt©

Die Umweltorganisation Greenpeace hat der Öffentlichkeit am Dienstag ihre Nachforschungen zum möglichen Atommüll-Endlager im niedersächsischen Gorleben präsentiert. Dazu hatten die Umweltschützer 12.000 Seiten Dokumente niedersächsischer Behörden und Ministerien gesichtet. Laut Greenpeace belegen die Akten des Umweltministeriums in Hannover, dass Gorleben als Standort geologisch ungeeignet ist: "Die Benennung Gorlebens zum nuklearen Entsorgungszentrum war eine rein politische Entscheidung. Es hat kein einziges wissenschaftliches Auswahlverfahren mit dem Ergebnis Gorleben gegeben", sagte der Atom-Experte Mathias Edler von Greenpeace gegenüber stern.de.

Greenpeace fordert neue Standortsuche

Die Dokumente, die Greenpeace vorliegen, würden zeigen, dass das Untersuchungsverfahren zum Standort Gorleben völlig intransparent gewesen sei, sagte Edler. Unter anderem habe Greenpeace eine Akte gefunden, die auf ein riesiges Laugenreservoir in der Größenordnung von 100.000 bis einer Million Kubikmeter im Erkundungsbereich hinweise. "Wenn sich das bewahrheitet, müsste [Umweltminister] Röttgen den Antrag auf Fortführung der Arbeiten in Gorleben zurückziehen, den Standort aufgeben und endlich ein alternatives Standortsuchverfahren in der Bundesrepublik durchsetzen", forderte Edler weiter. Denn wenn Grundwasser in den Salzstock eindringe, sei eine sichere Lagerung der radioaktiven Abfälle nicht mehr zu gewährleisten.

Greenpeace zitierte auch aus einer Akte des TÜV Hannover. Darin war das schleswig-holsteinische Nieby favorisiert worden, handschriftlich hatte man auf dem Dokument jedoch den Standort Gorleben ergänzt. Nach Ansicht von Greenpeace verstieß der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht mit der Benennung eines einzigen Standortes sowohl gegen heutige Maßstäbe als auch gegen die damals gültigen Bewertungkriterien seiner eigenen Beamten.

Fortsetzung der Erkundungsarbeiten?

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) stellte Mitte März einen Antrag auf Fortsetzung der Erkundungsarbeiten im Salzstock von Gorleben. Die Untersuchungen waren im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung vorläufig unterbrochen worden, als man sich mit der Energiewirtschaft auf den Atomausstieg geeinigt hatte. Die Bundesregierung erklärte damals, mehrere Standorte prüfen zu wollen, wozu es aber nie kam. Über den Antrag von Röttgen soll im September dieses Jahres entschieden werden.

"Von Ergebnisoffenheit keine Spur"

Im Bundestag verteidigte Röttgen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben. Es sei ein offenes Verfahren mit offenem Ausgang, sagte er. Er sicherte "über das rechtlich Gebotene hinaus volle Transparenz, Bürgerbeteiligung und Information" zu. Diese Aussage stößt Greenpeace nach der Sichtung der Original-Dokumente sauer auf: "Von Ergebnisoffenheit kann keine Spur mehr sein, wenn man bereits sämtliche Anlagen über einen Salzstock baut, von dem man vorgibt, er würde nur erkundet", sagte Atom-Experte Edler. Das geplante Atommüll-Endlager Gorleben soll aus Einrichtungen zur Zwischenlagerung, Weiterbehandlung und möglichen Endlagerung von radioaktivem Abfall bestehen.

 
 
MEHR ZUM THEMA
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Administrator (14.04.2010, 16:25 Uhr)
@GEHO
Ihre Kommentare wurden gelöscht.

Schreiben Sie ihre Kommentare bitte nicht in Versalien und bleiben Sie sachlich.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Papayu (14.04.2010, 07:28 Uhr)
Muell
Gorleben ist nicht nur unbrauchbar, sondern wird bald versinken. Nicht 100 m sondern nur 20m genuegen. Liegt in den Elbniederungen.Bohrt doch die Zugspitze an, dann leuchtet die eines Nachts.
Fuer anderen Muell ist ja eine Entsorgung gefunden, Afghanistan. Da kann man die alten Fahrzeuge, die Bewaffnung hinschicken. Dass ein paar Soldaten dort den Tod finden ist doch nicht schlimm.
Im Strassenverkehr gibt es viel mehr Tote.
Meine Soehne waren Wehrpflichtige in einer Panzerkaserne. Einen von ihnen fuhr einen VW Bully der bestimmt 20 Jahre alt war. Die Panzer hatten bestimmt dasselbe Alter.
Also Atomkraft auslaufen lassen, Wehrmacht abschaffen. Dafuer fuer alle Jugendlichen ein soziales Pflichtjahr, Maedchen und Jungen, dann waere endlich Gleichheit hergestellt.
Noch eine Frage: Was macht eigentlich unsere Marine- wozu brauchen wir die?-
vor Israels Kuesten. Etwas weiter suedlich waere sie besser eingesetzt.
Als der Reichstag noch Reichstag war gab es ein Gesetz, das allen Abgeordneten
Nebeneinkuefte untersagte, sie haben ihre ganze Kraft dem Volke zu widmen.
Und Lobbiisten gabs damals auch nicht.
Und die heute dort im Reichstag sitzen, haben Gesetze zu beschliessen, die vorher mit usw..... Ja ja denk ich an Deutschland usw.
PS. In asiatischen Staaten gehen die Leute auf die Strasse. Was fuer Hemden muessten sie in D tragen? Rot, Gruen,oder gar GELB???? Schwarz ist den Pfaffen vorbehalten, damit man sie nicht im Dunkeln trifft.

























