6. September 2011, 11:49 Uhr

Immer mehr Väter gehen in die Wickelpause

Kind statt Arbeit - für immer mehr Väter ist das zumindest kurzzeitig ein attraktiver Tausch. Fast jeder vierte Mann, der im ersten Quartal 2010 Vater wurde, hat laut Statistischem Bundesamt eine Jobpause eingelegt und Elterngeld bezogen. Deutschlands Vorzeigepapas leben offenbar in Sachsen.

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Erfolgsmodell Elterngeld? Der gleichzeitige Anstieg von Leistungsempfängern und Geburten könnte ein Hinweis darauf sein©

Immer mehr Väter nehmen Elterngeld in Anspruch. Im ersten Quartal 2010 habe knapp ein Viertel (24,4 Prozent) von ihnen Elterngeld bezogen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Das bedeute einen Anstieg um 1,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei Müttern lag die Quote demnach konstant bei 96 Prozent. Insgesamt bezogen in den drei Monaten 2,5 Prozent mehr Eltern die staatlichen Leistungen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg die Zahl der geborenen Kinder um 1,3 Prozent.

Das Bundesfamilienministerium zeigte sich erfreut über die Entwicklung. Die steigende Beteiligung der Väter zeige, dass das Elterngeld "eine tragende Säule moderner Familienpolitik" sei, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Hermann Kues (CDU). Gemeinsam mit dem Ausbau der Kinderbetreuung schaffe das Elterngeld bessere Rahmenbedingungen, damit Eltern sich ihre Kinderwünsche erfüllten könnten.

Deutlich kürzere Bezugsdauer bei Vätern

Jeder dritte Vater (31 Prozent) erhielt die staatliche Unterstützung nach Angaben der Statistiker unmittelbar nach der Geburt des Kindes, also in dessen erstem Lebensmonat. Rund zwölf Prozent bezogen im zweiten oder dritten Lebensmonat des Kindes erstmals Elterngeld. Mehr als jeder fünfte Vater (22 Prozent) bekam das Geld erstmals im zwölften oder 13. Lebensmonat des Kindes. Durchschnittlich nahmen Väter 3,4 Monate lang Elterngeld in Anspruch. Mütter bezogen die Hilfe in der Regel direkt nach der Geburt des Kindes für einen Zeitraum von durchschnittlich 11,7 Monaten. Väter bekamen durchschnittlich mehr Geld als Mütter. Männer, die vor der Geburt des Kindes arbeiteten, bezogen im ersten Monat durchschnittlich 1182 Euro. Damit bekamen sie rund ein Drittel mehr als die vor der Geburt erwerbstätigen Mütter, die im Durchschnitt 868 Euro erhielten. Die Statistiker berechnen rückwirkend die beendeten Elterngeldzahlungen und beziehen sich deswegen auf 2010. Sie treffen keine Aussagen über aktuelle Leistungen.

Sachsen Spitze - Saarland Schlusslicht

Deutschlands Vorzeigepapas leben offenbar in Sachsen. Dort erhalten 32 Prozent der Väter Elterngeld, knapp gefolgt von Bayern (31,7). Nur knapp über dem Bundesdurchschnitt von 24,4 Prozent liegen Hamburgs Jung-Papas mit 26,2 Prozent. Die geringste Neigung von Vätern zur Neugeborenen-Betreuung gibt es im Saarland (14,1 Prozent), in Sachsen-Anhalt (17,3) und in Nordrhein-Westfalen (18,9).

Die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte das Elterngeld auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen Anfang 2007 eingeführt. Eltern erhalten seitdem bis zu 14 Monate lang Geld vom Staat für Neugeborene als Lohnersatz. Die Statistik dürfte den Befürwortern der Förderung Auftrieb geben. Der gleichzeitige Anstieg von Leistungsempfängern und Geburten könnte ihr Argument bekräftigen, mit den Staatsmilliarden werde die Familienplanung attraktiver.

mad/AFP/Reuters
 
 
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