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4. November 2009, 17:31 Uhr
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Im Krieg - auch mit der Wahrheit

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat es erstmals ausgesprochen: In Afghanistan herrschen "kriegsähnliche Zustände". Jetzt muss die Schizophrenie der Afghanistanpolitik ein Ende haben. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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"Kriegsähnliche Zustände": Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg© Oliver Berg/EPA

Die Bundeswehr darf sich freuen: Endlich ein Verteidigungsminister, der wenigstens halbwegs zu sagen wagt, was in Afghanistan Sache ist. Die ungeschminkte Wahrheit traut er sich allerdings auch noch nicht zu. Immerhin, so Karl-Theodor zu Guttenberg, verstehe er jeden, "der sagt, in Afghanistan ist Krieg". Leider ist das nur ein verbaler Fortschritt. Redete sein Vorgänger im Amt noch von "Kampfeinsatz", bemüht er jetzt die Worte "kriegsähnliche Zustände".

Zu Guttenberg ist ein Politiker, der sich glänzend darauf versteht, schwierige Sachverhalte politisch für sein Prestige gewinnbringend zu verkaufen. Als es um die Rettung von Opel ging, ist er im Kabinett eindeutig gescheitert. Doch die Niederlage vermarktete er meisterhaft für sein Image. Beim Thema Afghanistan sollte er indes dergleichen nicht noch einmal versuchen.

Die deutsche Politik, und auch der Verteidigungsminister, befinden sich beim Thema Afghanistan im Krieg - vor allem mit der Wahrheit. Was dort stattfindet ist Krieg. Wir müssen leider sagen: Krieg in Reinkultur. Und in einer Form, bei der unser Grundgesetz eindeutige Voraussetzungen für eine Beteiligung daran vorschreibt. Doch dieses Verfassungsproblem haben die Verteidigungsminister Scharping, Struck und Jung schlicht verdrängt. Und vorerst tut dies auch die wiedergewählte Kanzlerin Merkel mit ihrem Verteidigungsminister zu Guttenberg.

Schizophrene Afghanistan-Politik

Der Krieg in Afghanistan ist gegen jedes Völkerrecht. Wenn die Bundesregierung am Hindukusch sich angeblich gegen den Terrorismus verteidigt, dann muss sie sich auch die Frage gefallen lassen, weshalb Kanzlerin Merkel denn gerade einem US-Präsidenten die Aufwartung macht, ohne ihn zu fragen, weshalb der Obama-Vorgänger George W. Bush die Taliban mit Millionen Dollar einst eigentlich waffentechnisch aufgepäppelt hat. Man darf die Bundesregierung auch fragen, weshalb sie Leib und Leben deutscher Soldaten in einem Krieg riskiert und verliert für ein Regime, das sich soeben nur dank massivem Wahlbetrugs "demokratisch" an der Macht halten konnte.

Und, ganz am Rande, muss sich der CSU-Politiker zu Guttenberg auch fragen lassen, weshalb das von seiner Partei regierte Land Bayern, sich bisher hartnäckig geweigert hat, Polizisten nach Afghanistan zur Schulung der dortigen Sicherheitskräfte schicken. Laut hat diese CSU bejubelt, dass auf diesem Wege ein deutscher Beitrag zur inneren rechtsstaatlichen und demokratischen Stabilisierung Afghanistans stattfinde. Danach hat sie sich rigoros vor dieser Aufgabe gedrückt.

Was wird der Bundeswehr noch zugemutet?

Die deutsche Verwicklung in den Afghanistan-Konflikt ist rundum eingewickelt in ein Lügengespinst. Alle Parteien im Bundestag wissen es. Aber nur die Linkspartei zieht daraus bisher konsequente politische Forderungen und drängt auf Abzug. Die anderen müssten endlich die Frage offen beantworten, was auf die Bundesrepublik denn noch zukommt. Die USA gehen davon aus, dass für den "Frieden" in Afghanistan weitere 40.000 Soldaten notwendig sind. Das läuft darauf hinaus, dass auch die Deutschen ihr Kontingent erhöhen müssten, da andere europäische Verbündete ihre Truppen bereits abbauen.

