FDP darf Fragen des stern nicht veröffentlichen

12. November 2012, 12:11 Uhr

Der stern hat durchgesetzt, dass die FDP Fragenkataloge der Redaktion nicht online stellen darf. Der Streit entzündete sich an Recherchen des Magazins über Tochterunternehmen der Liberalen.

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Die FDP hat Recherchefragen des stern auf ihrer Homepage veröffentlicht. Das Magazin forderte die Partei auf, den Fragenkatalog wieder zu löschen - und erwirkte eine einstweilige Verfügung©

Die Redaktion des stern hat der FDP per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, Fragenkataloge des Magazins zu Unternehmensgeschäften der FDP auf der Website der Partei zu veröffentlichen. Das Landgericht Hamburg erließ die einstweilige Verfügung, nachdem der stern am Donnerstag einen entspre-chenden Antrag hatte stellen lassen. Die FDP reagierte darauf am Freitagabend, indem sie die Fragen wieder vom Netz nahm.

Hintergrund sind Recherchen über die Geschäfte von Tochterunternehmen der FDP, über die der stern in seiner Ausgabe am Donnerstag berichtete. Dort ging es unter anderem um den Verdacht, dass die parteinahe Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP über den Umweg über Firmengeschäfte eine verdeckte Spende zukommen lassen hatte. Die FDP hatte die Fragenkataloge bereits vor Erscheinen des Artikels publik gemacht. Die vom stern formulierten Fragen behandelten überdies recherchierte Sachverhalte, über die das Magazin bis heute noch nicht berichtet hat.

FDP veröffentlicht auch Zusatzfragen

Bereits vor über zwei Wochen, am 25. Oktober, hatte stern-Reporter Hans-Martin Tillack der FDP eine Anfrage mit 16 Fragen zu den Unternehmensgeschäften der Partei übermittelt. Die Fragen mitsamt der Antworten, die er darauf am vorvergangener Woche Freitagabend erhielt, stellte die FDP zeitgleich auf ihre Website, obwohl der Redakteur dem ausdrücklich widersprochen hatte. Deshalb hatte der stern die FDP aufgefordert, den Fragenkatalog wieder zu löschen. Das tat die Partei am Samstag vorvergangener Woche auch, stellte jedoch einige Tage später den Fragenkatalog erneut online, diesmal ergänzt um einige Zusatzfragen des stern. Das wollte die Redaktion nicht hinnehmen.

Chefredakteur Thomas Osterkorn begrüßte die Verfügung des Landgerichts Hamburg. "Das Konfrontieren gehört zur journalistischen Sorgfaltspflicht und dient vor allem den Betroffenen, ihre Sichtweise ebenfalls darzustellen", sagte Osterkorn. Und ergänzt: "Wenn diese das Verfahren unterlaufen, indem sie Fragen und Antworten veröffentlichen, wird diese Praxis ausgehebelt."

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