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Cadillac Cabriolet XLR: Kantiger Yankee

Piazza della Repubblica im Zentrum von Florenz. Eine Querstraße von der Ponte Vecchio entfernt. Das Verdeck des neuen Cadillac ist offen, die Ampel seit ein paar Sekunden rot, eine Vespa tuckert von links heran.

Sonne. 20 Grad. Nur ein paar Schleierwolken. Piazza della Repubblica im Zentrum von Florenz. Eine Querstraße von der Ponte Vecchio entfernt. Das Verdeck des neuen Cadillac ist offen, die Ampel seit ein paar Sekunden rot, eine Vespa tuckert von links heran. Neben mir bleibt sie stehen. Betont lässig klappt der lockige Fahrer - Anfang 30, rehbraune Augen, Brille, viel Gel - seinen Ellbogen aus, lehnt sich an den Wagen und gurrt los: "Vuoi mangiare con me sta sera una pizza?" Ich kann kein Italienisch. Der Typ versucht?s auf Englisch: "You want to eat a pizza with me?" Die Ampel schaltet auf Grün.

Nächster Stopp 100 Meter weiter, wieder rot. Wieder die Vespa. "Tonight" - heute Abend? Zur nächsten Ampel. Der Typ gibt nicht auf. "I like your car. I pay the pizza and I can drive?" Aha, er will "ne Pizza zahlen, dafür aber den Cadi fahren. Böses Foul. Bei Grün brause ich davon.

Das ist es also. Mit diesem Cabrio will Cadillac Europa erobern. Sein Name: XLR. Wofür das steht? LR für "Luxury Roadster". Und das X? "Da muss ich nachfragen", sagt Patrick G. Walsh, Internationaler Produktmanager bei Cadillac. Antwort bekomme ich keine. Der XLR ist ein typisch amerikanisches Auto. Breit, von der Seite schnittig, von vorne protzig: ein gigantischer silberner Kühlergrill, glänzende Alufelgen, riesige Scheinwerfer und vier dicke Auspuffrohre. Viele Extras inklusive: Navigationssystem, automatischer Abstandshalter mit Radarkontrolle - und für subtropische Sommer ein Sitz mit integriertem Kühlaggregat.

Beim XLR funktioniert viel auf Knopfdruck. Ein kurzer Drücker auf die Fernbedienung (entworfen von einem italienischen Designer), und die Tür des roten Flitzers ist offen. Ich plumpse in den Ledersitz. Ziemlich tief, ziemlich eng. Und ziemlich nah an den Pedalen. Also Sitz nach hinten schieben. Das Auto ist zwar 4,51 Meter lang, doch der Sitz bereits am Anschlag. Was Leute machen, die größer sind als 1,80 Meter, bleibt unklar. Verdeck zu? Einmal drücken - 29 Sekunden später ist es geschlossen. Kofferraum auf? Drücken - aber in den passt jetzt nur noch eine Handtasche. Das Metallklappdach raubt leider den größten Teil der Fläche.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Beim Fahren

rund um Florenz wird's an einem Punkt kritisch. Nach der Vorgabe des Navigationssystems müsste alles paletti sein. Davor, dass ausgerechnet an einer steilen Stelle rechts und links nur noch je knapp ein Zentimeter Platz bis zur schroffen Mauer ist, hat es aber nicht gewarnt. Für den Ami mit 1,83 Meter Breite wird es sehr eng. Zurück geht es auch nicht mehr. Hinter mir hupt es ungeduldig aus drei Autos. Ein Stück zurück, gegenlenken, bremsen, vorwärts. Nach drei Minuten ist der Wagen frei - ohne Kratzer.

Über Landstraßen retour in die Innenstadt. Der V8-Motor mit 320 PS schnurrt angenehm, das Fahrwerk bügelt die Straßen zwar glatt, ist aber zu weich. Beim Bremsen oder Beschleunigen tauchen Bug oder Heck stark ein. In Florenz wieder Stress. Vor mir die Marmorfassade des Doms, hinter mir Hupen. Stau in der Via Roma. Dort, wo eigentlich zwei Spuren sind, stehen Autos in Viererreihen. Nichts für schwache Nerven. Schlimmer noch ist die Parkplatzsuche. Nirgendwo eine passende Lücke. Überall, wo ich es versuche, piept die elektronische Parkhilfe wie wild. Zu eng. Keine Chance auf Dolce Vita und Cappuccino auf der Piazza San Giovanni. Stattdessen Rückfahrt ins Hotel. So komme ich auch nicht in Versuchung, etwas zu kaufen. Stimmt: Im Kofferraum war ja ohnehin kein Platz für eine Designer-Einkaufstüte.

Alexandra Kraft

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