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Neue Vorschriften auf Sylt: Was am Strand jetzt teuer werden kann

Die Gemeindevertretung der Nordseeinsel Sylt hat die Vorschriften für Urlauber verschärft. Das Regelwerk verbietet unter anderem den Bau von Sandburgen und sieht hohe Bußgelder vor.

Sylt-Urlauber (hier an der Kurpromenade in Westerland) müssen sich am Strand an eine Reihe von Regeln halten

Sylt-Urlauber (hier an der Kurpromenade in Westerland) müssen sich am Strand an eine Reihe von Regeln halten

Seinen Müll einfach liegen zu lassen, ist verboten. Das gilt für die Innenstadt von Berlin oder Köln genauso wie für die Strände von Rügen oder Sylt. In der "Satzung der Gemeinde Sylt über die Einschränkung des Gemeingebrauchs am Meeresstrand" finden sich aber auch allerhand kurios anmutende Verbote für den Strand auf Deutschlands nördlichster Insel.

Hinter dem sperrigen Namen steckt eine ganze Flut von Vorschriften: Sie regeln genau, wer wann was am etwa sieben Kilometer langen Strandabschnitt von Westerland bis Rantum machen oder eben nicht machen darf. Am Donnerstagabend hat die Sylter Gemeindevertretung der Aktualisierung des Regelwerks zugestimmt. Rechtzeitig zum Beginn der Badesaison ist die umfangreiche Verbotsliste damit noch einmal erweitert worden.

Nordseeinsel Sylt verschärft die Regeln für Strandurlauber

Schon länger ist es verboten, am Strand große Sandburgen zu bauen oder Löcher zu graben. Hintergrund ist unter anderem, dass die Insel ständig Landfläche verliert, die wieder aufwendig aufgespült werden muss. Der Schutz vor Stolperfallen spielt für die Regelung ebenso eine Rolle, heißt es vom "Insel Sylt Tourismus-Service".

Auch für die Liebhaber geselliger Stunden am Strand hat die Verordnung wenig Verständnis: "Am Strand übernachten, zelten, lautstark zu feiern oder zu lautstark zu musizieren" – alles verboten. Alkohol darf nur in geringen Mengen konsumiert werden. Gar nichts konsumieren dürfen dagegen die Möwen – zumindest nicht aus Menschenhand. Füttern verboten! Für Hunde gelten ebenfalls strenge Regeln: Sie dürfen vom 15. März bis zum 31. Oktober nur an sieben exakt festgelegten Strandabschnitten spazieren geführt und ihre Hinterlassenschaften nicht einfach im Sand vergraben werden. Reiten ist nur an zwei Strandabschnitten erlaubt, nicht aber zwischen 10.30 und 17.00 Uhr. Auch die Erlaubnis zum Angeln beschränkt sich auf diese Zeit, allerdings nur mit Fischereischein. 

Bürgermeister: "Neue Regeln sind Reaktion auf neue Probleme."

Wer Fotos oder Videos am Strand machen möchte, muss ebenfalls aufpassen: Sollen sie gewerblich genutzt werden, muss vorher eine schriftliche Genehmigung beim Tourismus-Service beantragt werden. Gleiches gilt fürs Grillen oder Lagerfeuer: Ohne schriftliche Genehmigung dürfen die Strandbesucher nichts anzünden. Ohne Erlaubnis dürfen dagegen Strandhütten gebaut werden, allerdings nicht "aus Strandgut oder anderen nicht strandüblichen Stoffen". "Spaßregatten" mit Motorbooten oder Jetskis sind ab sofort unzulässig – ein Phänomen, das es laut Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) bei der vorherigen Fassung der Satzung aus dem Jahr 2012 noch nicht gegeben hat und deswegen bisher nicht geregelt werden musste.

Viele der Vorschriften sind alt, neu sind dagegen auch Regeln für den Luftverkehr über dem Strand: Bislang war das Steigenlassen von "Drachen, Flugmodellen oder sonstigen Flugkörpern" ausschließlich an einem Strandabschnitt und erst ab 17 Uhr erlaubt. Die erweiterte Fassung sieht vor, dass "motorisierte Flugkörper", also Drohnen, jetzt fast ausnahmslos verboten sind. So soll verhindert werden, dass badende oder in der Sonne liegende Strandbesucher von Fremden gefilmt oder fotografiert werden – auch dieses Problem ist vor fünf Jahren noch nicht aktuell gewesen. 

Für den Bau von Sandburgen drohen hohe Bußgelder

Seine Gemeinde regele nicht mehr als andere Küstenorte, sagt Bürgermeister Häckel: "Wir formulieren unsere Vorschriften aber klarer und präziser." Das habe in der Praxis Vorteile: "Wir müssen weniger Regeln auslegen, und es gibt weniger Nachfragen danach, wo eine Vorschrift zu finden ist." 

 

Bei Verstößen gegen die Verordnung müssen Strandbesucher laut Häckel mit Bußgeldern von bis zu 1000 Euro rechnen, außerdem kann der Satzung zufolge ein Strandverbot verhängt werden. In den vergangenen Jahren sei allerdings niemand zur Kasse gebeten worden, bisher hätten klärende Gespräche ausgereicht. Für Häckel ein Zeichen dafür, dass das Zusammenleben von Insulanern und Urlaubern auf Sylt gut funktioniere. Ohne Drohnen und Sandburgen.

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