w
claatu (13.04.2010, 20:48 Uhr)
mir fällt da...
....noch ein Text von Heinz Rudolf Kunze ein: Wie lange wolln wir noch warten
wie weit sie wirklich gehn?
reden wir endlich in der einzigen Sprache
mit ihnen die sie verstehn!

aber da habe ich wenig Hoffnung :-(
rolf.niederstrasser (13.04.2010, 19:09 Uhr)
Gorleben schon bald unter Meeresspiegel
Nur zwei Fragen dazu :
1. Wie hoch liegt Gorleben über dem jetzigen Meeresspiegel ? Antwort: Keine 100 Meter.
2. Wie lange muss der Atommüll vor der Umwelt gesichert sein ? Antwort: Mind. 100.000 Jahre.
Nun etwas zur Klimaveränderung: Alle Gletscher tauen weltweit auf, schneller als man zusehen kann, Grönland taut auf, die Antarktis taut auf, der Nordpol taut auf, Sibirien taut auf. Erwarteter Anstieg des Meeresspiegels innerhalb von 100, na sagen wir großzügigerweise 200 Jahren = 200 Meter.
Mit anderen Worten: unsere Urenkel werden im Bundesland Hessen Meeresstrand haben, und die Salzstollen in Gorleben werden vom Meerwasser aufgelöst werden. Sollen diese hirnrissigen Politiker Antorten darauf geben !!!
johnniedeamonic (13.04.2010, 18:28 Uhr)
...
@tk69



Ich wähle hier bald niemanden mehr. Ein Mittäter weniger :)
Neugieriger12 (13.04.2010, 18:14 Uhr)
Gorleben war niemals geeignet
Alle Gutachten, Untersuchungen, Tests damals waren politisch unter Druck ein positives Ergebnis bringen zu müssen. Die Atomindustrie braucht ein Endlager egal wo (nicht in Bayern oder Bawü, ist klar) um Ihren Dreck loszuwerden.
Gerade räumen wir sie Asse leer, weils dort nicht mehr sicher ist. 2,5 Mill soll das kosten. Alles Geld das normalerweise den Energiekonzernen in Rechnung gestellt werden müsste !!
Atommüll ist nicht sicher zu lagern, alleine schon wegen der Dauer. Die Kosten sind so immens, dass es irgendwann aus Mangel an Geld Sicherheitsdefizite geben wird.
Wir haben uns an den nächsten x Generationen versündigt, die werden uns dafür verfluchen.
.
Aber egal, Hauptsache die Dividende war in Ordnung
claatu (13.04.2010, 17:41 Uhr)
Fachkräfte..
....wie unsere Kanzlerin, immerhin Physikerin, die die Nutzung von Atomkraft derart forcieren, sind entweder völlig skrupellos oder ziehen massive persönliche Vorteile aus ihrer Unterstützung. Ich vermute, das es eine Mischung von beidem ist.
Na ja, wenn das AKW bei mir um die Ecke mal hochgeht bin ich wenigstens gleich weg.... dumm nur, das die eigene Wählerschaft dann auch verschwindet.
tk69 (13.04.2010, 15:10 Uhr)
Ich habe zumindest ein reines Gewissen: Ich habe diese Regierung nicht gewählt!
hannes_schinder (13.04.2010, 14:52 Uhr)
Atomenergie ist völlig unverantwortlich.
Zukünftigen Generationen dieses Erbe aufbürden ist ein schweres Verbrechen!

Kondome statt Atome!
knilch_59 (13.04.2010, 14:01 Uhr)
So blöde es klingt:
Besser Gorleben weiter erforschen, als gar nichts tun, insofern hat sogar Herr Röttgen Recht.
.
Aber es wird immer deutlicher, dass man nicht nur auf dieses eine Pferd setzen darf. Also: her mit den Alternativen. Der absolute Horror wäre doch, dass die Stilllegung / der Abriss der alten AKW nicht erfolgen darf, weil man nicht weiß, wohin man den dabei entstehenden Müll packen soll oder gar, weil die dortigen Lagerkapazitäten in den Abklingbecken usw. noch gebraucht werden.
.
Oder ist es das, worauf man hinaus will?
.
Aber in der Zwischenzeit sollte eins klar sein: Mit dem Betrieb von AKW sollte kein Geld verdient werden dürfen, Profite müssen staatlich abgeschöpft werden. Es war unverantwortlich, sich auf diese Technologie einzulassen, und die Vorstellung, dass der Steuerzahler unvorstellbare Kosten für die Lagerung tragen muss, weil die Aktionäre von RWE, Vattenfall, En-BW und E-On zu bedienen waren, ist schlicht grauenhaft!
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug