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AUS DEM STERN 29/2001: Amtliche Abzocke

Mit zusätzlichem Elektronik-Check für alle und verstärkter Kontrolle von älteren Autos wollen TÜV und DEKRA künftig mehr Kasse machen.

Mit Zahlen stehen die TÜV-Techniker offenbar auf Kriegsfuß. Während die Münchner Mannen vom TÜV Süddeutschland behaupten, zehn Prozent aller deutschen Autos kurvten mit erheblichen Mängeln herum, beziffern die Ober-TÜVler vom Verband der Technischen Überwachungsvereine in Berlin die rollenden Risiken auf 15 Prozent. Die unterschiedliche Zählweise an Isar und Spree macht unterm Strich jährlich rund zwei Millionen marode oder gar gefährliche Autos mehr oder weniger.

Ältere Autos jährlich checken?

Trotz dieses Widerspruchs - einig sind sich alle TÜVs, kürzere Prüfintervalle zu fordern. Ältere Autos sollen bald nicht mehr nur alle zwei Jahre, sondern jährlich zur Sicherheitskontrolle, amtlich Fahrzeug-Hauptuntersuchung genannt. Kontrolleurs-Kollegen der Dekra empfehlen in seltener Eintracht ebenfalls häufigere Macken-Fahndung. Begründung: Gut 20 Prozent aller Autos, die Älter als sieben Jahre sind, erhalten wegen »erheblicher Mängel« (dazu kann auch eine defekte Beleuchtung zählen) keine Plakette und müssen erst in die Werkstatt, weil »sie ein beträchtliches Risiko für die Verkehrssicherheit« sind. Klingt dramatisch und gefährlich.

Deutlich cooler sieht's dagegen Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig. Er ließ das Fachblatt »Auto/Straßenverkehr« wissen, dass ältere Autos »bei Unfällen keine herausragende Rolle« spielen. Da könnte was dran sein. Denn häufigste Mängelursache bei den kontrollierten Karossen sind keineswegs vom Rost zernagte Bleche oder abfallende Räder, sondern Ölverlust an Motor und Getriebe. Nicht schön für die Umwelt, aber deswegen allein ist noch kein Auto von der Fahrbahn gekommen.

Mindestens so bedenklich wie die Mängelquote bei betagten Karossen sind die Fehler bei neuwertigen Fahrzeugen. Bereits knapp fünf Prozent der Dreijährigen müssen mit »erheblichen Mängeln« ohne Plakette wieder weggeschickt werden. Neben Ölverlust bemängeln die Prüfer auffallend häufig die Bremsen von neuen Autos.

Motiv für eine verstärkte Altwagen-kontrolle, so vermutet der ADAC, ist eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme. Derzeit kassiert der TÜV mit dem Check von knapp sieben Millionen Personenwagen jährlich rund 540 Millionen Mark. Kommen etwa drei Millionen Oldtimer hinzu, steigt der Umsatz um weitere 230 Millionen Mark. Zusätzlich droht eine deftige Preiserhöhung von derzeit 77 auf 100 Mark je Prüfung. Damit wäre der TÜV Gebühren-Milliardär allein durch die Auto-Untersuchungen.

Alibi dafür soll auch die zweite Idee von TÜV und Dekra sein, künftig bei allen Autos die Elektronik von ABS, ESP oder Airbags zu checken. Kurzkommentar von ADAC-Sprecher Maximilian Maurer: »A Schmarrn.« Diese Systeme haben alle eine Kontrollleuchte gut sichtbar im Cockpit. Maurer spöttisch: »Vielleicht wollen die nur die Lampe prüfen.«

Begleitschutz von ganz oben

TÜV und Dekra wollen sogar noch mehr, nämlich auch Treibsatz und Luftsack des Rettungssystems regelmäßig untersuchen. Damit diese Idee nicht gleich als Abzocke verdächtig wird, gibt es Begleitschutz von ganz oben: ein EU-Programm, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe und ein Forschungsauftrag an die TH Aachen. Dort tüfteln Ingenieure an einem Verfahren, den Airbag, ohne ihn ausbauen oder auslösen zu müssen, auf seine Zuverlässigkeit zu testen. Anlass für den Bürokraten-Kraftakt sind bislang allein Airbag-Störfälle, die ein Autovermieter in England festgestellt haben will.

Inzwischen dämpft der Bundesverkehrsminister die Aufregung. Zum einen werde frühestens in fünf Jahren über die neue Auto-Untersuchung entschieden. Zum anderen müsse sie nicht unbedingt mit einer Gebührenerhöhung verbunden sein, weil alte Prüfposten, etwa Durchrostungskontrollen, wegfallen könnten.

Die Entscheidung könnte schon jetzt fallen. Denn: »Die Haltbarkeit unserer Autos wird von Jahr zu Jahr besser.« Der Satz steht im »Auto Report 2001« des TÜV. Der muss es ja wissen.

Von Peter Weyer

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.