AUTO Langer Lulatsch mit Rauchverbot


Für die einen sind sie ein Traum auf vier Rädern, für die anderen der Inbegriff der Dekadenz: Amerikanische Stretchlimousinen.

Für die einen sind sie ein Traum auf vier Rädern, für die anderen der Inbegriff der Dekadenz: Amerikanische Stretchlimousinen. Die Superschlitten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten erleben nach ihrer Karriere Amerika jetzt auch einen Boom in Deutschland. Die wenigen Autovermieter, die solch einen »langen Lulatsch« im Fuhrpark haben, können sich derzeit kaum vor Aufträgen retten. Anlass für die mondäne Fahrt mit Chauffeur ist oftmals nicht mehr wie einst die Hochzeit - sondern schlicht die reine Lust am Luxus. Die Zahl der Nobelkarossen nehme immer mehr zu, sagt Klaus Langemann-Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Autovermieter in Düsseldorf. »Auffallen um jeden Preis heißt das Motto«, erklärt Psychoanalytiker Micha Hilgers aus Aachen. Auch wenn es nur für wenige Stunden ist.

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Knapp neun Meter lang

»Wir fahren junge Leute zum Brunch, in Discos oder auf Kneipentouren«, sagt Volker Meerkamp, Chef einer Kölner Autovermietung, »sogar ein Kindergeburtstag war schon dabei«. Früher seien bei ihm viele Oldtimer gemietet worden, heute sind es meist die bis zu knapp neun Meter lange Stretchlimousinen. Ledercouchs, Videorekorder, HiFi-Anlage und Minibar gehören in den langen Autos zur selbstverständlichen Ausstattung. Den starken Zuwachs kennt auch Robert Peil aus seiner Vermietungsfirma in Hennef bei Bonn: »Vor vier Jahren hatten wir hier noch überhaupt keine Stretchlimousinen, heute stehen drei Stück in unserer Garage.«

Alles, außer Rauchen

Für die etwas intimeren Fahrten kann per Knopfdruck der Chauffeur hinter einer ausfahrbaren Wand verschwinden, so dass die bis zu acht Fahrgäste ihre Ruhe haben. »Knutschereien und mehr - in den Autos darf man alles - außer rauchen«, sagt Volker Meerkamp, und nicht selten sei diese Freiheit auch Anlass der Fahrt. Die Mietpreise der Limousinen schwanken je nach Größe, Ausstattung und Vermieter zwischen 200 und 500 Mark pro Stunde. Die meisten jüngeren Kunden wollten meist erst ein wenig durchs Nachtleben kutschiert werden und dann vor einer Disco aussteigen.

Selbstwertgefühl

Warum die Stretchlimousinen bei immer mehr jungen Leuten so beliebt sind, erklärt Psychoanalytiker Hilgers mit dem Willen zur Selbstdarstellung. Die Fahrt in einer der etwa 200 000 Mark teuren amerikanischen Karossen »dient nicht der Beförderung von A nach B, sondern der Beförderung des Selbstwertgefühls« - zumal wenn der Chauffeur bei Ankunft mit weißen Handschuhen die Tür öffnet und den roten Teppich ausrollt. Und einmal »den Chef rechts überholen«, so Hilgers, kann man in einer Stretchlimousine natürlich am Besten.

Peinlichkeiten erlebt dabei jeder Chauffeur mal. Volker Meerkamp fuhr im vergangenen Monat eine Gruppe Fußballfans durch die Stadt, die dann alle ihre nackten Hintern aus dem Fenster streckten. »Da hätte ich am liebsten die Nummernschilder abgeschraubt.«


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