Ibrahimovic - Narziss mit goldenem Schuss

15. November 2012, 15:46 Uhr

Welch ein Wahnsinnstor! Welch ein Wahnsinnsspieler! Zlatan Ibrahimovic denkt exakt so über sich. Es mangelt ihm weder an Technik noch an Selbstbewusstsein. Damit spaltet er die Fußballwelt. Von Joel Stubert

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Zlatan Ibrahimovic, Schweden, WM-Qualifikation, Deutschland, DFB, Berlin

Nach seinem Fallrückziehertor aus 25 Metern kennt Zlatan Ibrahimovic nur ein Motto: Trikot runter und Tatoos zeigen©

Es läuft die 90. Minute im Freundschaftsspiel zwischen Schweden und England. Bisher ist es ein glamouröser Abend. In Stockholm ist die neue Friends Arena eröffnet worden, das englische Nationalteam gibt sich die Ehre. Der Sieg ist den Gastgebern nur noch theoretisch zu nehmen. Nur noch wenige Sekunden sind zu spielen, als Zlatan Ibrahimovic aus einem glamourösen einen denkwürdigen Abend macht.

3:2 führen die Skandinavier, durch drei Ibrahimovic-Tore. Drei! England hat es eilig, glaubt noch an ein Unentschieden. Keeper Joe Hart will einen misslungenen Befreiuungsschlag 25 Meter vor dem eigenen Gehäuse klären. Heraus kommt ein schwacher Kopfball, der zur Vorlage für eine Sternstunde im Fußballleben des Zlatan Ibrahimovic gerät.

Der Schwede schwingt seine 90 Kilogramm in die Luft und befördert den Ball per Fallrückzieher ins leere Tor. Ein Jahrhunderttor. Oder sogar ein Jahrtausendtor. Wieder hat es Zlatan, wie er von Fans genannt wird, allen gezeigt und seinem Team einen Sieg beschert. "Der Ball kam zeitlich perfekt. Der Torwart war weit draußen und ich habe einfach versucht, das Tor zu treffen. Und traf es" , sagte Ibrahimovic der schwedischen Zeitung "Aftonbladet". "Ich denke, das war ein hübsches Tor. Ich habe auch schon vorher schöne Tore gemacht, aber ich habe selten vier Tore für die Nationalmannschaft gemacht." Auch seine Mitspieler waren begeistert: "Davon kann ich noch erzählen, wenn ich alt bin", schwärmte Kim Källström.

In England herrschte ebenfalls Bewunderung für das Tor des Schweden. "Das beste Tor, das ich je gesehen habe", sagte Englands Steven Gerrard. "Zlats entertainment", schrieb die "Sun".

Einen Monat zuvor war er es ebenfalls "Ibra", der mit seinem Kopfball in Berlin erst die Wende einleitete und in der Nachspielzeit die Vorlage zum jetzt schon legendären 4:4 gegen Deutschland lieferte.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Kaum ein Team von Format scheint so abhängig von einem Spieler zu sein wie die Schweden. Der Stürmers von Paris St.-Germain weiß das ganz genau. Er genießt diese Führungsposition und sendet den Anspruch, Leader zu sein, permanent nach außen. Das macht ihn zur Reizfigur. Ibrahimovic pendelt ständig zwischen Genie und Wahnsinn. Weltklassetoren wie dem Fallrückzieher gegen England oder etwa dem Seitfallzieher bei der Europameisterschaft gegen Frankreich folgen narzisstische und arrogante Äußerungen. Zlatan Ibrahimovic - bosnisch-kroatischer Herkunft und in Malmö geboren - spaltet die Fußballfans.

Kollege Frodi Benjaminsen hat sein Urteil gefällt. "Ich mag ihn nicht", sagte der Kapitän der Färöer Inseln nach dem Gastspiel der Schweden. "Er hat die ganze Zeit auf dem Platz verächtlich über mich und meine Elf geredet. Mir hat er auf dem Weg in die Halbzeit erklärt, wo er spielt und was er verdient. Total kindisch." Benjaminsen berichtete auch von angeblichen Ellenbogenchecks und davon, dass ihn der Schwede im Kabinengang in den Schwitzkasten genommen habe. Selbst vor eigenen Mannschaftskollegen schreckt der 31-Jährige nicht zurück. "Halt die Fresse!" raunte er Christian Wilhelmsson an, als ihm der beim Spiel in Torshavn einen Fehler erklären wollte. Wenig später hatten Aktionen von Schwedens Nummer 10 das Spiel gedreht. "Er spielt noch besser, wenn er richtig in Rage ist", versuchte Wilhelmsson dem Vorfall etwas Positives abzugewinnen.

Sieben Meisterschaften holte "Ibra" bereits

Ibrahimovic ist ein Rüpel mit goldenem Schuss. So golden, dass er der teuerste Spieler der Welt ist. Rechnet man die bezahlten Ablösesummen zusammen, übertrifft kein anderer Kicker der Welt Ibrahimovics 169 MiIlionen Euro. Auch dazu hat er sich eine Meinung gebildet: "Qualität hat eben ihren Preis, Qualität gab es noch nie umsonst." 15 Millionen Euro soll ihm der Scheich aus Katar jährlich dafür zahlen, dessen neuen Klub Paris St.-Germain möglichst zur Meisterschaft zu schießen. Mit neun Treffern in sieben Spielen scheint er seine Hausaufgaben bisher zu erledigen - der Gewinn der ersten Meisterschaft des PSG seit 1994 wird größtenteils davon abhängen, Superstar Zlatan bei Laune zu halten.

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