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Filmfestival in Cannes Goldene Palme für Horrorfilm "Titane" – Auszeichnung startet mit großer Panne

Julia Ducournau Cannes Spike Lee
Regisseurin Julia Ducournau bedankt sich bei Spike Lee, Regisseur und Jury-Präsident der 74. Filmfestivals in Cannes
© Christophe Simon / AFP
Es ist der Triumph eines wilden und bizarren Werks: Der Film "Titane" der Französin Julia Ducournau wird mit der höchsten Auszeichnung des Filmfestivals in Cannes geehrt. Regisseur Spike Lee hatte gleich zu Beginn die Abläufe ordentlich durcheinandergewirbelt. 

Der Horrorfilm "Titane" der Französin Julia Ducournau hat die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes gewonnen. Diese Auszeichnung gab Jury-Präsident Spike Lee am Samstagabend versehentlich gleich zu Beginn der Abschlusszeremonie bekannt. Es war erst das zweite Mal in der Geschichte des Festivals, dass der Film einer Regisseurin mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde – nach "Das Piano" der Neuseeländerin Jane Campion im Jahr 1993.

"Titane" war der gewalttätigste und wildeste Film des Wettbewerbs – und wurde von Kritikern alles andere als hochgelobt. Er erzählt die Fantasy-Geschichte einer jungen Frau, die sich nicht an Normen halten will, Sex mit Autos hat, hemmungslos tötet und vorgibt, männlich zu sein, obwohl sie von einem alten Cadillac schwanger ist.

"Der Abend war perfekt, weil er unperfekt war"

Als die Moderatorin der Abschlussgala Spike Lee am Samstagabend fragte, welches denn der erste Preis sei, der verkündet werden solle, antwortete der US-Amerikaner: "Der Film, der die Goldene Palme gewonnen hat, ist 'Titane'" – und die anderen Jurymitglieder zuckten sichtbar zusammen.

Viele fragten sich aber: Hatte der 64-Jährige damit schon den Hauptpreis bekannt gegeben? Das hatte er. Das wurde allerdings erst klar, als später am Abend wirklich die Goldene Palme vergeben wurde: an "Titane" der Französin Julia Ducournau. Spike Lee entschuldigte sich: Er sei "derjenige, der das Tor verfehlt" habe.

Ducournau dankte der Jury dafür, dass sie "zu mehr Vielfalt in unseren Erfahrungen im Film und in unseren Leben aufruft". Die 37-Jährige fügte hinzu: "Der Abend war perfekt, weil er unperfekt war". Sie fügte an die Jury gerichtet hinzu, "Danke, dass ihr die Monster reingelassen habt". 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte der Preisträgerin auf Twitter. Der Preis zeichne den Wagemut und die Einzigartigkeit des französischen Kinos aus.

Der Preis für den besten männlichen Darsteller ging an den 31-jährigen US-Schauspieler Caleb Landry Jones für seine erschütternde Darstellung eines jungen Mannes mit Borderlinesyndrom in "Nitram", der ein grausiges Verbrechen verübt. Der Film dreht sich um das schlimmste Massaker in der Geschichte Australiens. Dass Regisseur Justin Kurzel das Schusswaffenmassaker in Port Arthur von 1966 mit 35 Toten zu einem Film verarbeitete, hatte in Australien für scharfe Kritik gesorgt.

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Als beste weibliche Darstellerin wurde die 33-jährige Norwegerin Renate Reinsve für ihre Rolle in "The Worst Person in the World" des norwegischen Regisseurs Joachim Trier ausgezeichnet. In dem Film verkörpert die bis dato weitgehend unbekannte Schauspielerin eine junge Frau, die auf der Suche nach ihrer Identität durch ihr Leben und ihre Liebschaften schwankt.

Goldene Ehrenpalme für Jodie Foster

Der Große Preis der Jury ging in diesem Jahr gleich an zwei Filme: an "Hytti NRO 6" ("Compartment No.6") des Finnen Juho Kuosmanen und "A Hero" des Iraners Asghar Farhadi. Der Preis für die beste Regie ging an den Franzosen Leos Carax für das Musical "Annette". Für das beste Drehbuch wurden die Japaner Hamaguchi Ryusuke und Takamasa Oe für "Drive My Car" ausgezeichnet. Der Film, bei dem Hamaguchi Ryusuke die Regie führte, hatte bei vielen Kritikern als Favorit gegolten.

Mit der Goldenen Ehrenpalme war bereits zu Beginn des Festivals die zweifache Oscar-Gewinnerin Jodie Foster aus den USA geehrt worden. Eine Goldene Ehrenpalme für sein einzigartiges Schaffen erhielt zum Abschluss des Festivals auch der 81-jährige italienische Filmemacher Marco Bellocchio. 

In diesem Jahr hatten 24 Filme an der Côte d'Azur im Wettbewerb gestanden, bei vier von ihnen führten Frauen Regie. Die Festspiele fanden unter Corona-Auflagen statt, nachdem sie im vergangenen Jahr hatten ausfallen müssen. Zuletzt hatte 2019 der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho die Goldene Palme für "Parasite" erhalten.

ikr AFP

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