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Architekten vergessen Aufzüge im Wolkenkratzer

Der Wohnkomplex InTempo sollte zum luxuriösen Aushängeschild von Spaniens Bettenhochburg am Mittelmeer werden. Dumm gelaufen: Wer in die oberen Etagen will, muss die Treppe nehmen.

  Das unfertige InTempo-Gebäude in Benidorm

Das unfertige InTempo-Gebäude in Benidorm

Es sollte das Symbol für Spaniens (damals noch) aufstrebende Wirtschaft werden: Vor zehn Jahren begannen die Planungen für das InTempo-Hochhaus im spanischen Benidorm. In der Bettenhochburg, in der sich eine Bausünde an die andere reiht, und die vor allem britische Pauschaltouristen der Mittelklasse beherbergt, sollte das Projekt vor allem eins ausstrahlen: Wir können auch Luxus.

Mit 210 Metern soll es das höchste Wohnhaus Europas werden. Ein Aushängeschild der Superlative, so war der Plan. 3,7 Millionen Euro kostete zu Baubeginn eine Maisonettewohnung im "Manhattan des Mittelmeers". Zumindest aus den oberen Etagen, von denen es 47 gibt, wird ein unbebauter Blick auf das Meer versprochen. Der Haken: Seine Einkäufe muss der solvente Mieter zu Fuß ins Appartement schleppen. Die Architekten haben bei dem Bau einfach die Aufzüge vergessen.

Die Fehlplanungen, Mängel und Pleiten des Bauvorhabens müssen sich hinter deutschen Juchtenkäfern oder Brandschutzbestimmungen nicht verstecken. Das InTempo ist Stuttgart 21 und BER auf Spanisch. Eigentlich hätte das Gebäude schon 2009 eröffnet werden sollen. Doch die Wirtschaftskrise traf das Großprojekt mit voller Wucht. Auch der beliebte Ferienort bekam die Rezession zu spüren. Baufirmen gingen Pleite, Arbeiter streikten, es kam zu Unfällen auf dem Bau. Wie die spanische Zeitung "El País", die nun erstmals interne Berichte einsehen konnte, schreibt, mussten die Bauarbeiter bis zum 24. Stockwerk ohne Lastenaufzug arbeiten. Als vor zwei Jahren ein Lastenabzug abstürzte und 13 Arbeiter zum Teil schwer verletzte, konnten Rettungskräfte nicht zum Unglücksort vordringen. Aus Kostengründen hatte man sich eine Zufahrt gespart.

Nur 35 Prozent der Wohnungen verkauft

Die nun bekannt gewordene Fehlplanung mit den Personenaufzügen ist somit nur die Spitze der Peinlichkeiten. Es gibt zwar Lifts, jedoch reichen diese nur bis zur 20. Etage. Die oberen 27 Stockwerke sind nur über Treppen zu erreichen. Wie dieses Problem nun gelöst wird, ist nicht bekannt. Ein Außenaufzug wäre möglich, würde allerdings die architektonischen Pläne des Architekten durchkreuzen. Andererseits: Der hat sich allerdings zusammen mit dem Projektleiter sowieso bereits von dem Großprojekt verabschiedet.

Im Dezember dieses Jahres soll das InTempo endgültig eröffnet werden. Wie "El País" berichtet, seien die letzten acht Etagen noch weit von einer Fertigstellung entfernt. Nur 35 Prozent der Wohnungen wurden bislang verkauft. Der Wolkenkratzer, der vor zehn Jahren als zukunftsweisendes Großprojekt gefeiert wurde, scheint tatsächlich in Spaniens kriselnder Zukunft angekommen zu sein.

kmi
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