Berliner Luftnummer

7. Januar 2013, 15:27 Uhr

Die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens steht weiter in den Sternen. Jetzt rächt sich, dass die Chefplaner übereilt vom Hof gejagt wurden. Für Aufsichtsratsmitglied Klaus Wowereit wird es eng. Von Till Bartels

Neulich in der ARD: Günther Jauch scherzt in einer Quizshow über den neuen Hauptstadtflughafen. Wenn es nach ihm ginge, könnte sich die Eröffnung noch sehr lange hinziehen, schließlich brauche er derzeit nur rund zehn Minuten von seinem Wohnort Potsdam bis zum Flughafen Tegel. Die Anfahrt zum neuen Airport sei sehr viel länger. Tja, diese Unannehmlichkeit dürfte dem Showmaster zumindest in diesem Jahr erspart bleiben. Denn mit der Eröffnung Ende Oktober wird es nichts. Der Termin ist erneut geplatzt, keiner weiß genau, wann BER tatsächlich seinen Flugbetrieb aufnehmen wird. Von frühestens 2014 die Rede, es könnt auch noch später werden.

Die Geschichte des Berliner Prestigeprojekts ist eine einzige Pannenserie. Schon seit mehr als 20 Jahren wird der Flughafen Berlin Brandenburg geplant. Seit 2008 wird an dem Megaprojekt im Süden von Berlin auch gebaut. Ursprünglich sollte der neue Hauptstadtflughafen zum November 2011 fertiggestellt sein. Dann zum 3. Juni 2012. Doch 27 Tage vorher wurde die Inbetriebnahme abgeblasen. Eine Blamage für die Metropole. "Berlin kriegt keinen hoch", titelte die "Tageszeitung".

Im vergangenen Sommer nahm das Desaster seinen Lauf. Ganz still und leise. Aus der geschäftigen Großbaustelle mit Tausenden von Arbeitern wurde ein Geisterflughafen. Für den Rest des Jahres ruhten fast sämtliche Arbeiten. Statt einer zügigen Fertigstellung wurden Sündenböcke gesucht.

Ein Bauernopfer musste her

Bereits im Mai, kurz nach der Absage der Eröffnung, rollten die ersten Köpfe. Doch weder im Aufsichtsrat, in dem die SPD-Politiker und Ministerpräsidenten von Berlin und Brandenburg Klaus Wowereit und Matthias Platzeck sitzen, noch in der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft. Stattdessen wurde mit sofortiger Wirkung das Vertragsverhältnis mit der Projektgemeinschaft Flughafen Berlin-Brandenburg gekündigt. Die Generalplaner, zu der auch die Architekten Gerkan Marg und Partner gehören, waren für die Planung und Bauüberwachung zuständig. Zum 1. August musste auch Manfred Körtgen, der für Technik verantwortliche Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, seinen Hut nehmen.

Was ein Befreiungsschlag werden sollte, erweist sich nun als fatale Fehlentscheidung. "Die technisch Unkundigen haben im Sommer die technisch Kundigen rausgeworfen", sagt Andreas Otto von der Fraktion der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus im Gespräch mit stern.de . "Das war garantiert ein Fehler." Denn im Aufsichtsrat des Flughafens sitzen keine Fachleute, die mit Großprojekten vertraut sind und die Arbeit eines Generalplaners beurteilen können.

Probleme ohne Ende

Der neue Technikchef Horst Amann versuchte, sich in den letzten Monaten ein Bild zu machen, wie groß die Probleme insbesondere bei der Brandschutzanlage sind. Noch im Dezember konnte er dem Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses nicht konkret nennen, welche Bauleistungen von den beteiligten Firmen noch nicht erbracht und welche weiteren Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Klar ist jetzt: Der neue Eröffnungstermin am 27. Oktober ist nicht mehr zu halten.

Probleme gibt es viele, die Liste mit Nachbesserungen für die Abnahme und einen reibungslosen Betrieb ist lang: kein funktionierender Brandschutz mit Rauchmeldern und Sprinkleranlage, überbelegte Kabelschächte, zu kurze Rolltreppen, eine mangelhafte Betankungsanlage, zu wenig Check-in-Terminals und Gepäckbänder in der Ausgabe, und die Steuerung vieler Funktionen über das drahtlose Internet verläuft nicht reibungslos - so lauten die Stichworte der Baustellen.

"Das Martyrium wird fortgeführt"

Jetzt muss auf den Tisch, was schief gelaufen ist und welche Kosten auf die Stadt weiter zukommen, ehe von einem Neustart der Baustelle gesprochen werden und ein weiterer Eröffnungstermin genannt werden kann. Für Otto steht fest, dass "das Krisenmanagement in den letzten sieben Monaten von den Herren Wowereit, Platzeck und Ramsauer vollständig versagt hat". Die ganze Region Berlin-Brandenburg werde lächerlich gemacht. "Das Martyrium wird fortgeführt", so Otto. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus will am Donnerstag gegen Wowereit einen Misstrauensantrag stellen.

Eines aber bleibt den Berlinern und Günther Jauch erspart - vorerst: der große Umzug. Sie dürfen noch länger von Tegel und per Billigflieger von Schönefeld aus starten. Nicht auszudenken, wenn bei dem bisherigen Planungsdesaster in nur einer Nacht der Flugbetrieb von den beiden Alt-Airports zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg umzieht - und gleich am nächsten Morgen funktionieren soll.

Flughafen Berlin Brandenburg BER
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Flughafen Berlin Brandenburg BER Neue Bilder vom Pannen-Airport
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