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Gabriels Gewichtsprobleme

Bei der Verteilung des politischen Gewichts in der SPD ist der neue Parteichef Sigmar Gabriel beim Parteitag in Dresden bestens bedient worden. Fraglich ist nur, ob der Genussmensch die notwendige körperliche Disziplin für den Job aufbringt.

Von Hans Peter Schütz

Wer hat das Sagen in der neu formierten SPD? Sicherte man den Genossen auf dem Dresdner SPD-Parteitag Diskretion zu, bekam man eindrucksvolle Antwort. "Ganz klar, der Sigmar Gabriel." Und seine neue Generalsekretärin Andrea Nahles? "Auch ganz klar, die darf dann für ihn sorgen, wenn er verschnupft ist!" So gesehen übte die neue SPD-Spitze in Dresden an dieser Rollenverteilung bereits eifrig. Als dem schwer verschnupften neuen Parteichef während seiner Bewerbungsrede die Nase lief, sprang Nahles ans Rednerpult und reichte dem Chef ein Taschentuch. Die fürsorgliche Geste wurde von den Delegierten mit Erleichterung aufgenommen. Denn zuvor war kolportiert worden, wie die beiden bei dem Interview miteinander umgesprungen waren, das sie zuvor dem "Spiegel" gegeben hatten. Zweimal habe dabei Nahles ihren "Siggi" mit dem Satz angefahren "Jetzt reicht es, so geht das aber nicht, so was kannst du doch nicht sagen." Schon fürchteten die Interviewer, sie würde das Gespräch abbrechen.

Künftigen Schmusekurs signalisiert das nicht. Hinzu kommt, dass Gabriel mit 94,2 Prozent gewählt wurde, Nahles aber nur mit beinahe schon blamablen 69,6 Prozent zur Generalin der Partei gekürt worden ist.

Bei der Verteilung des politischen Gewichts ist Gabriel in Dresden glänzend bedient weggekommen. Doch blickt die SPD in einem Punkt mit Verunsicherung der Arbeit ihres neuen Vorsitzenden entgegen. Die Frage sei, ob er letztlich auch die notwendige persönliche körperliche Disziplin aufbringe, um die Partei aus ihrer tiefen Krise zu führen. Hintergrund des Misstrauens sind seine Essgewohnheiten. Denn geradezu chronisch sind sein Appetit und das damit verbundene Übergewicht. Im Kampf gegen seine Kilos ist Gabriel weitaus schwächer als im politischen Kampf. Darüber berichtete unlängst der CDU-Politiker Philipp Mißfelder. Bei einem offiziellen Essen, an dem er mit Gabriel teilnahm, habe der dickliche SPD-Mann sich durch überaus gebremsten Appetit ausgezeichnet. Auf Nachfrage habe er mitgeteilt, dass er derzeit streng auf Diät sei, um mit größerer Beweglichkeit künftig die SPD führen zu können. Mißfelder, der auch immer mal wieder vollschlanke Figur zeigt und dann abhungert, war tief beeindruckt, weil sich der Genosse auch noch vorzeitig und vor dem Nachtisch von der Tafel verabschiedete, um nicht doch noch rückfällig zu werden. Dumm nur, dass die zurück gebliebene Ess-Runde per SMS bald darauf erfuhr, dass Gabriel jetzt bei einem Italiener vor einer Super-Pizza sitze und sie sich schmecken lasse.

Bekannt ist auch, dass Gabriel sich wie so viele Politiker sehr oft zum Abspecken zur so genannten "Mettnau-Kur" nach Radolfzell an den Bodensee begibt. Dort herrscht strenge Diät. Und wenn es dann einmal am Tag eine kalorienarme Suppe mit Wurzelgemüse gibt, pflegt Gabriel tief zu seufzen: "Jetzt dauert des 15 Stunden, bis es wieder was zu essen gibt."

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Eine der bemerkenswertesten personellen Entscheidungen bei der Berliner Postenverteilung betraf Mißfelder. Eigentlich sollte der Junge-Union-Chef neuer wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden. Auch Fraktionschef Volker Kauder war dafür. Doch statt in der Wirtschaftspolitik landete Mißfelder völlig überraschend in der Außenpolitik. Chef der fraktionsinternen Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Technologie wurde der baden-württembergische CDU-Abgeordnete Joachim Pfeiffer, bisher nur als Energieexperte bekannt. Mißfelder wurde überraschend Sprecher der Arbeitsgruppe Auswärtiges. So hingefummelt hat dies der neue für Wirtschaft und Mittelstand zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs. Dem sei es unwohl gewesen, sagen Parteifreunde, einen so mediengewandten Mann wie Mißfelder zum Partner zu haben, zumal der auch noch aus Nordrhein-Westfalen kommt, wo man wirtschaftspolitisch sehr viel "linker" denkt als es den CDU-Mittelständlern lieb ist.

Mißfelder kassierte wegen seiner unerwarteten "Versetzung" in den Arbeitskreis Auswärtiges zwar mit 79 Prozent Zustimmung das schlechteste Ergebnis aller Arbeitskreis-Vorsitzenden der CDU/CSU. Aber er ist mit seinen 30 Jahren der jüngste CDU-Mann, der es je auf diesen Posten geschafft hat. Dorthin wurden früher eher staatsmännische Oldies entsorgt. Mißfelders persönliche außenpolitische Leidenschaft gilt Israel, wo er schon häufig weilte. In Sachen Afghanistan befindet er sich, wie er stern.de versicherte, in voller Übereinstimmung mit Verteidigungsminister zu Guttenberg. Der hat bekanntlich Verständnis dafür, wenn dieser Konflikt als "Krieg" bezeichnet wird.

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Dass Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel ein Ressort übernommen hat, das er zu Oppositionszeiten stets für die Auflösung vorschlug, ist bekannt. Auf dieser Schiene des Rufs, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, fährt allerdings auch Werner Hoyer, neuer Staatsminister im Auswärtigen Amt. Dort soll er die Aktivitäten der FDP-Ministerriege im Sinne von Guido Westerwelle koordinieren. Als Vizekanzler Steinmeier einen solchen Posten einrichtete, schimpfte Hoyer, hier werde ein "hoch bezahlter Beamter für parteipolitische Aufgaben" missbraucht." Der Vorgang sei "einmalig" in der Geschichte des Auswärtigen Amtes, schimpfte er vor der Wahl und forderte die Streichung des Postens, den er nun selbst angetreten hat. Allerdings: Auf eine Art handelt Hoyer damit konsequent. Zu seiner Zeit als Generalsekretär pries er die FDP als "Partei der Besserverdienenden." Mit dem neuen Posten verdient er jetzt fast doppelt soviel wie ein einfacher Abgeordneter.

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