Politische Konkurrenz soll FDP-Twitter-Ansturm erkauft haben

22. Februar 2013, 18:53 Uhr

Urplötzlich versechfachte sich die Zahl der FDP-Fans bei Twitter. Die Liberalen weisen den Vorwurf zurück, die Follower gekauft zu haben. Es gibt Hinweise, dass ein politischer Gegner dahinter steckt.

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Der sagenhafte Anstieg der Follower auf dem FDP-Twitter-Account war offenbar erkauft.©

Kürzlich erlebte die FDP ein für sie selten gewordenes Phänomen: Urplötzlich folgten ihr Tausende. Wie aus dem Nichts explodierte die Zahl der Follower bei Twitter, die sich die Kurzbotschaften der Liberalen reinpfeifen wollten. Sie versechsfachte sich in rund zwei Wochen von mehr als 6000 auf weit über 36.000. Der Zuwachs war so enorm, dass die Partei in den Verdacht geriet, die "neuen Fans" über einen Deal besorgt zu haben. Den Vorwurf ließ die FDP nicht auf sich sitzen. "Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen", sagte Parteisprecher Peter Blechschmidt. Die FDP habe für den Anstieg keine Erklärung, über die Gründe könne sie nur spekulieren. Gleichwohl wollte sie nicht gegen den plötzlichen Boom einschreiten.

Nachdem mehrere Medien, darunter stern.de, darüber berichtet hatten, sortierte sich die Parteizentrale neu. Nun will sie die Spreu vom Weizen trennen und bat nach eigenen Angaben Twitter, "verdächtige Follower von @fdp_de" zu löschen. Zugleich forderten die Liberalen die Seite fandealer.de zu einer Stellungnahme auf. Nach Darstellung der Partei sollen die unechten Fans der FDP über fandealer.de gekauft worden sein. Die Firma verdient damit Geld, Institutionen oder Firmen Anhänger im weltweiten Netz zu beschaffen. Ihre Eigenwerbung klingt alles andere als bescheiden: "Steigern Sie durch natürlichen Fanaufbau die Reichweite Ihrer Produkte und Verbreitung Ihrer Nachrichten in sozialen Netzwerken. Über FanDealer erhalten Sie ausschließlich reale Fans, die nahezu täglich auf Facebook, Twitter oder YouTube aktiv sind." Und weiter heißt es: "Konfigurieren Sie Kampagnen nach Ihren individuellen Bedürfnissen und wählen Sie nur Fans, die auch wirklich zur Zielgruppe Ihres Unternehmens passen. Je nach Bedarf lassen sich Herkunftsland, Sprache, Alter und das Geschlecht Ihrer Fans definieren."

Manipuliertes Wachstum

Die FDP zitierte in einer Pressemitteilung aus der Stellungnahme von Fandealer. Und die hat es in sich. Zum einen bestätigt das Unternehmen nach FDP-Angaben, dass die Liberalen tatsächlich nicht selbst für die Follower-Explosion verantwortlich sind und dafür bezahlten - jedenfalls nicht bei fandealer.de. "Eine eingehende Überprüfung des Kampagnenurhebers und dessen Benutzerkontos ergab, dass die Kampagne für die Twitter-Seite der FDP von einem politischen Mitbewerber auf www.fandealer.de lanciert wurde. Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet."

Wer das exakt war, wurde nicht bekannt. Der Umstand, dass ein politischer Mitbewerber die FDP auf solche Weise bekämpft, ist ein Skandal, der die Grenzen eines Spaßes überschreitet. Bei der FDP hieß es auf Anfrage von stern.de, dass die Firma die Konkurrenzpartei unter Verweis auf den Datenschutz nicht habe nennen wollen. Die Liberalen behalten sich rechtliche Schritte vor. Nicht gegen fandealer.de, sondern eine Anzeige gegen Unbekannt. Sollte es zu einem Ermittlungsverfahren kommen, könnte dies die Offenlegung des Auftraggebers nach sich ziehen.

Allerdings erklärte das Unternehmen, das für stern.de nicht zu erreichen war, laut FDP auch: "Für einen kurzfristigen und somit medienwirksamen Zuwachs von über 30.000 Followern ist www.fandealer.de gänzlich ungeeignet." Es liege daher die Vermutung nahe, dass der Kampagnenurheber weitere Follower für die Twitterseite der FDP im Ausland beschafft habe. Entgegen der Vorgehensweise auf fandealer.de seien diese Fake-Follower meist automatisiert erstellt und könnten somit binnen weniger Tage vermittelt werden. Fandealer betrachte sich nicht als Plattform für "negative campaigning" jeglicher Art. Deshalb "werden wir in Folge der aktuellen Vorkommnisse alle Social Media Seiten sämtlicher deutscher Parteien für den Gebrauch auf www.fandealer.de sperren." Eine Vermittlung von Facebook-Fans oder Twitter-Followern auf eigene oder auf Rechnung Dritter sei für Parteien somit nicht mehr möglich

Eine tollkühne Spekulation der Liberalen über den Twitter-Boom bestätigte sich somit auch nicht. Ein Sprecher hatte am Donnerstag gemutmaßt: "Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass FDP beispielsweise im Portugiesischen ein gängiges Kürzel für ein Schimpfwort ist."

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