AUTO Kleinwagen-Nachwuchs im Doppelpack

Fast zeitgleich haben sich VW Polo und der Ford Fiesta eine neue Hülle zugelegt. VW, um dem Klassenprimus die Mitbewerber vom Hals zu halten und Ford, um eben diesem Polo den Platz an der Sonne streitig zu machen.

Fast zeitgleich haben sich der VW Polo und der Ford Fiesta eine neue Hülle zugelegt. VW, um dem Klassenprimus Polo die immer ausgefeilter werdenden Mitbewerber vom Hals zu halten und Ford, um eben diesem Polo den Platz an der Sonne streitig zu machen. Doch während der Fiesta inzwischen die Kleinwagen-Wertung für sich entscheidet, hat sich der Polo durch seinen letzten Evolutionsschritt endgültig in eine andere Liga verabschiedet.

Polos neue Klasse

Passend zum äußeren Wachstum (der neue Polo ist mit einer Gesamtlänge von 3,9 Metern gut 15 Zentimeter länger als sein Vorgänger) wird der Wolfsburger Wurf auch nicht mehr in die Kleinwagen-Sparte einsortiert. Der Polo soll die Polo-Klasse prägen. Und die liegt eben deutlich über den Kleinwagen, ganz knapp unter der Golf.

Konsequente Weiterentwicklung

Aufgesetzte Schnörkel bietet der nicht mehr ganz so kleine Wolfsburger freilich kaum. Vielmehr ist es die Mischung aus konsequenter Weiterentwicklung bekannter Qualitäten und dezenten Design-Fortschritten, die den »Neuen« so erfolgreich machen werden. »Es war klar, dass der Polo erwachsener, gewichtiger werden musste«, gab VW-Chefdesigner seinem jüngsten Werk mit auf den Weg.

Erwachsener

Ähnlich wie beim neuen Fiat Stilo, unterscheiden sich auch beim Polo die zwei- und viertürigen Versionen deutlich voneinander. Während sich der Zweitürer große Mühe gibt, wie ein schnittiges Coupé zu wirken, sieht der Viertürer, dank drittem Seitenfenster in der C-Säule, deutlich erwachsener aus. Die steile Heckpartie erbte die vierte Polo-Generation vom Vorgänger. Mit Ausfallerscheinungen rostiger Natur müssen sich Polo-Fahrer wohl kaum herumärgern: Die vollverzinkte Karosserie bietet 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung.

Innere Werte

Während Kritiker die äußeren Polo-Proportionen noch als mutierten Lupo abschätzig beurteilen könnten, bietet der Innenraum des neuen Wolfsburgers echte Star-Qualitäten. Hochwertigste Materialien von denen Fahrer von Konkurrenz-Modellen nur neidvoll träumen können und ein beeindruckendes Raumgefühl fallen schon beim Einstieg sofort ins Auge. Ferner spendierte Volkswagen dem Polo einige Spielereien, auf deren Genuss viele Golf-Fahrer verzichten müssen. Je nach Ausstattungsvariante warten gleich 16 Staufächer im vorderen Cockpitbereich auf Krimskrams, die Hauptinstrumente sind mit schickem Chrom eingefasst und das Lenkrad lässt sich bei allen Modellen horizontal und vertikal verschieben. Dafür sucht man geeignete Dosen- oder Flaschenhalter vergebens.

Sicheres Paket

In Sachen Sicherheit macht VW keine Experimente. Zur Premiere sind vier Airbags serienmäßig, später sollen auch noch Luftsäcke im Kopfbereich das Paket komplettieren. Neu bei dieser Autogröße sind auch die optional erhältlichen, integrierten Kindersitze im Fond. Auch wer auf deren Einbau verzichten wird seinen Nachwuchs angemessen »verstauen« können: ISOFIX-Befestigungspunkte für Kindersitze sind serienmäßig vorhanden.

Sieben Motoren zur Wahl

Zum Start bekommt der Polo gleich zwei neue Motoren verpasst. Neben einem Vierzylinder mit 75 PS (55 kW) tut auf Wunsch auch ein sparsamer Dreizylinder mit 55 PS (40kW) seinen Dienst. Hinzu kommt noch ein weitere Dreizylinder, zwei Turbodiesel-Direkteinspritzer, ein einfacher Diesel-Direkteinspritzer sowie eine kräftiger Benziner, der als Spitzenmotorisierung 100 PS (74 kW) an die Vorderachse ausliefert.

