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"Lässt sich schwer vereinbaren"

Immer weniger Politikerinnen in Deutschland haben Kinder. Der nahe liegende Grund: Politik ist ein Zeit raubender Job und Familie und Karriere lassen sich schwer unter einen Hut bringen.

Friedrich Merz beim Hauskonzert mit der Familie: So zeigen sich Spitzenpolitiker wie der Unions-Fraktionsvize besonders zu Wahlkampfzeiten gern in der Öffentlichkeit. Bei seinen Kolleginnen sind solche Bilder selten. Zum einen brauchen sie derartige PR-Mittel wohl weniger als Männer, da Frauen traditionell mehr Emotionalität und Familiensinn zugeschrieben werden. Zum anderen ist auch bei ihnen zu beobachten, was die deutsche Gesellschaft prägt: Familie und Karriere lassen sich schwer unter einen Hut bringen. Manche Frauen entscheiden sich schlicht für den Job und gegen Nachwuchs.

Mehrheit der Politikerinnen ist kinderlos

Ob CDU-Parteichefin Angela Merkel, Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Forschungsministerin Edelgard Bulmahn oder Schleswig-Holsteins Regierungschefin Heide Simonis (alle SPD): Die Mehrheit der bekannten deutschen Politikerinnen ist kinderlos. Eine Suche im Internet bei "Google" findet unter den Stichwörtern "Politikerinnen mit Kindern" gerade einmal drei Treffer.

Professor Hans-Peter Blossfeld vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg verweist auf einen nahe liegenden Grund: Politik ist ein Zeit raubender Job. "Das lässt sich alles schwer vereinbaren", vermutet er. Und auch die wenigsten Männer in der Politik gehen mit gutem Beispiel voran und beantragen als Vater Elternzeit.

Betriebskindergarten an der Spree

Ganz in der Nähe des Reichstags in Berlin gibt es einen Betriebskindergarten, der nach dem Regierungsumzug in die Schlagzeilen geriet, weil Kritiker ihn zu teuer fanden und für überflüssig hielten. Davon redet in der Hauptstadt inzwischen niemand mehr. Mittlerweile ist es eine ganz normale "Kita" mit den üblichen Wartelisten für Plätze. "Sie müssen ganz normal zahlen", betont ein Bundestagssprecher. In der Mehrheit sind es Mitarbeiter der Verwaltung, die ihre Kinder zu dem auffälligen hellblauen Gebäude direkt an der Spree bringen. Nur wenige Abgeordnete gehören zum Klientel.

Die Frage, warum eine Politikerin keine Kinder hat, ist wie bei anderen Frauen auch sehr persönlich. Politisches Engagement, schreibt Heide Simonis in ihrer Biografie, bedeute "Verzicht auf ein Stück Privatleben, bedeutet weniger Familienleben mit Ehemann und Kindern, weniger Geselligkeit mit Freundinnen und Freunden. Dazu sind nur wenige Frauen bereit."

"Den Sonntag verteidige ich eisern"

Ausnahmen bestätigen die Regel. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) hat drei Kinder und ist mehrfache Großmutter. Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sieben Kinder. Die Ärztin und ihr Mann sprechen sich so ab, dass abends einer bei den Kindern ist, an den Wochentagen bleibt sie morgens bis neun Uhr zu Hause. "Den Sonntag verteidige ich eisern." Geld spielt wohl auch eine Rolle, wie ein Blick über den Atlantik zeigt: "Ich hatte großes Glück, mich ohne wirtschaftliche Sorgen um mein Kind kümmern zu können", schreibt Ex-First-Lady Hillary Clinton, Rechtsanwältin und heute New Yorker Senatorin, in ihrer Biografie über Tochter Chelsea.

Auch Politikerinnen müssen ihren Alltag mit der Familie gut durchorganisieren. Die CDU-Bundestagabgeordnete Katherina Reiche bringt ihre beiden zwei und fünf Jahre alten Töchter tagsüber in eine Kindertagesstätte. Die 31-Jährige findet nicht, dass der Job als Politikerin sich besonders schlecht mit der Familie unter einen Hut bringen lässt, eine allein erziehende Krankenschwester habe es da sicher viel schwerer. "Ich glaube, dass es generell eine Herausforderung ist, Kinder und Beruf zu vereinbaren", meint sie. Und Familienministerin Schmidt wünscht sich, dass mal nicht nur die Frauen gefragt werden, sondern auch die Männer, wie sie Familie und Politik kombinieren.

Caroline Bock / DPA/DPA
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