Wann die seit langem überfällige Afghanistan-Konferenz endlich stattfindet, weiß niemand. Aber die Soldaten der Bundeswehr haben Anspruch darauf, dass endlich in allen Konsequenzen, auch den finanziellen, von der Politik akzeptiert wird, dass man sie in einen Krieg schickt. Selbst der wortgewandte Verteidigungsminister sollte daher endlich "Krieg" sagen und nicht von "kriegsähnlichen Zuständen" reden.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Administrator (04.11.2009, 17:31 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare - wir beenden die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Sozimod (04.11.2009, 17:15 Uhr)
Menschenrechtsverletzungen
@Stammtischparole:
Menschenrechte werden nicht nur in Afghanistan verletzt. In China( trotzdem treiben wir da munter Handel), in Deutschland und auch in America. Wir hätten viel zu tun, wenn wir überall einmaschieren wollen, wo Menschenrechte verletzt werden. Nach welcher Norm verfahren wir? USA, Russland, Israel? Sie machen sich das ein bischen zu einfach. Die Nato benötigen wir schon lang nicht mehr. Die USA (Bush jun.) hat ohne UN Mandat ein Krieg gegen den Irak geführt. Wir sollten uns überlegen, welche Werte wir vertreten wollen. Ich sage raus aus Afghanistan und Nato auflösen. Vorschläge auf linksfraktion.de. Es wurde genug getötet in Israel, China, Afghanistan, Sudan und Kosovo. Eine Friedensinitiative muss zwingend durchgeführt werden. Die Profiteure der Waffenverkäufe sollten das Land wieder aufbauen. Die vielen Zivilisten und Kinder, die seit 11 Jahren getötet und verkrüppelt wurden, die Umwelt die auf Jahrzehnte zerstört wurden umsonst geopfert. Die Soldaten nicht zu vergessen. Wer eine andere Philosophie vom Leben hat, sollte sich hinterfragen. Was würden Sie tun, wenn Weltmächte in Deutschland einmaschieren würden. Ich habe ein anderes Verständnis zur Freiheit.
Es geht in Afghanistan in erster Linie um Geld und Macht. Gaspipelines, Drogen und Öl.
Stammtischparole (04.11.2009, 16:07 Uhr)
@Gisella
Zum Sicherheitsrat: Als dieses Gremium erdacht wurde wollte man die, zu diesem Zeitpunkt mächtigsten Nationen der Welt (Atomwaffenbesitzer) an einen Tisch holen. Das diese Ihre Macht nun nicht gerne teilen wollen ist wohl mehr als verständlich.

Zum Systemwechsel: Meiner Meinung nach haben wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, dort einzuschreiten wo Menschenrechte systematisch verletzt und verweigert werden. Das die westliche Welt dieses eigennützig behandelt und oftmals nur seinen Vorteil sucht, ist mir vollkommen klar. Trotzdem steht die Bundesrepublik als hoch entwickelte und sehr reiche Nation (zumindest im Vergleich zu 95% der anderen Staaten) in der Pflicht ihr möglichstes zu tun um das Leid anderer zu mildern. Mittlerweile sprechen die Politiker ja auch nicht mehr so laut vom Aufbau einer Demokratie. Aber zumindest eine kleine Vorstufe: relativ freie Wahlen, ein höherer Anteil an Schulkindern (auch Mädchen), eine niedrigere Sterberate, mehr Straßen, wirtschaftlicher Aufschwung. Auch so etwas passiert in Afghanistan. Und dies wäre ohne die Präsenz der ISAF sicher nicht möglich.
Gisella (04.11.2009, 12:15 Uhr)
und noch was an stammtisch.....
wenn wir doch so geachtet sind in der großen, weiten welt-warum haben wir kein Veto -Recht in der UN??? Und bekommen es auch nicht??? Staaten, die das Völkerrecht , sind drin....
Gisella (04.11.2009, 12:10 Uhr)
stammtisch.....
ihr letzter satz war wichtig: man hat gerade angefangen ein (unser) system dort zu implementieren-welches recht haben wir, das zu tun- und wir sind nicht erst seit gestern da-es sind 8 lange jahre.8jahre, die uns inzwischen milliarden gekostet haben und unnütze Fatalitäten=Tote.
mats123 (04.11.2009, 11:34 Uhr)
Terror Krieg Chaos Anarchie Wüste Mittelalter
Wie will man die aktuelle Situation in Afghanistan benennen? Geht das mit einem einzigen Wort? Und was erreicht man, wenn man das K-Wort benutzt? Mir ist die hitzige Debatte um einen Begriff unverständlich. Ebenso, wie es mir unerklärlich ist, warum Schwule für ihre Partnerschaften unbedingt den Begriff "Ehe" nutzen wollen, ist es mir ein Rätsel, warum manche den Zustand in Afghanistan unbedingt mit "Krieg" bezeichnen wollen? Was liegt den Schwulen an den drei Buchstaben e,h und nochmal e. Ist ihre Partnerschaft davon abhängig? Was liegt manchen Linken daran, für die Situation in Afghanistan unbedingt die fünf Buchstaben k, r, i, e und g zu benutzen? Was ändert das an der Situation dort, was erreichen sie damit an politischen Zielen in Deutschland? Das ist doch alles Wortklauberei, nur um eines rethorischen und psychologischen Effektes willen.

