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Alfa-Romeo: Der Schau-Stehler

Wo der neue Alfa Romeo Brera auftaucht, wird die Straße zum Laufsteg. Billig ist der Schöne aber nicht.

Giorgetto Giugiaro, einer der berühmtesten Designer der Welt, ist, wen wundert es, Italiener. Im landestypischen Wortschwall, gestenreich untermalt, erklärt er das Aussehen des Alfa Brera, den sein Studio entworfen hat, wie zuvor schon den ersten VW Golf oder den Fiat Panda (Werbespruch: "Die tolle Kiste").

Jede Linie, jede Fläche, jedes Detail beschreibt Giugiaro mit einem Stakkato aus Silben, sodass es mit fortschreitender Dauer des Vortrags schwierig wird, ihm zu folgen. Man nickt verständnisvoll, hat aber innerlich schon abgeschaltet. Dann eine scheinbar harmlose Formulierung, der Schlüsselsatz: "Die Linienführung muss sauber sein und gleichzeitig die wichtigen Elemente wie Sportlichkeit und Tradition beinhalten." Klingt logisch. Die Frage ist bloß: Wie geht das?

Man kann es nur erahnen. Es muss etwas mit Einfachheit zu tun haben. Möglichst wenige Zutaten, wie bei der klassischen italienischen Küche. Ein Alfa ist so etwas wie Spaghetti pomodori. Tomaten, Olivenöl, Knoblauch, Basilikum. Etwas Parmesankäse drüber, fertig. Aufs Autodesign übersetzt, heißt das: keine überflüssigen Linien. Kein Schnickschnack. Der stern ist mit dem Brera gefahren.

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Glanz & Gloria:

umwerfend. Nur selten kommt es vor, dass ein Auto den Weg von der Studie zur Serienreife nahezu ohne Änderungen übersteht. Beim Brera war das der Fall - fast identisch stand er im März 2002 auf dem Genfer Autosalon. Zum Jahreswechsel wird der Brera bei den Händlern sein. Die Form jedenfalls ist so gelungen, dass es leicht fällt, einige Einbußen bei der Funktionalität großzügig zu übersehen: die hohe Ladekante des Kofferraums etwa, denn eine größere Heckklappe hätte einen zusätzlichen Spalt - eine Linie zu viel - bedeutet, was auf Kosten der Optik gegangen wäre. Oder die Enge auf den hinteren Plätzen; sie bieten allenfalls Kleinkindern ausreichend Raum.

Gas & Spass: fantastico. Und das, obwohl der Brera für einen Sportwagen nicht üppig motorisiert ist - gerade mal 185 PS in der Basisversion oder 260 PS beim Topmodell reichen für 222 km/h beziehungsweise 240 km/h Spitze, was viele Konkurrenten locker toppen. Doch schnöde Zahlen allein gehen Alfa-Fahrern normalerweise pizzabreit am Allerwertesten vorbei.

Entscheidend dagegen ist die gekonnte Mischung der Zutaten. Die Fahrwerksabstimmung ist ein erstklassiger Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort; hinzu kommen eine knackige Schaltung und eine präzise Lenkung. Die Sitze bieten allerdings wenig Seitenhalt.

Kind & Kegel:

okay. Da der Brera eigentlich nur als Zweisitzer zu gebrauchen ist, bietet er Fahrer und Beifahrer hinten genügend Raum fürs Gepäck. Gegen Aufpreis macht ein Glasdach den Innenraum wenigstens optisch größer.

Drum & Dran:

geht so. Ein Sonderangebot ist der Alfa nicht. Sein Grundpreis wird um die 34000 Euro betragen, für einen Vierzylinder eine Stange Geld. Das Topmodell mit Sechszylinder und Allradantrieb soll 45000 Euro kosten.

Fazit:

Es gibt derzeit kaum ein schöneres Auto. Wer sich den Brera kauft, wird aber eher sich selbst eine Freude machen, als andere beeindrucken wollen.

Frank Janssen / print
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