Schimmelpilz-Gift im Tierfutter

1. März 2013, 15:18 Uhr

Neuer Agrarskandal: Mindestens 10.000 Tonnen verseuchter Futtermais sind auf 3500 niedersächsischen Höfen in Umlauf gekommen. Das Tierfutter kommt aus Serbien. Auch andere Bundesländer sind betroffen.

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Futtermais wird zur Aufzucht von Geflügel, Rindern und Schweinen verwendet. In Niedersachsen wurde nun tonnenweise vergiftetes Getreide gefunden.©

Mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen sind mit hochgiftigem Futtermittel aus Serbien beliefert worden. Mindestens 10.000 Tonnen des mit einem krebserregenden Schimmelpilz verseuchten Maisfutters seien über Futtermittelhersteller in Umlauf gekommen, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit.

Insgesamt seien 45.000 Tonnen über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden. 10.000 Tonnen seien in Brake, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen gesperrt worden. Neben Niedersachsen sind dem Ministerium zufolge auch noch geringe Mengen nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen geliefert worden. Aus NRW wurden 16 Verdachtsfälle gemeldet, aus Sachsen-Anhalt 22.

Der Mais ist mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 kontaminiert. Er wurde von Futtermittelherstellern zu Futter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet. Schon geringe Höchstmengenüberschreitungen im Futtermittel könnten zum Beispiel zu einer kritischen Belastung von Rohmilch führen. Auf die Gift-Kontamination aufmerksam geworden waren die Behörden durch den Routine-Test der Rohmilch eines Bauerhofs. Eine Gefährdung für Verbraucher sieht das Ministerium nach ersten Einschätzungen dennoch nicht. "Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand erscheint es uns als nicht sehr wahrscheinlich, dass eine Gesundheitsgefahr von dieser Überschreitung ausgeht", sagte Staatssekretär Udo Paschedag.

Gefahr für den Verbraucher unklar

Die Behörden seien aber erst dabei, alle Lieferketten zu rekonstruieren und die nötigen Kontrollen anzugehen. Vieles sei ungeklärt. "Wann die letzte Fütterung war, können wir noch nicht sagen", sagte Paschedag. Die Verdünnung der möglicherweise verseuchten Milch in den Molkereien mindere das Risiko für die Verbraucher. Wenn Molkereien die Milch von verschiedenen Höfen abholen, wird sie vermischt.

Bisher sei in Molkereien bei der für den Konsum aufbereiteten Milch keine Überschreitung von Grenzwerten bemerkt worden. Auch bei Fleisch bestehe nach ersten Einschätzungen kein Risiko für den Verbraucher, betonte das Ministerium. Die Kontrollen sollen umgehend verstärkt werden. Alle mit dem verdächtigen Futter belieferten Bauerhöfe werden nun genau kontrolliert und dürfen gegebenenfalls keine Milch verkaufen, wenn Grenzwerte überschritten werden. Eine dauerhafte Gefahr besteht den Behörden nach nicht. Eine Woche nach dem Stopp der Verfütterung des belasteten Futters sinke der Giftgehalt in der Milch ohnehin wieder unter die Grenzwerte.

Schimmelpilzgift in Futtermitteln lagert sich nach Angaben von Verbraucherschützern am ehesten in Kuhmilch ab. Die Toxine lagerten sich erwiesenermaßen nicht in besorgniserregenden Mengen im Fleisch von Tieren und in Eiern ab, sagte Michael Kühne, Experte beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), am Freitag in Hannover. Kühe bauten die Stoffe über die Milch ab. Daher konzentrierten die Behörden ihre Kontrollen nun besonders auf Milchviehhalter und Molkereien.

Gefahr war bereits im Herbst bekannt

In Serbien dagegen bewegt Pilz-Gift in der Milch seit Tagen die Menschen. In der Milch mehrerer Marken hatte ein unabhängiges Labor vergangene Woche erhöhte Aflatoxin-Werte festgestellt. Sie stammen von dem Schimmelpilz, der Mais befällt. Der Pilz hatte sich im Sommer 2012 in Serbien verbreitet, wie der serbische Agrarexperte Vladimir Pekic sagte. Die Regierung ließ zunächst die betroffenen Milch-Marken aus den Supermarktregalen nehmen. Am Donnerstag erhöhte sie dann die erlaubte Aflatoxin-Menge pro Liter Milch um das Zehnfache - von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm.

Das Bundesverbraucherministerium warnte die Länder bereits im Herbst wegen möglicher Belastungen von Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin. In den vergangenen Monaten sei EU- weit eine Reihe von Schnellwarnmeldungen zu erhöhten Aflatoxin- Gehalten in Mais aus verschiedenen EU-Staaten eingegangen, bestätigte ein Sprecher. Das Ministerium habe daher im Oktober die für Futtermittelkontrollen zuständigen Länderbehörden und die Wirtschaft auf die Gefahr erhöhter Werte aus der Maisernte 2012 hingewiesen und um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

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