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5. November 2009, 11:04 Uhr

GM - Größenwahnsinn Motors

General Motors will Opel in eine gemeinsame Zukunft führen. Wie diese aussehen soll, weiß niemand in Detroit. Was allein zählt: Man konnte die Ehe von Opel und Magna verhindern. Ein Gastkommentar von Ferdinand Dudenhöffer

Opel, GM, Magna

Stellt GM bei Opel den Motor aus, lautet die Frage der Opelmitarbeiter© Frank Augstein/AP

Falls es eine verspätete Halloween-Überraschung werden sollte, ist sie gelungen. Um die Mitternachtsstunde am 3. November teilt General Motors (GM) mit, daß man nach gut 12-monatigem Hin und Her jetzt doch mit Opel in die Zukunft gehen will. Die Mitteilung war knapp - eben ein Dreizeiler-, wie das ein selbstbewusster Weltkonzern so macht, der in autistischer Manier seine Strategie festlegt und wenig an öffentlichen Einschätzungen, Politikermeinungen oder gar Mitarbeiterempfindungen interessiert ist. Knapp war die Mitteilung vielleicht auch, weil man wenig zu sagen hatte. Man macht es zwar, aber wie, ist nach zwölf Monaten noch nicht so ganz klar. Auf jeden Fall arbeitet man mal an einem Sanierungsplan. Allein diese klare Botschaft hat sämtliche Wettbewerber von GM - also VW, Toyota, Ford, Fiat oder Renault - in Angst und Schrecken versetzt.

Abschied aus dem Osten

Die klare Botschaft von GM lautet: Wir werden wieder der Weltkonzern, der in allen wichtigen Märkten der Welt gefürchtet werden muss. Natürlich auch in Europa: Einem Markt, auf dem niemand einen Blumentopf gewinnen kann, denn der Markt hat null Wachstum, ruinösen Wettbewerb und lebt fast ausschließlich aus der Hoffnung im Osten. Osten ist Russland. Da hatte GM vor ein paar Jahren durch das Zerwürfnis mit dem russischen Autobauer Avtovaz - besser bekannt durch die Marke Lada - kräftig russisches Porzellan zerschlagen. Mit seiner Halloween-Überraschung ist es GM zusätzlich gelungen, Wladimir Putin dumm aus der Wäsche schauen zu lassen. Das sind die besten Voraussetzungen, um mit Opel in Russland zu punkten.

Immer weiter so reicht nicht aus

Seit dem Jahr 2000 hat GM in Europa keinen Gewinn mehr geschrieben. In diesem Jahr verbrennt Opel pro Tag sechs Millionen Euro. Seit zwanzig Jahren hat GM kein schlüssiges Konzept für Opel. Seit zwanzig Jahren schrumpft der Marktanteil, und die Substanz des früher mal guten Unternehmens Opel liegt am Boden zerstört. Was sollte sich jetzt nach der GM-Pleite in USA bei Opel anders oder gar besser entwickeln als bisher? Die Manager bei GM sind bis auf ein paar gefeuerte die gleichen wie zuvor. GM spielt in den nächsten Monaten mit den Mitarbeitern wie in den letzten fünf Jahren das Spiel "Reise nach Jerusalem". Was wird also warum anders nach der Halloween-Nacht des 3. Novembers 2009?

Opel, GM, Magna

Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer lehrt an der Universität Duisburg Essen© Fachhochschule Gelsenkirchen

Magna hat Innovationspotential, GM nicht

Anders wäre es mit anderen geworden. In Graz baut man die besten Autos der Welt. Magna ist eine Innovationsschmiede mit hochmotivierten Mitarbeitern, ertragreichem Wachstum und allerbesten Kontakten in das neue Wachstumsreich Russland. Magna ist eines der flexibelsten und schnellsten Unternehmen der Welt – und nicht wie GM ein Verwaltungsmonster, das in Selbstüberschätzung aus dem 75. Stock in Detroit die Welt betrachtet. Magna hätte mit Opel den Modul-Baukasten für alle Autobauer außerhalb der VW-Gruppe gebaut. Das Konzept war schlüssig, fundiert und tragfähig. Und was bleibt? Ein früherer Weltmarktführer, der aus der Pleite kommt und alle Probleme der Welt gleichzeitig mit wenig eigener Substanz lösen will. Gute Unternehmen minimieren Risiken und maximieren den Gewinn – und nicht umgekehrt.

Ein Gastkommentar von Ferdinand Dudenhöffer
 
 
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