Haushaltshilfe und Zankapfel

13. Juli 2009, 16:08 Uhr

Vor 80 Jahren stellte Miele den ersten elektrischen Geschirrspüler Europas vor. Das "Modell A" hatte keine Ähnlichkeit mit modernen Vollautomaten. Doch ein Streitpunkt war damals ebenso aktuell wie heute: Wie bestückt man die Maschine richtig?

Geschirrspüler, Miele

Die erste elektrische Geschirrspülmaschine Europas - "Modell A" von Miele" - glich einem Bottich©

80 Jahre Geschirrspülmaschinen in Europa - das sind auch 80 Jahre Geschlechterkampf über die heikle Frage, wie man Tassen und Gläser optimal einräumt. "Der Streit entzündet sich daran, dass der Mann über seine vermeintliche technische Kompetenz auch Einfluss auf den Einsatz des Geräts gewinnt", sagt der Soziologe Wolfgang Krohn von der Universität Bielefeld. "Er mischt sich damit in den Kompetenzbereich der Frau in der Küche ein." Allerdings sei die Frau auch ein Stück weit selbst Schuld. "Meist überlässt sie die Technik gern dem Mann und zeigt sich scheu gegenüber Gebrauchsanweisungen."

Sozio-kulturelle Studien über die Spülmaschine gibt es aber nicht. "Unter den prominenten Geräten der Haushaltstechnik ist sie die, die nicht erforscht ist", sagt der Soziologe, der die gesellschaftlichen Aspekte von Wissenschaft und Technik untersucht.

Das "Modell A" war nur ein Bottich

Im Jahr 1929 brachte die Firma Miele aus dem ostwestfälischen Gütersloh die ersten Geschirrspüler Europas auf den Markt. Das "Modell A" war ein heute skurril anmutender runder Metallbottich, in den man zwei Körbe mit Geschirr stellte. Darüber kippte man separat erhitztes Wasser. Ein Elektro-Propeller am Boden wirbelte das Wasser nach oben. Leisten konnte sich das Gerät nur eine Elite: "Es kostete zwischen 400 und 450 Reichsmark, davon konnte man drei Jahre eine Haushälterin bezahlen", sagt Miele-Sprecherin Reinhild Portmann.

Die weltweit erste Spülmaschine datiert bereits aus dem Jahr 1886. Sie ist patentiert auf Josephine Cochran, eine betuchte Amerikanerin, die gern Partys schmiss. "Sie ärgerte sich, dass ihre Angestellten immer so viel Geschirr kaputt machten, wollte aber auch nicht selbst abwaschen", schildert Portmann. Ihre erste "ausgefuchste Maschine" sei aber "sehr viel größer und unhandlicher" gewesen als die Miele- Erfindung 43 Jahre später.

Der Siegeszug des Vollautomaten

Anfangs profitierte die deutsche Otto-Normal-Verbraucherin kaum von der neuen Technologie. "Zunächst gab es die Geräte fast nur in Restaurants und Bistros", sagt Portmann. Erst 1960 mit Erfindung des Vollautomaten - er hatte schon die charakteristische Klappe und die Knöpfe - tauchten die Maschinen in immer mehr Privathaushalten auf. Das war in den Wirtschaftswunder-Jahren. Das Fernsehen zeigte dazu verwegene Werbespots: In einem schob der Experte eine komplette Buttercreme-Torte auf einem Teller ins Gerät. Wie durch ein Wunder war der Kuchenteller danach blitzeblank, die Torte verschwunden.

Heute steht in Deutschland nach Branchenzahlen in gut 70 Prozent aller Haushalte eine Spülmaschine. Moderne High-Tech-Geräte haben - je nach Nationalgericht - sogar Programme für Paella-, Pasta- oder Raclette-Reste. Mit ihren feinen Sensoren tasten sie das Geschirr ab und passen ihre Wassertemperatur dem Verschmutzungsgrad an.

Neben dem Streit um das korrekte Einräumen gibt es auch die ewige Debatte darum, ob die Spülmaschine oder der herkömmliche Handabwasch umweltfreundlicher ist. "Geschirrspüler von heute sind eindeutig sparsamer - Wasser- und Stromverbrauch zusammen genommen. Selbst wenn man die Energie für die Herstellung mit einrechnet", sagt Andreas Beier, Umweltberater in der Verbraucherzentrale Bayern. "Da müsste man schon sehr bewusst per Hand abwaschen, nur wenig Wasser einlassen und wenig Spülmittel benutzen, um kaum nachspülen zu müssen." In den vergangenen 20 Jahren hätten die Geschirrspüler ihren Wasserverbrauch um 70 Prozent reduziert, den Stromverbrauch zur Hälfte. Seit etwa zwölf bis 15 Jahren seien sie im Vergleich zum Handabwasch günstiger.