Interessante Preispolitik

Die für Mitbewerber härteste Nuss haben die VW-Strategen im Preis versteckt. So gibt es den Einstiegs-Polo als Benziner mit 55 PS schon für knapp 22 000 Mark (11 225 Euro). Der günstigste Diesel ist für knapp 26 000 Mark auch fast schon ein Schnäppchen. Allesamt haben die Einstiegs-Polos den Vorteil, günstiger als ihre Vorgänger zu sein.

Fords flotter Fiesta

Nicht ganz eine neue Klasse, dafür aber eine neue Bestmarke in Sachen Kleinwagen hat Ford mit dem neuen Fiesta auf vier Räder gestellt. Wo noch beim Vorgänger-Ford biedere Formen und müder Plastik-Look dominierten, blinzeln jetzt wache Klarglasaugen und gefällige Focus-Proportionen in die Gegend. Über vier Zentimeter mehr Beinfreiheit spendierte Ford-Chefdesigner Chris Bird seinem jüngsten Wurf. So passen jetzt auch handelsübliche Kinderwagen zusammengeklappt in den Kofferraum. Alles in allem orientiert sich der Fiesta deutlich am Focus - Aber eben ohne gleich kein Kleinwagen mehr sein zu wollen.

Kesses Design

Eine kess geformte Motorhaube, eingefasst von großen Scheinwerfern und der bogenförmige Kühlergrill fügen sich perfekt ins aktuelle Ford-Design, ohne in der Masse der Kleinwagen unter zu gehen. Hinzu kommt noch eine, bereits in der Basisausführung wuchtige Frontlippe, die das bisher biedere Image endgültig in Richtung sportlich trimmen soll. »Das Design des neuen Fiesta greift die wichtigsten gestalterischen Grundelemente der erfolgreichen Modelle Ford Focus und Ford Fiesta auf«, erklärt Chefdesigner Chris Bird das optische Konzept hinter dem Fiesta.

Beginn einer Kleinwagen-Offensive

Der Fiesta hat vier Türen. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Denn bis die Kölner ihrem Jüngsten auch eine zweitürige Version genehmigen werden, kommt vorher noch ein Mini-Van auf Fiesta-Basis auf den Markt. Diese Modellpolitik ist nur im Zusammenhang mit einer ganzen Flotte von neuen Kleinwagen zu verstehen, die Ford in der Hinterhand hat. Neben Fiesta und Fiesta-Van (Auf der IAA in Ansätzen schon als Ford Fiesta Fusion zu sehen), sind noch ein zweitüriger Mini-Fiesta als Ersatz für den alternden Ka sowie ein Mini-Roadster angedacht.

Schicker Innenraum

Auch bei Ford hat man seit dem Mondeo die Notwendigkeit eines hochwertigen Innenraumes erkannt. Mit der nötigen Vorsicht haben die Ford-Designer einen pfiffigen, aber dennoch hochwertigen Armaturenträger geschaffen. Keine Spur mehr von den New-Edge-Kluften vergangener Tage. Die großen, runden Lüftungsdüsen sind chromfarben eingefasst, frische Farben lassen den ganzen Innenraum jugendlicher wirken. Uneingeschränkte Sicht nach hinten gewähren die neuen, vollständig versenkbaren Kopfstützen der Rückbank. Davon gibt es gleich drei serienmäßig. Anders als beim Polo fehlt es nicht an geeigneten Getränkehaltern.

Intelligent Protection System

Der aktiven, wie auch passiven Sicherheit widmeten die Ford-Designer besondere Aufmerksamkeit. Gleich zum Start bekommt der Fiesta vier Airbags, auf Wunsch können auch noch Kopf-Schulter-Airbags bestellt werden. »Intelligent Protection System« (IPS) heißt das Gesamtpaket, das im Fiesta zum Einsatz kommt und auch schon dem Mondeo ausgezeichnete Sicherheitsreserven verschaffte.

Fünf Motoren zum Start

Anders als der Polo hat der Fiesta zu Start nur eine Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 68 PS (50 kW) zur Verfügung. Hinzu kommen zwei kleine Vierzylinder mit 58 beziehungsweise 68 PS sowie ein 80 PS (58 kW) starker Vierzylinder. Die Spitzenmotorisierung bildet ein 1,6 Liter Duratec-Vierzylinder, der 100 PS (74 kW) Leistung zur Verfügung stellt.

Die Preisgestaltung hat Ford noch nicht offiziell bekannt gegeben. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass der deutlich erwachsenere Fiesta ausstattungsbereinigt ebenfalls günstiger sein wird, als sein Vorgänger.

Von Jochen Knecht


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