3. Dezember 2012, 14:57 Uhr

Hoffenheim feuert Babbel

Nach zehn Monaten im Amt muss Hoffenheims Trainer Markus Babbel seinen Stuhl räumen. Nach dem schlechtesten Saisonstart der Bundesligageschichte soll nun U-23-Coach Frank Kramer übernehmen.

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Markus Babbel muss nach zehn Monaten als Trainer bei 1899 Hoffenheim gehen©

Einen Tag nach der 1:4-Pleite gegen Werder Bremen hat sich die TSG 1899 Hoffenheim von Trainer Markus Babbel getrennt. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung und im Einvernehmen mit der Geschäftsführung sowie den Gesellschaftern dazu entschlossen, einen Schnitt zu machen. Unsere sportlich zunehmend bedrohliche Situation und der einhergehende, negative Trend haben mir keine Wahl gelassen", sagte Andreas Müller, Manager des Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga.

Die Kraichgauer reagierten damit auf die vierte Niederlage in Serie und die tiefe Krise im fünften Erstliga-Jahr des Clubs. U 23-Coach Frank Kramer wird die TSG in der nächsten Partie am Freitag (20.30 Uhr) beim Hamburger SV betreuen. "Frank Kramer wird zunächst mal für die kommenden beiden Spiele die Verantwortung übernehmen, möglicherweise aber auch darüber hinaus", sagte Müller.

Zweite Trainerentlassung der Saison

Das Aus für Babbel war der zweite Trainerrauswurf in der laufenden Bundesligasaison. Zuvor hatte Felix Magath beim VfL Wolfsburg seinen Platz räumen müssen. Babbel hatte die Hoffenheimer erst am 10. Februar dieses Jahres als Nachfolger von Holger Stanislawski übernommen. Schon im ersten Pflichtspiel dieser Saison hatte der Ex-Nationalspieler mit dem Team eine peinliche Niederlage einstecken müssen, als seine Mannschaft im DFB-Pokal mit 0:4 bei den Amateuren des Berliner AK 07 ausschied.

Müller hatte dem zuvor bei Hertha BSC tätigen Babbel nach der Niederlage gegen Bremen am Sonntagabend keine Jobgarantie mehr ausstellen wollen und erstmals eingeräumt: "Eines ist klar: Es geht jetzt um nichts anderes, als dass wir in der Liga bleiben." Müller telefonierte vor der Trainerentlassung noch mit Mäzen Dietmar Hopp, der noch bis Mitte Dezember in seinem Urlaubsdomizil in Florida weilt.

Seit Rangicks Abgang 2011 herrscht Unruhe

Gegen Bremen spielte Babbels Team über weite Strecken wie ein Absteiger. Unter seiner Regie gab es aus den vergangenen zehn Spielen nur einen Sieg, in insgesamt 29 Bundesliga-Partien nur sieben Siege. Zudem ist die TSG mit 36 Gegentreffern zur Schießbude der Liga geworden.

Ralf Rangnick hatte den Dorfverein einst von der Regionalliga bis zur Bundesliga-Herbstmeisterschaft 2008 geführt, doch die Euphorie ist längst verflogen rund um die neue Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim, wohin zuletzt immer weniger Zuschauer kamen. Seit Rangnicks Abgang am Neujahrstag 2011 ist beim einstigen Dorfclub keine Ruhe eingekehrt: Auf dem Managerposten hatte zuvor schon Jan Schindelmeiser für Ernst Tanner Platz gemacht.

Tanner wurde dann von Babbel in Doppelfunktion abgelöst, ehe Müller im September kam. Auf der Trainerbank saß nach Rangnick erst der farblose Marco Pezzaiuoli, ehe Hopp mit Holger Stanislawski einen echten Typen einstellte - und nach nur gut sieben Monaten feuerte, als die Kraichgauer auf Rang acht lagen.

Erst Europa League im Visier, dann Pokal-Blamage

Babbel ging nach dem erneuten Tiefschlag gegen Bremen "felsenfest" davon aus, dass er weiter für die TSG arbeiten kann. Die Aussage löste bei den Beobachtern ein müdes Lächeln aus: Der 40-Jährige hatte Woche für Woche immer wieder dies selben Erklärungen von sich gegeben und sich zunehmend ratlos präsentiert. Am Sonntagabend sorgte er zudem mit seiner Aufstellung, die er noch vor der Pause wieder korrigierte, für Verwirrung in seiner Mannschaft. Zuverlässig wie immer gab er dann in der Pressekonferenz seinen Standardsatz von sich: Seine Mannschaft sei wieder einmal "für ihren Aufwand nicht belohnt worden".

Zu Saisonbeginn hatte Babbel ohne Not die Europa-League-Teilnahme als Ziel ausgegeben. Dann legte er mit dem 0:4 beim Viertligisten Berliner Ak die Pokalblamage des Jahres hin. Bis heute gelang es dem Ex-Nationalspieler nicht, ein Team zu formen aus einem Kader, den er als Ex-Manager mit zusammengestellt hat: Die Neuzugänge Eren Derdiyok, Filip Malbasic, Chris und Patrick Ochs kamen gar nicht oder kaum zum Einsatz. Als größter Fehler gilt die Verpflichtung von Ex-Nationaltorwart Tim Wiese, den Babbel auch noch zum Kapitän machte und dessen Patzer zu den größten Aufregern der Hoffenheimer Hinrunde gehörten. Die Werder-Fans konnte sich deshalb eine gewisse Häme nicht verkneifen: "Zweite Liga, Wiese ist dabei", sangen sie am Sonntagabend.

stu/DPA
 
 
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