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13. April 2010, 07:28 Uhr

Die FDP speckt ab

Schwache Umfragewerte in NRW zwingen die FDP zur Eile: Ihren Fünf-Stufen-Steuertarif mit 16 Milliarden Euro Entlastung wollen die Liberalen bereits heute vorlegen. Die Forderungen an die Union haben sie deutlich reduziert. Von Jens Tartler und Timo Pache, Berlin

Steuern, Steuerreform, NRW-Wahl, FDP, Steuer

Fünf Stufen, 16 Milliarden Euro Entlastung: FDP-Chef Westerwelle (r.) und sein Finanzexperte Solms kommen der Union beim Thema Steuern entgegen© Arno Burgi/DPA

Die FDP stellt ihr Steuerkonzept nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) bereits am Dienstag vor und damit früher als geplant. Die Entlastung der Steuerzahler solle rund 16 Milliarden Euro betragen und im Jahr 2012 in vollem Umfang wirken, hieß es aus der Arbeitsgruppe, die den Leitantrag für den Bundesparteitag Ende April formuliert hat. "Wir wollen die volle Jahreswirkung noch in dieser Legislaturperiode", sagte ein Teilnehmer der Gruppe. Eine Steuersenkung in zwei Schritten, die zuvor ebenfalls im Gespräch war, verwarfen die Liberalen.

Der FDP-Tarif für die Einkommensteuer soll aus fünf Stufen bestehen. Der Grundfreibetrag bleibt bei 8004 Euro, gilt aber auch für Kinder. Der heutige Eingangssteuersatz von 14 Prozent soll bestehen bleiben und bis zu einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 15.000 Euro gelten. Bis 35.000 Euro ist ein Satz von 25 Prozent vorgesehen, bis 60.000 Euro sind es 35 Prozent. Den heutigen regulären Spitzensatz von 42 Prozent und die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent will die FDP beibehalten, obwohl sie die Sondersteuer für Topverdiener in ihrer Oppositionszeit noch scharf kritisiert hatte.

Der Stufentarif würde für jedes Einkommen eine Entlastung gegenüber dem heutigen linear-progressiven Tarif bringen. Insbesondere Steuerzahler mit geringem und mittlerem Einkommen müssten weniger an das Finanzamt abführen.

Punkten in der heißen Wahlkampfphase

Eigentlich wollten die Liberalen ihr Steuermodell erst am kommenden Montag nach ihrer Präsidiumssitzung präsentieren. Da sie aber schon Dienstag einen Steuerkongress in Berlin veranstalten, fürchteten sie einen schlechten Eindruck, wenn sie auf dieser Veranstaltung ohne ihr Konzept hätten auftreten müssen. Zudem wollen sie die Botschaft von der Steuerentlastung zu Beginn der heißen Wahlkampfphase in Nordrhein-Westfalen verkünden. In NRW wird am 9. Mai gewählt. Verliert die schwarz-gelbe Regierung in Düsseldorf, hat auch die Koalition in Berlin keine Mehrheit mehr im Bundesrat. Damit würden die Chancen der Steuerreform stark sinken.

Eingang in den Leitantrag gefunden hat das Konzept einer "zeitnahen Betriebsprüfung", für das sich der FDP-Finanzexperte und künftige Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele eingesetzt hatte. Unternehmen, die auf freiwilliger Basis an dieser beschleunigten Betriebsprüfung teilnehmen, sollen schon zwölf Monate nach Abschluss des Wirtschaftsjahres ihren Steuerbescheid erhalten. Grundsätzlich sollen Betriebsprüfungen innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein.

Außerdem wollen die Liberalen die heutigen Umsatz- und Gewinngrenzen erhöhen, ab denen Unternehmen zur klassischen Buchführung verpflichtet sind. Die bisherige Umsatzschwelle von 350.000 Euro solle auf 500.000 Euro steigen, die Gewinngrenze von 30.000 auf 50.000 Euro, hieß es am Montag in der Arbeitsgruppe. Unternehmen, die unter einer dieser Grenzen liegen, können die einfachere Einnahmen-Überschuss-Rechnung vorlegen. Nach dem Vorbild Österreichs soll in mehreren Schritten eine Gruppenbesteuerung eingeführt werden. Damit könnten Konzerne Gewinne und Verluste aus dem In- und Ausland verrechnen.

