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24. Mai 2010, 16:29 Uhr

Kugelblitze sind bloß Einbildung

Manchmal taucht während eines Gewitters ein Kugelblitz auf. Physiker können dieses Phänomen bis heute nicht erklären. Nun meinen zwei Innsbrucker Forscher: Die Leuchtkugeln entstehen durch einen Fehler des Gehirns.

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Keine optische Täuschung, aber auch kein Kugelblitz: Im Labor erzeugten Berliner Physiker einen kleinen Plasmaball© Picture-Alliance

Was ist ein Kugelblitz? Die Frage treibt Physiker schon lange um. Die extrem seltenen runden Leuchterscheinungen werden bei Gewittern beobachtet. Trotz vieler Augenzeugenberichte gibt es bis heute keine allgemeingültige physikalische Erklärung, wie ein Kugelblitz zustande kommt. Versuche, die schwebenden Leuchtkugeln im Labor künstlich zu erzeugen, scheiterten größtenteils - die entstehenden Feuerbälle waren beispielsweise zu kurzlebig, als dass es sich um die beschriebenen Phänomene hätte handeln können. Doch was, wenn zumindest manche Kugelblitze gar keine echten Feuerbälle sind, sondern eine Art optische Täuschung?

Zu diesem Schluss kommen zwei Innsbrucker Physiker, nachdem sie untersucht haben, welche elektromagnetischen Felder während eines Gewitters entstehen. Sie berichten in der Fachzeitschrift "Physics Letters A" über ihre Forschung. Die These: Lange Blitzentladungen erzeugen Magnetfelder, wie sie die Medizin bei der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) einsetzt. Bei der TMS werden Hirnbereiche angeregt, was Illusionen hervorruft - Geräusche, Gerüche oder Figuren. Beim Gewitter können die Magnetfelder die kugelförmigen Leuchteindrücke, wissenschaftlich Phosphene genannt, bewirken. Zumindest in manchen Fällen könnte dieser Effekt die ungewöhnlichen Erscheinungen erklären, meinen Josef Peer und Alexander Kendl von der Universität Innsbruck.

Tatsächlich gehen bestimmte Blitzvarianten mit Magnetfeldern einher, die sehr ähnliche Eigenschaften haben, wie die bei der TMS verwendeten, berechneten die Wissenschaftler. Blitze mit wiederholten Entladungen, die über mehrere Sekunden die stimulierenden Magnetfelder erzeugen, seien wie die Kugelblitz-Beobachtungen eher selten und träten nur in einem von hundert Fällen auf, erläutert Kendl. "Einem Beobachter, der sich im Abstand von wenigen Hundert Metern von einem langen Blitzeinschlag entfernt befindet, kann ein magnetisches Phosphen in Form eines hellen Lichtflecks für einige Sekunden erscheinen", sagt Forscher. Und noch etwas spricht seiner Ansicht nach für diese Theorie: ihre Einfachheit. "Im Gegensatz zu anderen Theorien, die schwebende Feuerkugeln beschreiben, sind hier keine neuen und weiteren Annahmen nötig", betont er.

DDP
 
 
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