Wilde Wechselspiele

11. November 2012, 20:54 Uhr

Wolfsburg ist unter Interimscoach Lorenz-Günther Köstner zurück in der Erfolgsspur. Spieler und Fans unterstützen ihn. Doch was passiert, wenn Klaus Allofs neuer Manager des Clubs werden sollte? Von Tim Schulze

Wolfsburg, Allofs, Köstner, Diego

Die Meinung der Wolfsburger Fans ist klar: Sie wollen Lorenz-Günther Köstner als Trainer behalten.©

Um eine theatralische Einlage ist Diego nie verlegen. Nach seinem frühen Freistoßtor gegen Leverkusen rannte der brasilianische Spielmacher zu seinem Trainer Lorenz-Günther Köstner an die Seitenlinie und umarmte ihn herzlich. Am Ende des Spiels revanchierte sich der Nachfolger von Felix Magath auf dem Trainerstuhl des VfL Wolfburgs. Köstner holte den Spielmacher in der 89. Minute vom Platz und gönnte ihm den Applaus der Fans. Der Brasilianer und die gesamte Mannschaft blühten im ersten Heimspiel nach Magath richtig auf. Wolfsburg gewann nach einer brillanten ersten Halbzeit gegen die Gäste aus Leverkusen mit 3:1.

Diego trug mit zwei Toren maßgeblich zum Erfolg bei. Nach seinem Freistoßtor (4.) baute er (16.) die Führung aus, Bas Dost (33.) machte noch vor dem Seitenwechsel die Vorentscheidung perfekt gegen eine Leverkusener Mannschaft, die den wie entfesselt aufspielenden Gastgebern nichts entgegenzusetzen hatte. In den zweiten 45 Minuten spielte Wolfsburg die Partie routiniert zu Ende.

Dritter Sieg im vierten Spiel unter Köstner

Nach dem Schlusspfiff blickte man nur in lächelnde Gesichter bei den Hausherren. Diego trug sogar seinen knapp zweijährigen Son Davi während des Interviews mit dem TV-Sender Sky auf dem Arm und lobte seinen Trainer: "Er ist sehr wichtig für uns. Wir haben großes Vertrauen in ihn. Heute vor dem Spiel sagte er mir, ich solle mich bei den Freistößen konzentrieren - ich würde ein Tor schießen. Und die guten Trainer sehen diese Details voraus und das macht den Unterschied aus." Köstner gab das Lob an Diego und die Mannschaft zurück: "Ich habe nichts Besonderes gemacht. Ich bin mit offenen Armen und warm empfangen worden. (…) Ich habe mit vielen Spielern gesprochen und auch die anderen Brasilianer mit in die Pflicht genommen. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Es war der dritte Sieg im vierten Spiel unter Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner, der es nach dem unrühmlichen Ende von Felix Magath geschafft hat, dem Team wieder Leben einzuhauchen. Dafür lieben sie ihn in Wolfsburg. Das ist deutlich zu spüren, die Ergebnisse zeigen es und die Spieler, nicht nur Diego, betonen es in Interviews immer wieder. Es ist schon fast zu einem Ritual der Wolfsburger Profis geworden, mit ihrem Trainer zu jubeln und der Club-Führung zu signaliseren: Der Mann muss bleiben. Mannschaft und Fans stehen hinter dem 60-Jährigen. Nur weiß niemand, und am wenigstens Köstner selbst, wie lange er Chefcoach bleiben darf. Die Bosse von VW hüllen sich in Schweigen – noch.

VW will einen großen Namen

Im Verein stehen die Zeichen nach der Ära des mächtigen Alleinherrschers Felix Magath auf Neuanfang. Im Moment läuft es gut unter dem ruhigen Köstner mit seiner väterlichen Ausstrahlung, die den Spielern offensichtlich gut tut. Doch ob das reicht, das Vertrauen der VW-Vorstandsetage zu bekommen, darf bezweifelt werden. Bei einem Weltkonzern baut man auf große Namen und lässt sich weniger von Wünschen glücklicher Spielern leiten.

Bevor eine Entscheidung über die Zukunft von Köstner fällt, muss der Verein allerdings eine andere Personalie regeln: Wer wird neuer Manager? In diesem Fall gibt es eine konkrete Vorstellung. Klaus Allofs von Werder Bremen soll kommen. Es heißt, dass beide Parteien eine grundsätzliche Einigung erzielt hätten. Jetzt ist Werder Bremen am Zug. Der Aufsichtsrat der Hanseaten wird in sich in diesen Tagen zusammensetzen und versuchen, eine Einigung zu erzielen. Es wird wahrscheinlich nur um die Höhe der Ablösesumme gehen, die die Wolfsburger an die Weser überweisen sollen. Sie wird wahrscheinlich rekordverdächtig sein. 2,5 Millionen Euro stehen im Raum. Es ist auch mehr denkbar. Allofs auf jeden Fall ist wechselwillig, so viel ist klar.

Bremen wird Schaaf nicht ziehen lassen

Wird Allofs tatsächlich neuer Manager beim VW-Club, wird er ein gewichtiges Wort in der Trainerfrage mitreden. Es gibt nicht wenige in Bremen, die glauben, dass Werder-Coach Thomas Schaaf, mit dem Allofs seit 13 Jahren in Bremen zusammenarbeitet, dem Manager folgen wird. Das ist allerdings reine Spekulation. Für Werder wäre es ein Supergau, kein Verein kann einen derartigen personellen Aderlass an der Spitze auf einen Schlag verkraften. Es heißt, die Bremer Bosse würden den Trainer auf keinen Fall ziehen lassen. Der Favorit als Nachfolger von Allofs soll Dietmar Beiersdorfer sein, den Schaaf schon vor zwei Jahren im Blick hatte, als die damalige Vertragsverlängerung mit Allofs hakte. Schaaf und Beiersdorfer kennen sich gut aus ihrer Zeit, als beide Anfang der neunziger Jahre als Spieler das Trikot von Werder trugen.

"Mr. Lorenz", wie ihn Diego nennt, kann unterdessen in aller Ruhe die wilden Wechselspiele und -spekulationen verfolgen. Köstner soll Wolfsburg wieder in die Erfolgsspur bringen. Das ist ihm bislang gelungen. Mehr kann er nicht tun.

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