Und der Experte weist auf einen zweiten Vorzug der Geschirrspüler hin: Den Zeitgewinn. "Man sagt, dass einen Spülen per Hand inklusive abtrocknen und Geschirr wegstellen etwa eine Stunde kostet. Für das Ein- und Ausräumen einer Spülmaschine benötigt man etwa 15 Minuten."

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
Eisenbaer (15.07.2009, 20:09 Uhr)
Wo wir schon einmal dabei sind....
Wo steht eigentlich geschrieben, dass man sein Spülgut mit heißem Wasser spülen muss? Den Hinweis habe ich bis jetzt noch auf keiner Flasche mit "Spüli" gefunden. Mit dem "Abkochen" zum Abtöten von Bakterien kann es wohl auch nicht zusammen hängen, dazu sind die Temperaturen viel zu gering. Ich nehme an, dass sich die früher benutzte Seife besser in heißem Wasser auflöste, als in kaltem, was an dem Zusatz tierischer Fette gelegen haben mag. Heutzutage kann es sich dabei in meinen Augen nur um einen Fall von "das haben wir schon immer so gemacht"-Routine handeln. Allenfalls um einen Ritus, als Äquivalent unserer Gesellschaft gegenüber asiatischen Feuerläufern oder ähnlichem... ;-))
Shalize (14.07.2009, 13:09 Uhr)
Daß Geschirrspüler sparsamer sind...
stimmt vllt für Großfamilien (das sind für mich Familien mit mehr als einem Kind).
An anderer Stelle schrieb eine 5-köpfige Familie, die den Wasser- und Stromverbrauch minutiös portokolliert hat (einmal mit, einmal ohne Geschirrspüler) von einer Einsparung von 44 kwh und 78 L Wasser - pro Monat - auf 5 Personen!
Runtergerechnet auf unseren 2-Personen-Haushalt, wo vllt 3 mal die Woche gekocht wird, wären das vielleicht 30 kwh und 50 L Wasser.
Umgerechnet also 6 Euro für Strom (wobei wir jetzt das Wasser nichtmal mit Strom erhitzen, die Beispielfamilie hatte einen Durchlauferhitzer) und 12 ct für das Wasser (Verbrauchspreis 2,50 für 1000 L laut aktueller Preisliste).
Sind wir also bei 6,12. Da "rechnet" sich so eine Maschine nach vllt 3 Jahren.
Hinzu kommt, daß beim Einsatz der Maschine 2 mal die Woche die Sachen extrem antrocknen und dann eh eingeweicht werden müssen. Und schon stimmt die Wasserrechnung nicht mehr. Schließlich kann man dreckiges Geschirr nicht benutzen, so daß eine Extrageschirrgarnitur angeschafft werden müßte. Sowie das Doppelte an Kochgeschirr.
Und schließlich und endlich fehlt in dieser Rechnung auch noch die Herstellung, der Transport und die Entsorgung von Geschirrspülern, die ökologisch sicher auch noch mit mehreren tausend Litern Wasser und tausenden kwh einhergehen.
Und was die Zeit betrifft: frisch benutztes Geschirr kann man sehr schnell abwaschen: an Weihnachten für 10 Personen habe ich 15 Minuten gebraucht - mit Abtrocknen. Kann das ein Geschirrspüler auch?
Daß sich Geschirrspüler in irgendeiner Form für Singles und Paare lohnen, ist meiner Ansicht nach Quatsch und die entsprechenden "Studien" werden eh von Geschirrspülmaschinenherstellern bezahlt.
Eisenbaer (13.07.2009, 18:45 Uhr)
Kommt aber auch....
...auf die Haushaltsgröße an. Für einen kleinen Haushalt lohnt es sich kaum nach jeder Mahlzeit das Geschirr von der Maschine waschen zu lassen. Da ist man/frau mit der Hand bedeutend schneller. Und wann brauche ich eigentlich das Geschirrspülmittel? Doch nur bei Fettflecken oder groben Verunreinigungen. Ein paar Krümel lassen sich auch abbürsten, geringe Mengen an Verschmutzung auch mit dosiertem Einsatz von Wasser und Spüli entfernen. Es muss auch nicht immer das Spülbecken voll sein. Meist reicht ein kleiner Topf mit ein, zwei Litern Wasser aus. Und sonntags kann man sein Spülgut gleich im Bratentopf spülen...

Geiz ist geil!!
CafeGrande (13.07.2009, 17:57 Uhr)
Vorsicht ...
*Scherzmodus an*
Wie repariert man einen Geschirrspüler?
Man tritt ihr (ihm) in den Hintern. :)
*Scherzmodus aus*
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