29. September 2009, 09:10 Uhr

Filmreifes Urlaubsidyll

Zur Wiesn-Zeit ist München wenig idyllisch. Wer Ruhe sucht, flieht ins oberbayerische Umland. Das entdecken auch immer mehr Filmteams - und was als Drehort taugt, ist allemal ein perfektes Urlaubsziel. Von Brigitte Zander

Oberbayern, Neuschwanstein, Filmorte, Drehorte, Sissi

Bayerisches Symbol und immer wieder Filmkulisse: Schloss Neuschwanstein©

Romantische Seen mit rasanter Alpenkulisse, Barockkirchen, Bauernhöfe, Klöster und Berggipfel. Oberbayern gleicht einem Idyll - perfekt für jeden Heimatfilm. Die Münchner Unternehmerin Antonia Haacke hat mehr als 445 Kulissen in ihrer Datenbank. Die 34-Jährige sucht Drehorte für Krimis, Tragödien und Liebesepisoden und vermittelt diese an die Filmschaffenden.

Besonders beliebt, aber mitunter schwer zu ergattern: Drehgenehmigungen in den bayerischen Schlössern, vor allem natürlich in Deutschlands bekanntestem - Schloss Neuschwanstein, dem Hauptsitz des ebenso fantastischen wie traurigen König Ludwig II. Der legendäre Luchino Visconti bannte die Geschichte des schwulen Monarchen, gemimt von Helmut Berger, und seiner Cousine Sissi, alias Romy Schneider, auf Celluloid. Den italienischen Star-Regisseur faszinierte das "Kini"-Schloss im Zuckerbäckerstil hoch auf dem Fels, wo er drei Wochen drehte: Vor allem nachts, während die örtliche Feuerwehr von außen Wasser gegen die Fenster spritzte, weil Visconti Regenstimmung bevorzugte. Im Drehjahr 1972 verursachte er spektakuläre Ereignisse am Starnberger See. Sein Filmteam residierte im altehrwürdigen Feldafinger Hotel "Kaiserin Elisabeth". Gedreht wurde im Casino auf der Roseninsel sowie im nahen Schloss Possenhofen. Bundeswehrpioniere bauten dem Team als "Manöverübung" eine Pontonbrücke zur Roseninsel.

Drehorte als Ausflugsziel

Das "Kaiserin Elisabeth" präsentiert sich heute als feines Golfhotel, mit drei Golfclubs in der Nähe. Sissis damals schon bröckelndes Lieblings-Schloss Possenhofen wurde in eine edle Eigentumswohnungs-Residenz mit einem öffentlichen Park am Seeufer umgewandelt. Es musste im Film als Ersatz für die schräg über den See liegende wahre Königs-Residenz Schloss Berg herhalten, für das die Wittelsbacher die Drehgenehmigung verweigerten. Auch der tragische Filmtod des Märchenkönigs fand auf der Possenhofener Seeseite statt. Auf der Suche nach dem richtigen Tatort kann man heute mit dem Dampfer zum Schloss Berg übersetzen, wo eine Kirche und ein Kreuz im Wasser an den ertrunkenen Märchenkönig erinnern.

Bergsteigen für Cineasten

Hoch droben auf dem Wendelstein drehte Regisseur Marcus H. Rosenmüller viele Episoden seines sentimental-heiteren Mundart-Films "Wer früher stirbt, ist länger tot". Und Franz Xaver Kroetz stand im vergangenen Jahr beim Remake des "Brandner Kaspar" hoch auf der Westflanke der Benediktenwand. Er spielt die Hauptrolle in dem schlitzohrigen Gefecht des Bayern mit dem Tod, in Gestalt des Boanlkramer, gespielt von Bully Herbig. Regie für den Fünf-Milllionen-Euro-Streifen führte Joseph Vilsmaier.

Förster und Kommissar in Bad Tölz

Bad Tölz und das 30 km entfernte, denkmalgeschützte Hollerhaus in Irschenhausen liefern seit einem Jahrzehnt die Kulisse für die populäre Sat1-Krimiserie "Der Bulle von Tölz", in der Kommissar Benno Berghammmer (Ottfried Fischer) ermittelt und im deftig bayerischen Stil alle Mordfälle löst. Auch die TV-Dauerserie "Forsthaus Falkenau" aus dem fiktiven niederbayerischen Dorf Küblach liegt drehtechnisch oft in Bad Tölz. Das ZDF-Team reist immer mal wieder ins Tölzer Land, um Förster Martin Rombach (Christian Wolf) beziehungsweise nun seinen Nachfolger Hardy Krüger jr. mit seinen Liebes- und Leidgeschichten in Szenen zu setzen.

Die Kurstadt nutzt geschickt die TV-Werbung und bietet Neugierigen ausführliche Führungen zu den Drehplätzen samt Klatschstorys an. Beim anschließenden Quiz kann man eine Statistenrolle gewinnen. Es lohnt sich auch eine Fahrt zum bäuerlichen Hollerhaus, wo Ferienzimmer zu mieten und wechselnde Kunstausstellungen anzusehen sind.

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