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15. Januar 2007, 14:07 Uhr

Die vergessenen KZ-Bordelle

Zwangsarbeiter, die in der NS-Diktatur für Rüstungsbetriebe arbeiteten, konnten zum Teil in spezielle Bordelle gehen - in dem Frauen aus dem KZ zur Prostitution gezwungen wurden. Eine Ausstellung in Ravensbrück informiert über das lange verschwiegene Thema.

Eine Besucherin der Ausstellung liest im Begleitbuch© Sven Kästner/AP

Die Ausstellung über Zwangsprostitution weiblicher KZ-Häftlinge wurde am Sonntag eröffnet und ist in der der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück im brandenburgischen Fürstenwalde zu sehen. "Kaum ein zweites Thema aus der Geschichte der Konzentrationslager ist einerseits derart verdrängt worden und andererseits derart mit Vorurteilen und Verzerrungen behaftet wie dieses", sagte Gedenkstellenleiterin Insa Eschebach.

Die Bordelle, die die SS ab 1942 in zehn Lagern hatte, sollten als Leistungsanreiz dienen, um die Produktivität der Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie zu erhöhen. Besuche in den so genannten Sonderbaracken waren Teil eines abgestuften Prämiensystems, das aber nicht für alle Zwangsarbeiter und Häftlinge galt. So waren etwa Juden ausgeschlossen.

Scham und Schweigen nach 1945

Die Idee ging von SS-Führer Heinrich Himmler aus, wie die in Ravensbrück ausgestellte Kopie seines Schreibensan das SS-Wirtschaftsverwaltungsamt zeigt. Die meisten Frauen, die zur Prostitution gezwungenen wurden, wurden in Ravensbrück rekrutiert, wo zwischen 1939 und 1945 mehr als 130.000 Frauen aus mehr als 40 Ländern inhaftiert waren. "Deshalb wollten wir die Ausstellung bei uns", sagte Eschenbach.

In der von Künstlern der Berliner Universität der Künste (UdK) gestalteten Informationsschau sind neben einem Überblick zu dem Thema vorwiegend Kopien von Originalquellen zu sehen. "Wir wollten zeigen, dass es noch große Lücken in der Forschung gibt", sagte UdK-Dozentin Katja Jedermann. Viele Frauen erlitten bei der Sex-Zwangsarbeit schwere körperliche und seelische Schäden. Trotzdem beantragten sie aus Scham nach 1945 oft keine Haftentschädigung. "Männliche Zeitzeugen sprachen, wenn überhaupt, meist nur verächtlich über das Thema", erklärte Jedermann.

AP
 
 
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