HOME

Energiesparreifen: Mit beschränkter Haftung

Die EU will Energiesparreifen vorschreiben. Viele Experten sind skeptisch. Denn diese Leichtlaufprodukte sollen zu längeren Bremswegen führen.

Von Dirk Vincken, Peter Weyer

Es hört sich erst mal an wie eine gute Idee. Die Europäische Union plant, Energiesparreifen als Standardausrüstung für Autos vorzuschreiben. Derzeit berät man in Brüssel schon eifrig über Details der künftigen Verbrauchssenker. "Doch diese Reifen", wettert Burkhard Wies, "können zum Sicherheitsrisiko werden." Der promovierte Physiker weiß, wovon er spricht: Er ist Leiter der Reifenentwicklung bei Continental. Grund für die Besorgnis: Einige Ökogummis, die schon jetzt in den Läden stehen, sind beim Bremsen ziemliche Versager, besonders bei Nässe.

Tests beim ADAC brachten böse Überraschungen. Aus Tempo 100 auf nasser Piste brauchte das Testauto mit Energiesparreifen bis zu acht Meter mehr Bremsweg als mit Pneus, die bestmögliche Nässehaftung bieten. In der Praxis bedeutet das ein gewaltiges Risiko. Während der normale Reifen mit guter Griffigkeit bereits sicher steht, rauscht der Sparpneu mit Tempo 35 weiter. Martin Rempfer, Leiter Fahrzeugtest im ADAC-Technikzentrum, sagt: "Für einen geringeren Rollwiderstand nimmt der Verbraucher eindeutig Abstriche beim Nassgriff und damit bei der Sicherheit in Kauf."

Fachleute sind sich nicht einig

Zur Aufklärung und Warnung des Autofahrers werden die EU-Bürokraten deshalb dafür sorgen, dass beim Reifenverkauf nicht nur auf den Spareffekt, sondern auch auf den Bremsweg hingewiesen wird. Die Rede ist von sieben Spritsparklassen. Ähnlich wie bei Kühlschränken sollen ab 2012 Buchstaben an der Reifenflanke anzeigen, ob der Pneu ein guter Stopper oder ein Sparer ist. Oder von beidem etwas - und dann jeweils nur mittelmäßig. Ohne diesen Zusatz, so ADAC-Ingenieur Rempfer, "wird der Kompromiss nicht deutlich und der Verbraucher fehlgeleitet". Fritz Katzensteiner vom Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie setzt noch eins drauf: "Andernfalls wird dem Autofahrer suggeriert, dass mit einem niedrigen Rollwiderstand keine Nachteile verbunden sind."

Zudem, sagen Experten wie Conti-Mann Burkhard Wies, werde der Nutzen von Ökoreifen überschätzt. Mehr als drei Prozent Minderverbrauch sind in der Regel kaum drin. Wesentlich billiger und wirkungsvoller sei es, den Reifendruck regelmäßig zu kontrollieren. Denn gerade zu niedriger Druck erhöhe den Rollwiderstand drastisch. Nach Schätzungen der niederländischen Energie- und Umweltagentur Novem könnte man in Europa die Luft jährlich um 26 Millionen Tonnen Kohlendioxid entlasten, wären die Reifen bei allen Autos vorschriftsmäßig aufgepumpt. Einig sind sich die Fachleute untereinander aber längst nicht. Während der ADAC vor den Sparreifen warnt und selbst die Gummi-Lobby Zweifel hat, ist das Umweltbundesamt in Dessau (UBA) ganz anderer Ansicht. "Die Absicht, Autoreifen mit einem Label für den Rollwiderstand zu versehen, ist begrüßenswert", sagt Helge Jahn, Fachgebietsleiter Schadstoffminderung beim UBA. Dadurch werde "Markttransparenz geschaffen".

Etikettenschwindel bleibt ungestraft

Zustimmung auch von Klaus-Peter Glaeser von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Eine Studie der EU-Organisation Forum of European National Highway Research Laboratories zeige, "dass es keine gravierenden Zielkonflikte von Rollwiderstand, Nassgriff und Geräuschentwicklung gibt". Der Experten-Hickhack hilft dem Autofahrer nicht weiter, denn er wird sich wahrscheinlich ab Frühjahr 2009 zwischen Sicherheit und Kosten entscheiden müssen - dann nämlich, wenn massenhaft Sparreifen aus China auf den Markt rollen. Die Fernost-Erzeugnisse boten bei Tests rundweg gute Rollwiderstandswerte, kosten aber nur halb so viel wie europäische Markenprodukte. Doch die Produkte aus dem Reich der Mitte lassen sich beim Bremsen viel Zeit oder zerfetzen gar frühzeitig. Das hat das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport" bei Schnelllauftests herausgefunden (Heft 14/2007). Zu ähnlichen Ergebnissen kam die Mitgliederzeitschrift des Autoclubs ACE (Ausgabe 4/2008). Fazit: "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Preis und Qualität."

Selbst wenn die EU Spritsparklassen und Bremswegangaben auf den Reifen verordnet, garantieren diese Normen gar nichts. Denn jeder Reifenproduzent, der in die EU liefert, darf sich selbst bescheinigen, welche Bremsleistung sein Gummi erzielt. Selbstzertifizierung heißt dieser merkwürdige Vertrauensvorschuss. Und wer beim Etikettenschwindel erwischt wird, hat nichts zu befürchten: Strafen oder Verkaufsverbote sind nicht vorgesehen - egal, wie gefährlich lang der Bremsweg ist.