Gefunden in ... ... der "Financial Times Deutschland"

Von Jens Tartler und Timo Pache, Berlin
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
Kunerich (14.04.2010, 09:51 Uhr)
Und wieder triffts vor allem die niedrigen Einkommen
Nach den veröffentlichten Grafiken zu den neuen Stufen ist es doch so, dass die großen Sprünge bei der Besteuerung wieder einmal bei den kleinen und mittleren Einkommen zu finden sind. Die, die sowieso kaum ein vernünftiges Nettogehalt haben, werden wieder einmal am meisten zur Kasse gebeten. Und wenn dann noch die Kopfpauschale dazukommt, sind sie völlig die angeschmierten. Ausserdem gibt es in diesem Einkommensbereich auch Gehaltsstufen, wo nach dem neuen System sogar mehr Steuern bezahlt werden müssen. Die FDP wird ihrem Ruf mal wieder mehr als gerecht....
Terrypol (13.04.2010, 19:58 Uhr)
der arme Giudo und seine "Große Klappe"!
Wie war das noch , als die SPD wegen einem Prozent mehr Steuererhöhung der Lüge und des Wählerbetruges bezichtigt wurde. Zu recht!
Hauptredner damals bei der MiniPartei fdp
(Mitgliederzahl weniger als die LinksPartei!)
war der umtriebige Westerwelle und sein Kumpel Niebel!
Was ist das heute verkündete Steuerkonzept?
Sicherlich wieder eine Belügung des Wählers und Betrug der Wähler!
Aber die Quittung für die Lügen werden in NRW kommen.
Hoffentlich so richtig, diese kleine Partei müsste wieder unter fünf Prozent sinken!
Der Mitgliederzahl entsprechend, ach würde der Wähler sich freuen!
MBALZ (13.04.2010, 13:44 Uhr)
Am 9. Mai ist Mutti-Tag
Die Kehrtwendung der Haiderisierten CDG-FDP-Liberalen (Claudia, Dirk,Guido) 2010 kommt nicht überraschend. Man wollte zwar das frühere FDP-Image der Umfallerpartei mutig abschütteln, aber mit Blick auf die NRW-Wahl und den Verlust der Bundesratsmehrheit lebt auch Mende. Hinzugekommen ist bzw. war Haider: Genauso wie weiland die FPÖ sind die Guido-FDPler langjährig nicht mehr an der Regierung beteiligt gewesen, hielten und halten sich jedoch dafür prädestiniert. - In der Regierungsbildung im Herbst 2009 wurden forsch die FDP-Erbhöfe (Außen-/Wirtschafts-/Justiz-Ressort) aus der Kohl-Ära beansprucht und besetzt; inhaltliche Fragen waren sekundär, wie der katastrophale Regierungsbeginn belegt. - In der Oppositionszeit haben Austria- und Germania-Frei-Parteien den Weg von nur noch populistischer Stimmenmaximierung mithilfe vordergründig plausibler Thesen bzw. Vorschläge eingeschlagen ohne sich der notwendigen, seriösen Verantwortung für das Gemeinwesen zu stellen und das realistisch Machbare im Auge/auf dem Schirm zu behalten. Die Geister, die Niebel, Pieper, Rösler, Westerwelle & Co riefen, werden sie selbst aber wohl nicht mehr los, da muss erst der Fall unter die 5%-Hürde mit der Konsequenz von Rücktritten her. Um Glaubwürdigkeit von den Menschen zugesprochen zu bekommen, kann man nicht ausschließlich auf geschickte Formulie-rungen setzen. Die historische Vergleichbarkeit - gerade im Verhalten gegenüber einer Großen-Koalition, die qua Existenz bürgerliche Empfindlichkeiten bedient, - ist ganz offensichtlich. Die geradezu blinde Fixierung auf das vermeintlich (US-abgekupfert) erfolgreiche Thema von Steuersenkungen symptomatisch. Die Nähe zu rechtslastigen Aussagen ergibt sich bei einer solchen Orientierung quasi von selbst. Das Umfallen in der großspurig angekündigten Steuerpolitik wird nun nach ausgiebiger Medienprofi-Beratung als die Konzentration auf das realistisch Machbare und das Vorlegen anspruchsvoller Vorstellungen der Öffentlichkeit und der mehrheitlich pro FDP eingestellten Journaille verkauft. Bloß der Wähler, und schon gar nicht der an Rhein und Ruhr, lässt sich nicht für dumm verkaufen. Wir warten gespannt auf Mutti-Tag 2010!
NewWorld (13.04.2010, 12:58 Uhr)
@Kirk63
Danke für den Hinweis, das hatte ich tatsächlich anders verstanden.

Dann ist der Unterschied zum bisherigen System garnicht so groß. Bringt mir eine Ersparnis von ca. 27,00? im Monat, die ich wahrscheinlich woander 3x wieder darauf zahlen darf.
auwei (13.04.2010, 12:43 Uhr)
@Sethus Calvisius
Zitat: "- Die Behauptung in dem Artikel, der Stufentarif führe zu einer besonders starken Entlastung von niedrigen Einkommen, ist so nicht richtig. Wer knapp über dem Grundfreibetrag liegt, zahlt künftig genausoviel wie jetzt.

