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12. April 2008, 14:44 Uhr

Der oliv-grüne Machtpolitiker

Er war der heimliche Leitwolf der Grünen und ihr Aushängeschild. Er schaffte es vom Schulabbrecher bis zum Vize-Kanzler. Doch Joschka Fischer, der am Samstag 60 wird, warf das Grundprinzip seiner Partei skrupellos über Bord. Und das nur für ein Ziel: Macht. Eine Abrechnung von Arno Luik

Joschka Fischer - die Widersprüche seines Lebens ausradiert© Marcus Brandt/DDP

Joschka Fischer - Tusch! Tusch! Und noch mal ein Tusch! - wird heute 60 Jahre alt. Und er sieht sehr zufrieden aus, scheint mit sich und der Welt im Reinen zu sein, er ist heute wieder etwas fülliger als vor ein paar Jahren, eine junge Frau ist an seiner Seite, gerne kocht er mit ihr, ja, Joschka Fischer, Metzgersohn aus dem schwäbischen Gerabronn, der einige Zeit lang sein Leben mit Buchdiebstählen finanzierte - ist nun ein Staatsmann im Ruhestand, sehr angesehen allüberall.

Er, der die Schule abgebrochen, kein Abitur, kein Studium absolviert, keinen Berufsabschluss hat, der ein bisschen Taxi gefahren ist, Filmstatist war, jahrelang nicht wusste, was aus ihm werden sollte, "zur Erleuchtung" im Wald Pilze sammelte, hat allen Grund zufrieden zu sein. Er ist Minister a.D. und hat überdies - zumindest für ein paar Monate - an der amerikanischen Elite-Universität Princeton gelehrt. Joschka Fischer - das ist eine deutsche Karriere der ganz besonderen Art.

Joschka Fischer kann im Blick zurück stolz auf sich sein. Kann er das wirklich?

Ein Rabauke, der gerne rumbüllte

Zum ersten Mal habe ich Fischer in den späten 70ern, frühen 80ern des vorigen Jahrhunderts erlebt, als einen, der gern rumbrüllte, der in einer abgewetzten Lederjacke mürrisch rumhing; ein Rabauke, der damals gegen die Startbahn West in Frankfurt agitierte - mit krächzender, knarrender Stimme, einer Vollversammlungsstimme bei der selbst Banalitäten aufwühlend pathetisch klingen. Wer anderer Meinung war, wer vom Ziel des revolutionären Kampfes auch nur einen Millimeter abzuweichen drohte, den versuchte er niederzubügeln, zu diffamieren; stalinistisch war sein Verhalten - wer nicht für ihn war, war nicht sein Gegner, nein, er war sein Feind.

Es waren jene Jahre, in denen Fischer dem Staat, der Gesellschaft den Kampf erklärt hatte, in denen er kräftig zuschlug, mit Steinen bei Demos um sich warf, in den Wäldern bei Frankfurt mit seiner "Putztruppe" den revolutionären Kämpf übte, das Attackieren von Polizisten, das Zurückschlagen, und Dinge schrieb wie: "Es ist erwiesen, dass bei den Nato-Truppen, auch bei der Bundeswehr und teilweise auch beim Grenzschutz, systematisch geübt wird, was zum Einmaleins des Militärs im Kapitalismus gehört...: Folter."

Im Herbst 1994 traf ich Joschka Fischer für ein langes Gespräch in seiner Frankfurter Wohnung. Über seine militante Vergangenheit wollte er nicht reden, nicht über seine Schlägereien, nicht über die Molotovcocktails auf einen Polizeiwagen, nicht über seine jahrelange Perspektivlosigkeit, auch nicht darüber, wie er es geschafft hatte, die grüne Partei, deren Gründer er lange Zeit verhöhnt hatte, nach und nach - mit Hilfe seiner Putztruppe - zu übernehmen.

