"Es ist beschämend"

2. Februar 2013, 20:29 Uhr

Schalkes neuer Coach, Jens Keller, sollte das Team aus der Krise führen. Nach der desolaten Niederlage gegen Fürth scheint das Vorhaben frühzeitig gescheitert. Schuld daran trägt auch der Manager. Von Tim Schulze

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Fußball-Bundesliga, Schalke, Heldt, Keller, Fürth, Büskens

Er ist nicht zu beneiden: Schalkes Trainer Jens Keller steht nach nur drei Spielen schwer unter Druck.©

Nach dem Schlusspiff gab es auch Applaus in der Schalker Arena. Die Fürther Anhänger feierten ihre Mannschaft. Wenn der abgeschlagene Tabellenletzte, den viele schon abgeschrieben haben, in der Nachspielzeit das Siegtor zum 2:1-Erfolg erzielt und auf einmal wieder einen Funken Hoffnung im Abstiegskampf verspürt, dann ist das ein kleines Wunder – für die Mannschaft, den gebeutelten Trainer Mike Büskens und für die Fans. Schließlich hatte Fürth vor dem Spiel in der Schalker Arena als sicherer Verlierer festgestanden. Der Jubel der Gäste wurde allerdings übertönt von einem gellenden Pfeifkonzert, mit dem die Schalker Anhänger ihre Mannschaft in die Kabine verabschiedeten.

Die Pfiffe waren das Ergebnis einer schwachen Leistung, mit der Schalke noch tiefer in die Krise gerutscht ist. 90 Minuten war das Team von Jens Keller zwar die überlegene Mannschaft, doch schnelles Spiel in die Spitze und große Chancen waren selten. Schon nach der torlosen ersten Halbzeit gab es erste Pfiffe. Die Führung kurz nach Wiederanpfiff durch Neuzugang Michel Bastos währte nur kurz. Fürth glich schnell aus und Schalke schaffte es weiterhin nicht, sich zwingende Torchancen herauszuspielen. Das Pech kam hinzu, als Rafael am Pfosten scheiterte. Stattdessen setzte es in der Nachspielzeit den Todesstoß.

Manager Heldt steht in der Verantwortung

Das Ziel Champions League ist für die Schalker jetzt in weite Ferne gerückt. Der Rückstand auf den vierten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Qualifikation berechtigt, beträgt schon sechs Punkte – und wenn Schalke so weiterspielt, ist auch die Europa League in ernsthafter Gefahr. Aber das Schlimmste aus Schalker Perspektive ist: Es gibt im Moment keine Anzeichen auf Besserung. "Es ist eine Katastrophe, das ist beschämend", sagte Manager Horst Heldt und kündigte mit markigen Worten an: "Bei uns wird es jetzt ungemütlicher werden. Das gilt auch für die Spieler, die in der entscheidenden Phase nicht ihre Leistung abriefen."

Heldt verschwieg allerdings, dass er als Manager für die Krise mit verantwortlich ist. Schon bei der Trennung von Huub Stevens hat Heldt Fehler begangen, als er dem Niederländer früh die öffentliche Unterstützung versagte. Dann installierte er mit Jens Keller einen Nachwuchstrainer, der schon in Stuttgart gescheitert war. Keller, der unzweifelhaft über fachliche Kompetenz verfügt, wurde von Anfang an mit großer Skepsis beäugt – im Club, unter den Fans und in den Medien.

Das hat Auswirkungen auf eine Mannschaft, weil es die Autorität des neuen Trainers untergräbt. Auch das Keller von Schalke-Boss Clemens Tönnies als Übergangstrainer gebrandmarkt wurde, verstärkt diesen Effekt. Es bleibt zweifelhaft, ob Keller der richtige Mann ist, um eine taumelnde Spitzenmannschaft wie Schalke wieder in Form zu bringen.

Jetzt wartet der FC Bayern

Ob der überflüssige Weggang von Spielmacher Lewis Holtby, den Heldt ebenfalls zu verantworten hat, auch negative Auswirkungen hat, wird sich noch zeigen. Mit Rafael und Bastos hat Heldt ja potentiell für adäquaten Ersatz gesorgt. Die Niederlage gegen Fürth konnten aber auch sie nicht verhindern.

Kellers Bilanz ist nach drei Spielen in der Rückrunde mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage punktemäßig zwar noch keine Katastrophe, aber das ideenlose Spiel seiner Mannschaft gibt zu Bedenken. Es ist also wieder mächtig Unruhe auf Schalke. Und am nächsten Wochenende müssen sie beim FC Bayern antreten, Ende Februar geht es im Champions-League-Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul - es kommen schwere Wochen auf die Königsblauen zu.

 
 
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