Tatsache ist doch, dass ein schwules Paar niemals gleich einem heterosexuellem Paar sein wird, denn Mann und Mann ist nicht gleich Mann und Frau. Ebenso ist doch Tatsache, dass der Einsatz der deutschen Soldaten in Afghanistan nicht vergleichbar ist mit dem ersten oder zweiten Weltkrieg. Es gibt in Afghanistan im Vergleich zu einem richtigen Krieg keine militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Armeen verschiedener Nationen, sondern einen Kampf gegen Terroristen, die auch von der heimischen Bevölkerung abgelehnt werden. Todesopfer etc. gibt es primär durch Terroranschläge, nicht durch Waffeneinsatz der Soldaten. Alle Soldaten vor Ort wollen die Zivilbevölkerung schützen und den Staat Afghanistan stärken, sie wollen das Land nicht bekämpfen. Das alles sind erhebliche Unterschiede, die es rechtfertigen, ich nicht undifferenziert von "Krieg" zu sprechen. Es ist eine neue Situation, für die es den Begriff "Kampf gegen den Terror" gibt. Wer meint, unbedingt "Krieg" sagen zu müssen, vereinfacht zu sehr.
Stammtischparole (04.11.2009, 11:24 Uhr)
@Gisella
Liebe Gisella, sollte man in der Abstimmung einfach nur fragen ob das Volk den Einsatz in AFG befürwortet oder nicht? Sollte man die Menschen in diesem Land dann nicht auch fragen ob sie weiter Mitglied der Nato sein wollen? Ob Deutschland eine geachtete Mittelmacht mit Einspruchsmöglichkeiten bei wichtigen Entscheidungen auf dem Parkett der internationalen Beziehungen bleiben will? Ob Deutschland seine wirtschaftliche Macht auch in der Außenpolitik repräsentieren sollte? Ob man ein Land im Stich lassen will nachdem man gerade erst angefangen hat ein fremdes System dort zu implementieren?

Gisella (04.11.2009, 11:15 Uhr)
"Das endziel" wäre
das Deutsche Volk abstimmen lassen-wollt oder wollt ihr nicht diesen Krieg in Afghanistan -unjd wollt ihr dafür auch weiterhin zahlen. Ich dachte immer, unsere Volksvertreter heißen so, weil sie unsere Interessen vertreten sollen-aber nicht wollen. Kommt ein klares "Nein" heraus-ist der Krieg dort unten aus... Ohhhh, hat sich gereimt-wie schön. 8 Jahre für Nichts in Aghanistan sind genug.
smartyy (04.11.2009, 06:04 Uhr)
unmoeglich !!!!!
1.dieses land afghanistan ist zu arm um in einer demokratie zu ueberleben
2.wir haben dort wircklich nichts verloren.
3.wenn man krieg macht dann soll man alle waffen syuesteme benuetzen die man hat und den soldaten die moeglichkeit genben sich zu verteidigen sonst ist es ein verbrechen am eigenen volk.
4.russland hat alle waffen eingesetzt die sie hatten und haben trozdem verloren.
5.was ist das end ziel kann das mir einer sagen !!!!
Stammtischparole (04.11.2009, 00:39 Uhr)
@Aquarius2 (03.11.2009, 20:29 Uhr)
Eine sehr genaue Aufschlüsselung aller bisher im Dienst ums Leben gekommenen/Gefallenen Soldaten de Bundeswehr finden Sie auf der offiziellen Seite der Bundeswehr.

http://tinyurl.com/caz47g

Bei Auslandseinsätzen getötete/gefallene und verwundete Soldaten:

http://tinyurl.com/yl73wpr

Selbsttötungen:

http://tinyurl.com/ygarngn


Dieser Komplex ist also, wie der STERN in seinen Reportagen einige Male gezeigt hat, sensibel, aber keinesfalls geheim!
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