10. März 2009, 22:53 Uhr

Nun kommt die Zeit des "Poldi"

Gegen das heillos überforderte Sporting Lissabon liefert der FC Bayern ein fröhliches Spektakel und siegt 7:1. Bei der Ablenkung vom mühseligen Ligaalltag deutet sich an: Lukas Podolski wird, bevor er nach Köln verduftet, den Münchenern noch viel Freude bereiten. Genau wie ein 19-jähriger Amateur, den bislang die wenigsten kennen. Von Rüdiger Barth, München

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Lukas Podolski brillierte gegen Sporting Lissabon mit einem Doppelpack©

So freundliche Gegner sind selten geworden in diesem Geschäft, und man kann sich ausmalen, wie sehr die Leid geprüften Bayern den Abend genossen haben. Sporting Lissabon stellte sich in der Allianz-Arena noch wunderlicher an als vier Tage zuvor Hannover 96, doch wir wollen nicht krittelig sein. Wer im Achtelfinale der Champions League einen Gegner dermaßen auf Kleinstformat zurechtstutzt, der gehört gepriesen: Bayern München also ist auf historisch zu nennende Art und Weise ins Viertelfinale gestürmt. Nach dem 5:0 im Hinspiel zerlegte man den Gegner aus Portugal auch im zweiten Duell in seine Einzelteile. Keine Frage, das 7:1 war in der Höhe verdient. Dass Sporting hühnerbrüstig daherkam wie eine grün-weiß gewandete C-Jugend von Celtic Glasgow – geschenkt (Pubertierende 15-Jährige schottische Jungs hätten sich aber wohl mehr gewehrt.)

Bayern begann vorne beweglich und hinten sorglos. Auch ohne Ribéry beherrschte das Spiel jene charakteristische Unwucht nach links, die nur durch die Ballsicherheit Philipp Lahms zu erklären ist. Gut für Bastian Schweinsteiger, dass ihn diese Kritik nicht treffen kann: Diesmal tummelte er sich meist selbst auf links. Erst durch die Einwechslung des jungen Thomas Müller, 19 Jahre alt, änderte sich die Geometrie. So dynamische Flankenläufe über die rechte Seite haben seine namhaften Rivalen nicht zu bieten. Und Tore schießen kann er auch.

Sporting humorlos

Vor allem Lukas Podolski fand Gefallen an den Freiheiten, die Sportings Abwehrspieler ihren Gegnern ließen. Sein Schuss zum 1:0 hatte feine Schärfe wie Höhe. Das Spiel nach vorne flutschte nach dieser 8. Minute, der Chancen waren es zu viele, um sie alle aufzuzählen: Klose traf den Pfosten (18. Minute), Lell zimmerte nach Schweinsteiger-Freistoß freistehend übers Tor (29.), Klose scheiterte aus höchstens vier Zentimetern (30.), dann nutzt wieder Podolski (34.) ein Missverständnis zum 2:0. Es hätte nach 40 Minuten auch 5:0 stehen können und nach 90 Minuten 11:1.

Dabei spielten die Portugiesen durchaus einen gepflegten Ball. Ja, sie zelebrierten die Kunst, die wahrhaft nur Portugiesen so formvollendet beherrschen: den Ball präzise vor dem gegnerischen Tor kreisen zu lassen, leichtfüßig um körperlich überlegene Gegner herumzutanzen, mit Körpertäuschungen verblüffende Räume zu schaffen. Kurzum: Im Stadion eine Ahnung von unerhörter Torgefährlichkeit zu verströmen - ohne jemals einen Schuss abzugeben, der wie der männliche Versuch wirkte, ein Tor nicht nur zu erfühlen, sondern gar zu erzielen. Bis zum abrupten 1:3. Joao Moutinhos Fernschuss in den Winkel, in seiner Humorlosigkeit beinahe deutsch, dürfte manch treuen Anhänger der großen brotlosen Kunst Portugals erschüttert haben.

Auflauf der Reservisten

"Ein Schuss, ein Tor, die Bayern", das sangen die Fans, was das ewige "Dann macht es bumm" von Gerd Müller konsequent fortschreibt. Natürlich war das zuletzt oft das Problem der Bayern: Sie schießen oft, selten ein Tor. An diesem Abend glückte indes fast alles. 65000 Zuschauer wärmten sich daran in dem eisigen Riesenkessel.

Ohne Toni und Ribéry stand da erneut eine allürenarme Mannschaft auf dem Feld. Zur zweiten Halbzeit durften gar Breno und Sosa ran, die sich gewiss eines fernen Tages noch zu Weltstars entwickeln werden. Während die Fans den jungen Abwehrhünen Breno feierten, ließen sie Mittelfeldspieler Sosa bei jedem Ballkontakt spüren, dass sie ihn für eine rechte Gurke halten. Es sind die gnadenlosen Regeln, die beim FC Bayern gelten. Früher oder später gelten sie im Klub seit jeher für alle, die ihren Job nicht wirklich beherrschen.

Kaum Fragen beantwortet

Ob sich so nun auch die Meisterschaft gewinnen lässt? Die Bayern stehen vor entscheidenden Wochen: Ob diese Saison von Erfolg gekrönt sein wird? Ob der Kader seine Qualität in Triumphe ummünzen kann? Ob Jürgen Klinsmann der richtige Trainer ist, den Bayern substanziell ein anderes Spiel beizubringen; ob ihn die Stars künftig so respektieren werden, dass sie darauf verzichten, ihn in Interviews zu piesacken? Ob Klinsmann im August noch bei Bayern sein wird? Die großen Fragen hat dieser Abend nicht beantwortet.

