HOME

Ethanolantrieb: So funktioniert's

Nicht erst seit den jüngsten weltweiten Automessen ist der Ethanolantrieb in vieler Munde. Doch wie kommt der Weizen von den Feldern in Zapfsäule und Tank? Lesen Sie nach, wie es läuft.

Vom flüssigen Aggregatzustand des Ethanolantriebs ist bei einem Blick auf die weiten Weizenfelder oder Baumbestände noch nichts zu sehen. Bio-Ethanol kann aus Getreide, aber auch aus Holzabfällen oder Zuckerrüben gewonnen werden. Besonders verbreitet ist die Umwandlung von Weizen. Hierbei wird das Getreide nach der Ernte direkt zu Weizenschrot vermahlen und mit Wasser versetzt. Dieses Gemisch würde im Tank jedoch noch gar nichts bewirken. Daher werden der balasthaltigen Flüssigkeit in der Raffinerie Enzyme zugesetzt, sodass Glukose bzw. Zucker entsteht.

In gewaltigen Fermentationsbehältern kommt in einem zweiten Schritt Hefe hinzu. In einem chemischen Prozess entsteht aus der Glukose so Ethanol. Als vermeintliche Abfallprodukte entstehen durch diesen mehrstufigen Prozess Futtermittel und Kohlendioxid. Da die Motoren ausschließlich reinen Kraftstoff verarbeiten können, geht es dem Ethanol ähnlich wie seinem Bruder Alkohol. Er kommt in eine Destille und muss von der Maische getrennt werden. Damit Ethanol auch das nötige Energiepotenzial besitzt, steht dann noch eine Konzentration an. Dies geschieht durch Entzug von Wasser.

Größte Bio-Ethanol Anlage in Sachsen-Anhalt

In Europa werden bereits einige Anlagen zur Gewinnung von Bio-Ethanol betrieben. Die derzeit größte befindet sich in Sachsen-Anhalt. In der Umgebung befinden sich große Weizenfelder. Pro Jahr werden in der Raffinerie mehr als 750.000 Tonnen Weizen zu biologischen Kraftstoffen verarbeitet. In Europa liegt der Anteil an Bio-Kraftstoffen derzeit bei gerade einmal zwei Prozent. Bis zum Jahre 2010 sollen es europaweit immerhin 5,75 Prozent werden.

Deutschland plant auch dank einer Steuerbefreiung - zunächst bis zum Jahre 2009 - mittelfristig einen Anteil von bis zu acht Prozent. Der Weg ist lang und steinig, denn die Verbreitung des Öko-Kraftstoffes steckt hierzulande seit einigen Monaten fest. Derzeit existieren nur wenige Tankstellen, an denen man E85 auch konsumieren kann. Bis sich ein nahezu flächendeckendes Tankstellennetz formiert hat, halten einige Hersteller zumindest in Deutschland still. Volkswagen und BMW, Mercedes und Opel arbeiten ebenfalls an E85-Modellen. Besonders weit ist in diesem Bereich der Ford-Konzern. In den USA, ähnlich wie beim Thema Hybrid der größte Markt, sollen in den nächsten Monaten mehrere Modelle auf den Markt kommen - vom Kompaktklassemodell bis zum neuen Mega-Truck.

Flexibles Modell aus Ethanol und Benzin

Einige Hersteller wollen ihre Modelle mit einem flexiblen System ausstatten. Saab und Ford haben dies mit Flexfuel-Modellen getan. Hierbei können die Fahrzeuge mit einem variablen Verhältnis Ethanol zu Benzin betankt werden. Im Gespräch sind jedoch auch einige technische Lösungen, wo den fossilen Brennstoffen ein fester Anteil (bis zu 15 Prozent) von organischem Material zugeben wird. Der Königsweg scheint noch nicht gefunden.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

Wissenscommunity