Fischer will Macht. Und die mit aller Macht

Joschka Fischer hatte damals, 1994, ein klares, neues Ziel: Er wollte unbedingt in die Regierung, und dafür musste er seine Vergangenheit neu erfinden. Ich habe viele Gespräche mit Politikern geführt - aber bei niemandem war es so schwierig, ein Gespräch abgesegnet zu bekommen. Der Minister in spe, er wollte, er musste, die Widersprüche seines Lebens ausradieren. Er musste sich neu erfinden. Seine Politik. Seine Figur. Er sah sich damals schon als ein Großer der Geschichte, der sich um seinen korrekten Nachruf sorgte.

Joschka Fischer ist ein simpler Mann. Er tickt extrem einfach. Er will Macht. Und die mit aller Macht. Wichtig sein. Man muss sich nur jenes Bild in Erinnerung rufen, als er das erste Mal auf der Regierungsbank in Berlin saß: Er konnte, so sehr er sich auch mühte, sein Triumphlächeln nicht unterdrücken.

Mitmachen, dabei sein, oben sein - das ist Joschka Fischer, dafür müht er sich. Und dass ihm das so perfekt gelang, dafür hat Joschka Fischer eine besondere Gabe: Wenn er eine Meinung hat, dann hat er sie tausendprozentig. Und keine Selbstzweifel, keine Skrupel, das gibt ihm Kraft. Und wenn er seine Meinung ändert, was häufig geschieht, dann ändert er sie wieder tausendprozentig. Und tritt markig für eine Politik ein, die er kurz zuvor markig verurteilt hat.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
ganzbaf (14.04.2008, 10:18 Uhr)
Und das, juky, wird so lange so weitergehen...