Reifenforschung

Eingebaute Temperatur-Steuerung

Der Bremsweg eines Autos ist umso kürzer, je feiner die mikroskopisch kleine Verzahnung zwischen Reifen und Fahrbahn ist. Techniker sprechen von Reibung. Dafür sind stark verformungsfähige, weiche Gummimischungen nötig. Die haben jedoch den Nachteil, dass sie beim Abrollen viel Energie verbrauchen. Denn bei jeder Umdrehung verformt sich der Reifen an der Aufstandsfläche am Boden ("walken"). Dabei entsteht der sogenannte Rollwiderstand, der mit Motorkraft überwunden werden muss. Das kostet Kraftstoff. Härtere Gummimischungen walken weniger und sparen Sprit - können sich aber auch nicht so eng mit der Fahrbahn verzahnen. Ihre Griffigkeit ("Grip") ist geringer, wodurch sich der Bremsweg verlängert. Insbesondere bei Nässe. Die Lösung dieses Zielkonflikts zwischen Spritsparen und Griffigkeit ist für die Chemiker derzeit die größte Herausforderung.

Helfen dabei können zwei Substanzen. Zum einen ist es Silika, ein Pulver aus Silizium, das beim Reifenbacken beigemischt wird und theoretisch die Haftwirkung erhöht, indem es die Profilblöcke bei starker Beanspruchung (etwa beim Bremsen) in sehr schnelle Schwingungen von mehreren hunderttausendmal pro Sekunde versetzt. Dadurch erwärmt sich die Lauffläche schlagartig, was schnell zum bestmöglichen Grip führt. Umgekehrt beim Dahinrollen: Das Profil schwingt mit 20- bis 30-mal pro Sekunde nur langsam und bleibt kühl, Rollwiderstand und Spritverbrauch sinken. Doch dieses Wechselspiel funktioniert schlecht, weil sich Kautschuk und Silika nur unvollkommen verbinden. Ein weiteres Pulver, Silan, soll das nun schaffen. Forscher haben herausgefunden, dass Silan als Zwangsvermittler zwischen Silika und anderen Substanzen im Reifen wirkt, was ein wirksames Temperatur-Management in der Lauffläche ermöglicht, das sich automatisch den Notwendigkeiten anpasst.

print
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Betruf beim Autokauf
ich habe letztem September ein gebrauchtes Auto gekauft und nach einem Monat habe ich wegen Servolenkung mein Auto bei ADAC abgescleppt lassen. (Damals hat die Servolenkung plötzlich ausgefallen und ich hätte mit Straßenbahn einen Unfall bekommen. Damals habe ich versuchte mit meinem Verkäufer zu kontaktieren. Leider hat er 3 Wochen Urlaub gemacht und habe ich mein Auto bei einer Werkstatt repariert hat und das kostet ungefähr 90 Euro und musste ich für ADAC mehr bezahlen. (Da meinte Meister, dass wegen Betteriepol meine Servolenkung ausgefallen hat.) aber nach 1 Tag ist dieses Problem wieder passiert und Bremeschalter auch kaputt gegangen ist und habe ich dafür 252 Euro bezahlt. Da war der Verkäufer imemrnoch im Urlaub. Nach seinem Urlaub habe ich mein Auto mitgebracht und er hat mir gesagt, dass wenn ich für Erstazteil(Servolenkung) bezahle, dann kann er mein Auto reparieren. (Das kostet ungefähr 50 Euro). Aber er konnte eine Teil von meinem Auto nicht finden und mit anderer Teil(verschidenen Artikelnummer) mein Auto repariert und er meinte, dass wenn ich wieder dieses Problem hätte, repariert er wieder mit richtiger Teil und wieder nach 1 Tag ist dieses Problem wieder passiert und habe ich mein Auto wieder mitgebracht. Aber er hat noch nicht die Servolenkung für mein Auto gefunden und er meinte, dass ich auch bei Ebay oder irgendwie die Teil suchen soll. Aber wenn ich wieder darüber telefoniert habe(weil ich leider nicht richtige Artikelnummer von meinem Auto kenne), hat er mir einfach gesagt, dass er einfach damals gar nicht repariert hat und d.h mein Auto wurde immernoch meine richtige ausfallende Teil eingebaut und er meinte, dass ich selber die Teil finden muss... Das ist echt scheiße. Deswegen habe ich die Servolenkung selber gekauft(200 Euro) und selber ausgetauch. Da ich nicht mehr dem Verkäufer vertrauen konnte. jzt alles wieder in Ordnung. Und letzte Woche habe ich Bremseleläge selber gewechselt da habe ich anderes Problem gefunden. Als ich hinten Bremsbeläge ausgebaut habe, habe ich ganz viel Problem gemerkt. Die Korben war festgeklebt im Zylinder deshalb Bremsbeläge einfach abgebrochen hat. Ich denke das ist sehr gefährlich.. Und Nach dem Rapatur von Hintenbremse kann ich nicht mehr schlechte Geräuch hören.. Dieses Geräuch hat auch als ich dieses Auto erstes Mal mitgenommen habe gehört, dachte ich, wegen ABS. Aber das war auch nicht.. Ich denke er hat total kaupttes Auto verkauft und gar nicht verantwortlich.. villeicht hat er mich ganz einfach unterschätzt weil ich ein Ausländer bin nicht so fließend Deutsch sprechen kann... In dem Fall was kann ich machen? Soll ich einfach anzeigen?