Mehr Wumms, mehr Gefahr

29. Dezember 2011, 13:55 Uhr

Aufgrund einer EU-Regelung darf in Deutschland erstmals Feuerwerk verkauft werden, das mehr als doppelt so viel Explosivmasse enthält wie früher. Experten sind in Sorge. Von Ralf Sander

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Silvester in Deutschland wird in diesem Jahr lauter und greller als je zuvor. Und gefährlicher. In den vergangenen Jahren waren es vor allem aus dem Ausland illegal eingeführte Böller und Raketen, die Pyrotechnik-Experten und der Feuerwehr Sorgen bereiteten. Doch 2011 ist es auch ganz legales Feuerwerk, vor dem Brandbekämpfer und Rettungsdienste gehörigen Respekt haben. Denn von Donnerstag bis Samstag wird erstmals Feuerwerk mit einer Sprengkraft verkauft, wie sie bisher in Deutschland noch nie an Privatpersonen abgegeben wurde.

Aufgrund der EU-Richtlinie 2007/23/EG darf die Netto-Menge an Explosivstoff statt wie bisher 200 Gramm nun bis zu 500 Gramm betragen. Eine Verdopplung der Feuerkraft also. Die neue Regelung, die bereits 2007 verabschiedet wurde, ist seit Mitte 2010 in Kraft. Die schweren Geschütze dürfen aber erst in diesem Jahr in Deutschland verkauft werden, weil sie vorher von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) auf ihre Sicherheit gecheckt werden mussten. Denn ohne BAM-Prüfsiegel darf kein Feuerwerkskörper in Deutschland verkauft werden. Übrigens ist es auch verboten, ungeprüftes Knallzeug zu zünden. Wer erwischt wird, dem drohen Geldstrafen.

Pyrotechnik, Feuerwerk, Knaller, Silvester, Jahreswechsel

Auch der deutsche Hersteller Weco bietet riesige Raketenbatterien an©

Trotz des Sicherheitschecks durch das BAM rechnet die Feuerwehr mit Problemen. "Die neuen Bestimmungen erfüllen uns mit großer Sorge", sagt Berlins oberster Branddirektor Wilfried Gräfling dem "Spiegel", "wir erwarten mehr Brände und Verletzte." Denn die größeren Mengen an Explosivmasse befeuern den schon seit Jahren anhaltenden Trend zu Verbundfeuerwerken und Raketenbatterien. Mit einer Lunte lassen sich einige Kilo schwere Pakete anzünden, die mehrere Minuten lang Budenzauber veranstalten. "Bequemlichkeit setzt sich durch. Die Leute haben keine Lust, 100 Mal zu zünden", sagt Marco Finessi vom Berliner Feuerwerkslieferanten Pyro-Partner der Nachrichtenagentur DPA. Diesen Luxus lassen sich die Deutschen offenbar auch einiges kosten. Der Verband der pyrotechnischen Industrie rechnet wie beim vorigen Jahreswechsel ungefähr mit 113 Millionen Euro Umsatz. Die neuen Dauerfeuer-Pakete gehen ordentlich ins Geld: Für Großbatterien wie "Night Attack" (138 Schuss) von Nico oder "CBP XXL 500 Fire Combat" (144 Schuss) von Weco werden 90 bis 130 Euro fällig.

Brennt so eine Fächerbatterie erst einmal, ist sie nicht mehr zu stoppen. Was Experten zusätzlich Kopfschmerzen bereitet: Erstmals dürfen die Raketenpakete ihre Flugkörper nicht nur senkrecht in die Luft schießen, sondern mit einem Winkel von bis zu 30 Grad von der Senkrechten abweichen. Deutsche Hersteller beschränken sich auf 15 Grad Abweichung, aber dennoch dürfen diese Fächerbatterien nur auf freiem Feld gezündet werden. Die Frage ist nur, ob sich jeder daran hält. Denn wer liest kurz vor Mitternacht schon die Gebrauchsanweisung? Außerdem erhöht Alkohol nicht nur beim Autofahren die Risikobereitschaft, sondern auch beim Umgang mit Feuerwerk. Und das, was einem in diesem Jahr um die Ohren fliegen kann, hat viel mehr Kraft als je zuvor.

Beachten Sie auch unsere Tipps für den sicheren Umgang mit Feuerwerk!

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