bis es zu einer echten, direktdemokratischen Volksdemokratie kommt.
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Wir braucne die "PEVV": Partei zur Einführung der vollumfänglichen Volksabstimmungsdemokratie ! (-:
Xennia (14.04.2008, 08:53 Uhr)
Narzismus und Macht
Ich habe das Buch "Narzismus und Macht", von Hans-Jürgen Wirth gelesen
Wirth beschreibt darin, wie narzistische Politiker die Geschicke eines Landes bestimmen, indem viele ihrer politischen Entscheidungen von ihrer Störung geprägt sind. Fischer wird auch als Beispiel aufgeführt.
joky_19 (13.04.2008, 22:20 Uhr)
Nazistischer Grundcharakter
Danke für diesen Beitrag - endlcih schreibt mal ein Journalist die Wahrheit über nazistische (nicht nur narzistische) charakterliche Grundstruktur der Fischer und Cohn-Bendit Figuren. Wie lange geht man diesen Kerlen hier noch auf den Leim? Denen jede Lüge, jede Inszenierung bis hin zu vorgeblich den Menschnerechten dienenden Kriegen recht war, um ihre ganz persönlichen aus archaischem Macht- und Überlegenheistinstinkt herrührenden Zielen zu befriedigen. Bei all dieser erbärmlichen intellektuellen Armseligkeit!!! Professor wollte der unsägliche Mensch sich nennen? Da lachen nicht nur die Hühner...
Holger566 (12.04.2008, 18:15 Uhr)
JF
Dieser Herr Fischer ist für mich das was es ist und wie es da steht: ein olivgrüner Karrierist, der die friedensbewegten "Grasgrünen mit der Sonnenblume" für immer ruiniert hat.
knilch_59 (12.04.2008, 16:51 Uhr)
Das Dilemma der „Realos“
Ich finde den Artikel in seiner strikt tendenziösen Art gut – zeigt er doch umfassend auf, wie man es auch sehen könnte. Und er legt das Dilemma der „grünen Revolution“ in seiner ganzen Breite offen.
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Fischer ist zu einer Zeit als „Fundi“ gestartet, als es die „Realos“ noch nicht gab. Er hat sehr viel schneller als andere Parteifreunde erkannt, dass auch die Grünen dieses System nicht von außen verändern können, ohne Gewalt anzuwenden. Andererseits - als Bestandteil des Systems kann man zwar einiges gestalten, aber zwischendurch wird man sogar die eine oder andere „Verschlechterung“ mittragen müssen. Die Tragweite dieses Dilemmas hat Fischer erkannt und für sich einen Umgang damit gefunden.
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Fischer hat sich für die zweite Variante entschlossen – mit den Wölfen heulen. Man mag ihm das vorwerfen, sicherlich hat er dazu eine ganze Reihe von Grundpositionen geopfert. Aber – was hat er damit bewirkt:
1.Die Grünen sind als vollwertiger Ansprechpartner im deutschen Parteiensystem etabliert – ohne ihn undenkbar.
2.Grünes Gedankengut – Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, Schonung der Ressourcen, Balance aus Ökologie und Ökonomie, … - sind auch (mit Ausnahme der FDP) in der Mitte der anderen Parteien angekommen
3.Deutschland wird im Ausland als Ansprechpartner hoch geachtet – heute noch mehr als vor 20 Jahren, obwohl seine objektive Rolle in der Welt (Bevölkerungsanteil, Anteil an der Welt-Wirtschaftsleistung) im gleichen Zeitraum gesunken ist – die Eiertänze von Rot-Grün haben sich auf internationalem Parkett bewährt – wenn das nicht die persönliche Leistung eines Außenministers ist, was dann?
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Man kann ihm Macken vorwerfen, aber Fischer hat sie sicherlich nicht zum Schaden seines Landes in die Wagschale geworfen. Wenn der Slogan „Grün wirkt“ heute überhaupt eine Berechtigung haben darf, dann nur durch ihn persönlich. Und seine Nachfolger sollten sich darüber im Klaren sein, dass heute noch keiner bereit wäre überhaupt mit ihnen ein ernsthaftes Gespräch zu führen, wenn nicht Fischer und seine Putztruppe aus einer Selbsterfahrungsgruppe eine Partei gebaut hätten!
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Insofern – Alles Gute zum Geburtstag und Danke für die Arbeit!
politikum (12.04.2008, 16:16 Uhr)
vielleicht ist er aber auch
der Beweis dafür, dass selbst der grünste Grüne in einer Regierung einsehen muss, dass einige Ansichten seiner Partei mit der politischen Realität nicht vereinbar/verantwortbar sind...!
hbbaer (12.04.2008, 16:14 Uhr)
Nun macht mal halblang!
Ob einer nun füllig ist oder nicht, ob er "halbgebildet" ist, nur dadurch, dass er keinen Abschluss geschafft hat, ist letztlich egal. Vielmehr kotzen mich die Taten anderer, die sehr wohl ihren Abschluss hingekriegt haben (teilweise sogar ganz alleine!!) um nachher in die Politik zu gehen, hier selbstgefällig fast schon von Tag zu Tag ihr Fähnchen neu in den Wind zu hängen deutlich mehr an. Fischer hat es dagegen bis weit "nach oben" geschafft, hat viel Mist gebaut, eine Partei zerstört usw. Klar ist er ein Despot, doch immer noch eine Randfigur, die bei weitem nicht so gefährlich geworden ist, wie manch andere(r).
Knuffiman (12.04.2008, 15:51 Uhr)
vom Tellerwäscher
zum Millionär. Geht auch in Deutschland. Aber nur, wenn man in der Politik unterkommt und das Fähnchen mit dem Wind schwenkt.
sophisticated (12.04.2008, 15:40 Uhr)
Er war nicht der heimliche, sonder der peinliche Leitwolf der Grünen!
Ein halbgebildeter Sponti der 68er Bewegung, der mit seinem Egotrip hochgekommen ist. Typisch für diese Generation, heute wäre so etwas unmöglich! Da er über keine solide (Aus-)Bildung verfügte hatte er auch nicht die notwendige Reflektionsbasis, um so etwas wie eine innere moralische Richtschnur zu besitzen. So sah seine Aussenpolitik dann auch aus. Joschka Fischer ist einer der Gründe für die weit verbreitete Politik-Verdrossenheit!
paulmaz (12.04.2008, 15:37 Uhr)
Vorträge
Dieser fleischgewordene Drecksack
hält Vorträge, für 20.000 € ist er zu haben. Das Schlimme ist, da gehen auch
Leute hin und hören diesem skrupellosem
Opportunisten zu. Man könnte kotzen
vor Ekel.
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