Bereit für den großen Sprung

23. Februar 2013, 19:01 Uhr

Zum 1000. Bundesliga-Spiel schenken die Bayern ihrem Trainer gegen Bremen eine 6:1-Galavorstellung. Jupp Heynckes fand trotzdem kritische Worte – weil er mit Ehrgeiz am eigenen Denkmal baut. Von Tim Schulze

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Bayern, München, Jupp Heynckes, Werder, Bremen

Blumen für den Trainerveteran: Jupp Henckes nimmt vor dem Spiel die Glückwünsche für seinen 1000. Bundesliga-Einsatz entgegen.©

Jupp Heynckes ertrug die Ehrungen mit der gleichen Gelassenheit, die ihn seit seiner Rückkehr 2009 auszeichnet. Damals war er als Interimstrainer nach der Klinsmann-Entlassung bei den Bayern eingesprungen. Jetzt stand er im Mittelkreis der Allianz Arena vor dem Spiel gegen Werder Bremen und nahm von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen einen Blumenstrauß entgegen. Für sein 1000. Spiel als Spieler und Trainer in der Bundesliga. Nur der "ewige Otto" Rehhagel hat mehr, nämlich 1037. Heynckes winkte zaghaft. Dann widmete er sich wieder seinem Tagesgeschäft und nahm auf der Trainerbank an der Seitenlinie Platz.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt – Heynckes' Mannschaft, in der sechs neue Spieler in die Startelf rotierten (u. a. Gomez und Robben), überrollte die überforderten Norddeutschen mit 6:1 und schenkte dem Trainer zum Jubiläum einen weiteren, glanzvollen Gala-Auftritt, wie schon so häufig in dieser Saison, in der es national für die Münchner keinen ernstzunehmenden Konkurrenten gibt. Nach der Partie ließ es sich der 67-Jährige nicht nehmen, seine Spieler wegen des einen Gegentores zu kritisieren. Das war natürlich nicht ernst zu nehmen. Doch ein Trainer mit einer fast 50-jährigen Erfahrung im Profi-Geschäft weiß, dass er die Zügel nicht schleifen lassen darf. Auch wenn die Bayern im Moment mit einem Selbstbewusstsein so groß wie der Mount Everest daherkommen, ist keine Mannschaft der Welt vor Hochmut und Nachlässigkeit gefeit. Auch die Bayern nicht.

Das Triple kann ihn unsterblich machen

Man weiß im Moment gar nicht wohin mit all den Superlativen, die einem zu diesem Club einfallen. Über ihre Dominanz in der Liga, über ihren auch in der Breite exzellenten Kader, über ihre Chancen, die Champions League und das Triple zu gewinnen, über die Zukunft unter dem zukünftigen Supertrainer Josep Guardiola und die weiteren Stars, die ab der nächsten Saison an der Säbener Straße trainieren werden. Und der Mann, der dafür maßgeblich verantwortlich ist, geht zielgerichtet und konsequent vor wie vielleicht noch nie zuvor in seiner Karriere. Jupp Heynckes, der im Jahr 1965 für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga auflief, baut am Ende seiner Laufbahn mit großem Ehrgeiz am eigenen Denkmal.

Das Triple steht im Raum – und Heynckes will alle drei Titel gewinnen. So viel ist sicher. Als Trainer wurde er zweimal deutscher Meister (mit den Bayern 1989 und 1990), die Champions League gewann er 1998 mit Real Madrid und wurde dennoch entlassen, weil der die nationale Meisterschaft verpasst hatte, der DFB-Pokal fehlt ihm noch in seiner Titelsammlung als Trainer. Als Spieler gewann er ihn 1973 mit Gladbach. Jetzt setzt Heynckes zum großen Sprung an. Wer verfolgt, wie er in dieser Saison sein Starensemble im Griff hat, keine Rücksicht auf schwierige Egoisten wie Arjen Robben nimmt, wie er den Bayern einen hoch effizienten und attraktiven Fußball verordnete, der hat keine Zweifel, dass Heynckes den großen Triumph schaffen kann. Denn eines zeichnet ihn aus: Er weiß, dass seine Mannschaft das Potential hat, sich und ihn unsterblich zu machen. Er weiß aber auch, dass einem im Fußball alles in wenigen Tagen unter den Händen zerrinnen kann. Man kann am Ende schnell als Verlierer dastehen. Am Mittwoch folgt das Duell gegen Dortmund im Viertelfinale des DFB-Pokals, da kann sich der Traum vom Triple schon in Luft auflösen.

Ehrgeiz und Gelassenheit

Heynckes‘ 1000-Spiele Erfahrung lässt sich so zusammenfassen. Er ist gelassen wie einer, der es nicht mehr nötig hat. Gleichzeitig brennt er wie ein junger Trainer, des es allen beweisen will. Man darf gespannt sein, welche Eigenschaft am Ende der Saison wichtiger sein wird.

 
 
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