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11. November 2009, 12:21 Uhr

Depression trieb Enke in den Tod

Schwere Depressionen haben Nationaltorhüter Robert Enke in den Selbstmord getrieben. Sein Arzt und seine Witwe schilderten unter Tränen Enkes Leid der vergangenen Jahre.

Robert Enke, Selbstmord, Hannover 96, Neustadt, Depressionen

Eine Pressekonferenz voller Trauer: Enkes Frau Teresa und sein behandelnder Arzt Valentin Markser am Mittag in Hannover

Der verstorbene Fußballer Robert Enke hatte schwere Depressionen. Sein behandelnder Arzt Valentin Markser sagte am Mittwoch in Hannover, dass Enke deshalb 2003 erstmals bei ihm gewesen sei. Er habe unter Versagensängsten und Depressionen gelitten. Auslöser sei damals die unklare Vertragssituation in Barcelona und Istanbul gewesen, wohin ihn die Spanier ausgeliehen hatten. Enkes Zustand habe sich stabilisiert, als er 2004 nach Hannover gegangen sei. Nur deshalb konnte Enke bei 96 so erfolgreich spielen.

Vor sechs Wochen jedoch, Anfang Oktober, sei ein Anruf von Enke gekommen, berichtete Markser. Der Torhüter geriet wegen seiner "unklaren Infektion zunehmend in eine Krise mit depressiven Verstimmungen". Deshalb unterbrach Enke das Training im Verein und legte eine Länderspielpause ein. Nach ambulanter Behandlung kehrte er aber schnell ins 96-Team zurück, spielte noch am vergangenen Sonntag gegen den HSV. Er habe es abgelehnt, in eine stationäre Behandlung zu gehen, sagte sein Arzt. Eine Zwangseinweisung unterließ Markser, denn: Von Selbstmordgedanken habe sich Enke immer "glaubwürdig" distanziert.

Enke sagte noch am Dienstag: Es geht wieder besser

Noch am Tag des Selbstmords, also am Dienstag, habe Enke mit dem Chef einer Spezialklinik telefoniert. Es gehe ihm besser, sagte der Fußballer laut Markser, er wolle sich die Option der Behandlung aber offenhalten. Am Morgen hatte er sogar noch trainiert, die Einheit am Nachmittag aber ausfallen lassen.

In seinem Abschiedsbrief hat sich Enke laut Markser bei seinen Angehörigen und seinen Ärzten für die bewusste Täuschung seiner seelischen Lage entschuldigt. Enke habe seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußball-Profi nicht zu gefährden.

"Wir dachten, mit Liebe geht das"

"Ich habe versucht, für ihn da zu sein", sagte Witwe Teresa Enke. Sie gab einen sehr emotionalen Einblick in das Leben der Enkes. "Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Man schafft es aber doch nicht", sagte sie. Zu den Depressionen kam bei Enke ein schwerer Schicksalsschlag: 2006 war die herzkranke Tochter Lara im Alter von zwei Jahren gestorben. Robert Enke fürchtete jetzt auch, aufgrund seiner Depressionen das Sorgerecht für die im Mai adoptierte Leila zu verlieren.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff sagte am Nachmittag in Köln, dass nichts auf die Krankheit hingewiesen habe. Enke habe sehr "gefestigt" und "stabil" gewirkt. Bierhoff brach im Verlauf der Pressekonferenz des DFB in Tränen aus. "So fühlen auch die Spieler", sagte der Manager.

Nur noch Trauer in Hannover

Enke hatte sich am Dienstagabend in Neustadt-Eilvese umgebracht. Er hatte sein Auto unweit der Bahngleise abgestellt und war vor einen Regionalzug gesprungen. Die Notbremsung des Zugführers konnte das Unglück nicht mehr verhindern. Der Freitod des 32-jährigen Torhüters hatte noch am Abend entsetzte Reaktionen in ganz Deutschland hervorgerufen. Der DFB sagte am Mittwoch nicht nur das Training der Nationalmannschaft ab, sondern auch das geplante Freundschaftsspiel gegen Chile.

In Hannover, wo schon am Abend Fans zusammengekommen waren, trauerten am Mittoch Tausende Fans am Stadion und der Geschäftsstelle. Der Strom von Trauernden Richtung AWD-Arena riss den ganzen Vormittag über nicht ab. Kerzen wurden aufgestellt, Blumen niedergelegt, Kondolenzbücher eröffnet. Robert Enke war in der niedersächischen Landeshauptstadt außerordentlich beliebt. Nicht nur, weil er Kapitän und einziger Nationalspieler von 96 war, sondern auch aufgrund seiner Fairness und sympathischen, zurückhaltenden Art.

ben
 
 
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