Satte 130 Milliarden Euro sind für ein zweites Griechenland-Hilfspaket eingeplant. Doch das reicht offenbar nicht aus. Die wichtigsten Fragen zu Hellas endlosem Schulden-Dilemma. Von Barbara Schäder

Griechenland in Geldnöten: Euro-Gruppenchef Juncker will Athen einen Teil seiner Schulden erlassen© Oliver Berg/DPA
Es scheint wie ein Fass ohne Boden: Die Geldnöte Griechenlands sind nach neuen Erkenntnissen der EU-Kommission noch größer als bislang angenommen. Obwohl Athen auf eine Entlastung durch einen Schuldenerlass seiner privaten Gläubiger hoffen kann, müsse auch die öffentliche Hand nachlegen, meint EU-Währungskommissar Olli Rehn.
Zu den öffentlichen Gläubigern Griechenlands zählt neben Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) auch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie hat zwar keine Kredite an das Land vergeben, aber griechische Schuldtitel am Markt aufgekauft. Nach IWF-Chefin Christine Lagarde deutete am Freitag auch Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker an, die EZB sollte diese Anleihen abschreiben und Griechenland damit einen Teil seiner Schulden erlassen.
Die Euro-Staaten und IWF schnürten im Frühjahr 2010 ein 110 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Athen. Davon wurden bislang 73 Milliarden Euro überwiesen - 52,9 Milliarden Euro von den Euro-Ländern und 20,1 Milliarden Euro vom IWF.
Schon vor einem Jahr wurde aber deutlich, dass die 110 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Denn die griechischen Staatseinnahmen blieben weit unter dem erwarteten Niveau - einerseits wegen der Rezession, andererseits wegen anhaltender Probleme bei der Steuererhebung und anderen Reformen. Die Euro-Partner stellten Griechenland deshalb im Oktober ein zweites Hilfspaket von maximal 130 Milliarden Euro in Aussicht. Sie riefen den IWF auf, sich daran zu beteiligen.
Die bisherigen Kalkulationen beruhen auf der Erwartung, dass die Gesamtverschuldung Griechenlands bis 2020 von derzeit 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 120 Prozent zurückgeht. Einen erheblichen Beitrag sollen dazu die privaten Gläubiger Athens leisten: Sie sollen Griechenland rund 100 Milliarden Euro an Schulden erlassen. Darüber verhandelt der Internationale Bankenverband IIF derzeit mit der Regierung in Athen.
Selbst bei einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen geht die EU-Kommission mittlerweile aber davon aus, dass die griechischen Staatsschulden bis 2020 bestenfalls auf 125 Prozent des BIP zurückgehen. Um die Zielmarke von 120 Prozent zu erreichen, müsste Griechenland um weitere 12 bis 15 Milliarden Euro entlastet werden, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf EU-Kreise.
Die Notenbank könnte sich am Schuldenerlass für Griechenland beteiligen. Sie kauft seit Mai 2010 Staatsanleihen, um die Refinanzierungskosten des Landes zu drücken. Mittlerweile hat sie nach Schätzung von Experten rund 40 Milliarden Euro an Hellas-Bonds in ihren Büchern. Die Papiere wurden zum Kaufpreis in die Bilanz eingestellt, der bereits deutlich unter dem Nennwert lag.
Euro-Gruppen-Chef Juncker argumentiert deshalb, eine Abschreibung auf den aktuellen Marktpreis würde die EZB nicht viel kosten: "Das wäre kaum ein Verlust", sagte der luxemburgische Ministerpräsident vor dem dortigen Parlament. Experten von Barclays Capital kamen in einer zu Jahresbeginn veröffentlichten Analyse zu dem Schluss, eine Abschreibung auf den Marktwert würde die EZB 20 bis 25 Milliarden Euro kosten.
Gefunden in ... ... der "Financial Times Deutschland"