Weitergekommen. Und das beeindruckender denn je. Zur Geburtsstunde einer Bayern-Elf aber, die nicht nur Europa erschrecken wird, sondern in der Bundesliga auch Hertha BSC einholen, taugte diese Partie wenig. Am Wochenende wartet auf die Bayern ein Gegner, der sich wehren dürfte: der VfL Bochum.

Von Rüdiger Barth, München
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
ashcroft_house (11.03.2009, 13:49 Uhr)
Dass der Gegner arm war...
...kann ja sein, aber das waren die Gegner von Manchester Utd, Chelsea oder Barca in den letzten Jahren wahrlich auch. Ich kann mich an das VF der Saison 06/07 erinnern, als Utd gegen eine, aber sowas von schlechte, Roma 7-1 gewonnen hat. Damals hat aber niemand auf die Schwaeche der Italiener gezeigt, sondern nur auf die angebliche Weltklasse von ManU.
Also, Bayern: das war historisch, das war geil, Europa horcht auf, danke fuer zwei tolle Abende. Bitte baut drauf auf in den naechsten Wochen !!!
Malt (11.03.2009, 12:16 Uhr)
Jetzt...
...lasst doch mal dieses ewige Bayernbashing! Die Bayern haben das Championsleague Achtelfinale mit 12:1 Toren gewonnen, Miro Klose ist zusammen mit Gerrard auf Platz 1 der Torschützenliste diese Saison! Auch wenn der Gegner tatsächlich arm war, ist das doch mal was! Nach den peinlichen Durchmogelauftritten der Schalker letztes Jahr kann man durchaus sagen, dass es ein deutscher Verein mal wieder geschafft hat, ein Ausrufezeichen in der Königsklasse zu setzen! Und NEIN, ich bin kein Bayernfan, aber wenn's International wird, halte ich nun mal lieber einem Verein von hier die Daumen!
nightmare_online (11.03.2009, 11:59 Uhr)
Die Entwicklung von Podolski zeigt ...
... schlicht und ergreifend, das ein junger Spieler, der Zeit und Ruhe für seine Entwicklung benötigt, nicht zu den Bayern gehen darf. Aber das ist ja nun wirklich nichts neues. Scholl wäre vermutlich in einem anderen Verein ein Weltstar geworden. Schweinsteiger stagniert. Kroos hat ebenfalls erkannt, das die Sache bei Bayern keinen Sinn macht. Und da gibts ja noch einige Beispiele mehr.
vegefranz (11.03.2009, 11:05 Uhr)
Prolldolski ist ein guter 2. Liga-Torjäger
das zeigt das Spiel gegen den gestrigen Gegner mit 2 Liga-Klasse erneut. Da kommt er klar
gastritis (11.03.2009, 11:03 Uhr)
Unter Hitfeld war er
endel letzter saison auf dem weg zum stammspieler. schaut euch mal seine statistiken tore/einsatzzeit an und seid nicht traurig, dass er dem ach so grossen bayern den rücken kehrt.
erst in der k.o runde werden die bayern gewogen und für zu leicht befunden.
cu gastritis
ps: beckenbauer ist senil. bei der wm
und em waren ganz andere kaliber am start. hat jemand christino ronaldos leistung gesehen ? wen poldi in england spielen würde, wäre er in seiner entwicklung weiter als im renternerhafen bayern münchen.
und tschüss
Fraenkie2 (11.03.2009, 10:56 Uhr)
Die Zeit des Poldi....
...kommt irgendwie immer dann, wenn der Gegner eine gewisse Klasse nicht überschreitet - das scheint mir regelmäßig in der ganzen Poldi-Hysterie seit der WM 2006 unter zu gehen. Schon Franz Beckenbauer meinte zu Recht, dass man noch lange kein (Fussball-)Star ist, wenn man gegen Liechtenstein 3 Tore schießt. Der gute Mann wird sportlich einfach maßlos überschätzt - deswegen konnte er sich in München nicht durchsetzen und ist deswegen in Köln auch sportlich bestens aufgehoben.
Steve82 (11.03.2009, 09:26 Uhr)
Soll das ein Witz sein?
Der Text ist ok, aber eigentlich will diese Lobhudelei des FCB doch niemand mehr lesen. Da kann ich mir auch Marcel Reif anschauen.
@silver-quattro3.0: Vielleicht mal die Vereinsbrille weglassen und objektiv ein Spiel bewerten? Und das gleiche gilt für die Texte. Bellstedt bringt die Sache viel mehr auf den Punkt. Der legt den Finger auch mal in die Wunde. Das macht nicht jeder!
silver-quattro3.0 (11.03.2009, 07:00 Uhr)
Lieber Autor,
ich will ´mal völlig offen lassen wessen Anhänger ich bin. Fakt ist, wenn Sie weiterhin so spitzig und intelligent schreiben, bin ich der Ihre. Herr Bellstedt lesen Sie diesen Artikel mal durch und lernen Sie, vieleicht klappt´s dann auch mit "Ihren" Lesern
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