Adventskomet Ison verglüht in Sonnennähe

29. November 2013, 08:59 Uhr

Das Weihnachtsspektakel am Himmel fällt aus: Der Adventskomet Ison ist offenbar bei seiner Annäherung an unsere Sonne verglüht. 2700 Grad Celsius waren zuviel für den neuen "Stern von Bethlehem".

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Der Komet "Lovejoy", benannt nach seinem australischen Entdecker, dem Amateurastronomen Terry Lovejoy©

Der Adventskomet Ison hat offenbar seine Annäherung an die Sonne nicht überstanden. "Es scheint, als ob Komet Ison seine Reise nicht überlebt habe", sagte der Kometenforscher Karl Battams vom Naval Research Laboratory am Donnerstag nach Betrachten von Weltraumbildern. Andere Wissenschaftler äußerten sich ähnlich. Astronomen hatten allgemein erwartet, dass der Eis- und Gesteinsbrocken bei dem Flug nahe der Sonne verglühen würde.

"Ich sehe nichts, das jenseits der Sonnenscheibe hervorkommt", sagte Battams bei einer Diskussionsrunde, die von der US-Raumfahrbehörde Nasa organisiert worden war. Phil Bait von dem Bad-Astronomy-Blog sagte, er habe ebenfalls den "starken Verdacht, dass Ison ein Ex-Komet sein könnte". Dean Pesnell vom Nasa-Sonnenobservatorium Solar Dynamics Observatory (SDO) sagte: "Der Komet scheint verschwunden und sich in den letzten Stunden aufgelöst zu haben."

Gute Detektoren für Kometen

Weder das SDO, noch die gemeinsam von der Nasa und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA betriebene Sonnensonde Soho finde noch eine Spur des Kometen, obwohl sie "sehr gute Detektoren für Kometen" seien, sagte Pesnell. Die Kometenexpertin Carey Lisse von der Johns Hopkins Universität hatte den Komet zuvor mit einem "losen Schneeball" verglichen, der zu 30 oder 50 Prozent aus Wassereis bestehe. Zudem sei er mit 1,2 Kilometer Durchmesser eher klein.

Der Schweifstern hatte am Donnerstag gegen 19.30 MEZ den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht. Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Abstand zum glühend heißen Zentralgestirn nur noch einen Sonnendurchmesser. Bei einer Entfernung von 1,17 Millionen Kilometern war er Temperaturen von 2700 Grad Celsius ausgesetzt und verlor drei Millionen Tonnen pro Sekunde. Es war daher damit gerechnet worden, dass der aus der eisigen Tiefe des Weltraums heranfliegende Komet dies nicht überleben würde.

Bis in die Anfänge des Sonnensystems

Spekulationen über ein mögliches Ende des Kometen hatten bereits am Nachmittag neue Nahrung erhalten: Bilder von Soho hatten gezeigt, dass die Helligkeit von Ison kurz vor seiner dichtesten Annäherung an die Sonne deutlich abgenommen hatte. Ison fasziniert Astronomen, seitdem er im September 2012 von russischen Forschern entdeckt wurde, da sein Ursprung rund 4,5 Milliarden Jahre bis in die Anfänge des Sonnensystems zurückreicht.

Ison hatte sich vor mehreren Millionen Jahren aus der sogenannten Oort-Wolke gelöst, einer Ansammlung von Gesteinsbrocken auf halber Strecke zwischen der Sonne und dem nächstgelegenen Stern. Battams betonte, es sei noch nie ein solcher Komet aus der Oort-Wolke gesehen worden, der sich derart der Sonne nähere. Wenn sich Kometen auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus, die stets von der Sonne wegweisen.

ins/AFP
 
 
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