Ahmet Öner wollte als Boxpromoter den deutschen Markt aufrollen. Skandale, Eklats und Straftaten pflastern seinen Weg. Inzwischen verdient er sein Geld mit kubanischen Boxern, denen er zu Flucht verhilft. Ahmet Öner über seine Zeit in Deutschland, die Klitschkos und seine Aggresivität.

Ein Mann der klaren Worte: Box-Promoter Ahmet Öner© Kai Pfaffenbach/Reuters
Kellner kann Ahmet Öner nicht leiden. "Mich hat einmal einer reingelegt", sagt er. Der Boxpromter sitzt im Restaurant des W-Hotels in Miami und drückt an seinem Blackberry herum. Scheppernd lacht er. Und schiebt hinterher: "Ich wurde damals per Haftbefehl gesucht und da hatte sich ein Polizist als Kellner verkleidet und mich verhaftet." Dann klingelt sein Telefon. Nachdem er einige Minuten still zugehört hat, sagt Öner: "Ich zahle ihm 1,1 Millionen, das ist mein letztes Wort." Dann legt er auf.
Herr Öner, Sie leben in Miami und Istanbul. Ist das Ihre Art, der deutschen Justiz aus dem Weg zu gehen? Zuletzt wurden Sie wegen 16 Straftaten, unter anderem Erpressung und Körperverletzung, zu 22 Monaten Bewährung verurteilt. Ja. Definitiv. Ich reagiere schnell auf Provokationen und ich habe gemerkt, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft Lust auf mich hat. Die waren mit der Bewährungsstrafe nicht zufrieden. Für die war das eine Niederlage. Also habe ich das Land besser verlassen.
Wo ist ihr Hauptwohnsitz? Dort, wo Geld verdiene. Im Augenblick ist es das Boxgeschäft. Aber ich baue mir auch eine Alternative auf und versuche mit Immobilien in Istanbul Geld zu verdienen. Das läuft ganz okay. Ich glaube, daran, das wird meine Zukunft. Auf Boxen habe ich auf lange Sicht keine Lust mehr.
Sie waren vor ein paar Jahren angetreten, dass deutsche Boxen aufzumischen. Ihr Box-Gym in Hamburg ist inzwischen geschlossen. Sind sie gescheitert? Nein. Aber ich habe Fehler gemacht. Ich lasse mich schnell provozieren und bin dann in Ärger reingerutscht. Ob das Bönte, der Manager der Klitschkos war oder Klaus Peter Kohl, der Chef des Universum-Boxstalls, ich habe mich mit den Leuten angelegt.
Bei aller Wut über die anderen. Ihr Versuch, den deutschen Boxmarkt aufzumischen, hat nicht funktioniert. Nicht nur ich bin gescheitert, das ganze System ist doch kaputt.
Was meinen Sie damit? Die Klitschkos sind die einzigen Boxer, die derzeit noch Hallen füllen. Die Geld verdienen. Sonst kämpfen doch nur noch Würste. Das Schwergewichtsboxen ist doch längst tot.
Wie kommen Sie darauf? Beim letzten Kampf von Vitali Klitschkos schauten fast 14 Millionen an den Fernsehern zu. Das ist eine Traumquote. Ja, die Klitsckos liefern. Aber dann? Was ist denn dahinter? Wenn ich sehe Alexander Povetkin gegen Marco Huck um die WBA-WM, dann ist das doch albern. Das ist ein Titel, den früher mal ein Mike Tyson gegen Evander Hollyfield geboxt hat, das sagt doch schon alles. Wie kann ein Chisora ernsthaft mit Klitschko um einen WM-Titel in den Ring steigen dürfen? Chisora hat schon seine Aufbaukämpfe gegen schlechte Gegner verloren. Ein Verlierer gegen den Champion, was soll das denn?
Aber die Klitschkos können sich ihre Gegner nicht backen. Es gibt keinen Nachwuchs. Das ist richtig. Boxen hat kein gutes Image. Mütter stehen nicht drauf, wenn sich ihre Söhne die Fresse einschlagen lassen. Meine Frau fände das auch Scheiße, wenn unser Sohn boxen würde.
Sie sagte kürzlich aber auch, die Klitschkos hätten das Schwergewicht getötet. Wie kommen Sie darauf? Sie haben sich schlechte Gegner gesucht und die groß geredet. Das Publikum wird das irgendwann schnallen. Irgendwann wird es klick machen bei den Zuschauern. Und dann ist es endgültig tot.
Die Klitschkos konnten sich in den USA nie durchsetzen. Woran liegt das? Weil es keine guten amerikanischen Gegner gibt. Da fehlt den Leuten die Identifikation. Da können keine Gefühle aufkommen. Die halten hier nicht zu zwei Ukrainern.
Universum war einer der größten Boxställe in Deutschland. Heute sind sie fast pleite. Was haben sie falsch gemacht? Sie haben vergessen, hinter den Klitschkos noch andere aufzubauen. Es gab keine Palette guter Boxer hinter ihnen. Universum hatten keine Qualität mehr zu bieten, als die Klitschkos weg waren. Das Publikum lässt sich nicht verarschen. Die merken, wenn die Kämpfe schlecht sind.