Dagegen sparen Spitzenverdiener trotz des beibehaltenen Spitzensteuersatzes von 45 % eine Menge Geld, da ja nicht mehr ihr ganzes Einkommen mit 45 % besteuert wird." Darum geht's - und um nix anderes. Aber - wie wir ja wissen - zählt sich die schafsköpfige Mittelschicht in Deutschland zu den "Reichen" und fühlt sich entsprechend entlastet. "Gefühlt" ist ja auch irgendwie wichtig - oder so...
Pitt3 (13.04.2010, 12:30 Uhr)
der gekaufte Guido
und seine FDP werden schön abspecken so auf 6 % und das ist gut so. Wir brauchen keine gekauften Lobbyistenpolitiker wie es in der FDp genügend gibt, weg mit diesem Schrottttt !!!
SethusCalvisius (13.04.2010, 12:28 Uhr)
Ein paar Klarstellungen
Da ja immer sehr ungenau berichtet wird, hier ein paar Erläuterungen:

- Beim Stufentarif wird nach Überschreiten der nächsten Stufe nicht das gesamte Einkommen nach dem höheren Satz besteuert, sondern nur der Betrag, der über der Grenze liegt. D.h., das von NewWorld angesprochene Problem existiert nicht. Ein höheres Brutto- kann nicht zu einem niedrigeren Nettogehalt führen.

- Aber auch bei unserem jetzigen Steuersystem ist es rechnerisch nicht möglich, dass ein höheres Brutto- durch die Steuerprogression zu einem niedrigeren Netto-Gehalt führt. Das ist auch eine Erfindung der FDP.

- Die Behauptung in dem Artikel, der Stufentarif führe zu einer besonders starken Entlastung von niedrigen Einkommen, ist so nicht richtig. Wer knapp über dem Grundfreibetrag liegt, zahlt künftig genausoviel wie jetzt.

Dagegen sparen Spitzenverdiener trotz des beibehaltenen Spitzensteuersatzes von 45 % eine Menge Geld, da ja nicht mehr ihr ganzes Einkommen mit 45 % besteuert wird.

Kirk63 (13.04.2010, 12:16 Uhr)
@undjetztnochder:

Wenn man mehr Brutto hat kann man NIE weniger Netto haben, wenn sich nicht sonstige Regelungen oder Gesetze geändert haben die dann für die Steuererhöhung zuständig sind! Sie haben ähnlich wenig Wissen zum Steuersystem wie Westerwelle gezeigt.

@NewWorld:
Sie haben das System glaube ich nicht verstanden:
In Ihrem Beispiel Zahlt man bei 15100 ? Gehalt bis 15000? (minus dem Freibetrag von 8004 ?) 14% Steuer
Und dann nur für die 100 ? über 15.000 ? Gehalt die 25 % Steuer!

Bringen tut das neue System aber gar nichts! Wenn man den Steuerzahler wirklich entlasten will kann man dann genausogut linear den Steuerbetrag senken und gut ists.

Der Stufentarif wird nur dafür sorgen, dass Niemand mehr über die Stufen verdienen will, und dann angefangen wird steuerfrei per Steuerbetrug Gehsalts- und Lohnerhöhungen "bar"gezahlt werden.

Dann fehlt das später wieder an der Rente, der Rentner braucht mehr Staatshilfe, die der brave Normalbürger mit seinem Steueraufkommen zahlt. Die Firmen zahlen ja kaum noch Steuern.

Und die Firmen sind wieder mal die Profiteuere weil sie Beiträge und Lohnsteueranteil sparen. Das ist die Klientelpolitik der FDP.
Hats immer noch nicht jeder erkannt?

rockyciano (13.04.2010, 11:58 Uhr)
@undjetztnochder
Alle Parteien haben erkannt,dass die kalte Progression abgeschafft werden muß.Es ist somit nicht eine Errungenschaft bzw. Aushängeschild der FDP.

Auch widerspreche ich Ihrer These,als Steuerzahler sollte man FDP wählen.Liebe Steuerzahler schaut nur mal hin - wohin eurer hart verdientes Geld dank Berlin fliesst.Leider ist noch kein Ende absehbar.Der Pleitegeier kreist bereits über unsere Kommunen- und die werden sich mit Einfallsreichtum überlegen,wir sie uns Bürger noch weiter abkassieren(Gebührenerhöhungen) KÖNNEN UND WERDEN.
ganzbaf (13.04.2010, 11:53 Uhr)
@undjetztnochder

Wir haben eben keine Verteilungspolitik in Deutschland.
Wenn umverteilt wird, dann von den Werktätigen zu denjenigen, die eh schon zu viel haben. Jetzte haben die "oberen" 20% schon über 80% allen Vermögens.
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