HOME

AMG CL und S 63: Meister des Durchzugs

Mit dem CL 63 und dem S 63 aus dem Hause AMG schickt Mercedes zwei 525 PS starke Luxuswagen ins Rennen. Mehr Leistung als die Serienzwöflzylinder bieten die AMG-Bollermänner nicht, dafür machen sie mit ihren acht Töpfen aber mehr Wind auf dem Golfplatz.

Von Martin Westerhoff/Kitzbühel

Nischen im Modellprogramm auffinden und schließen. Nichts tun Autohersteller lieber, um auch den ausgefallensten aller Kundenwünsche erfüllen zu können. Bevor die Konkurrenz zuschlägt. Mercedes hat nun seine Luxusliner, die S-Klasse und deren Coupé-Ableger CL, als CL 63 AMG und S 63 AMG vorgestellt. Und deren Leistungswerte kommen Kennern der Marke recht bekannt vor. 525 PS und 630 Newtonmeter Drehmoment sorgen - zugegeben - für ordentlich Dampf: 4,6 Sekunden vergehen beim Sprint auf 100 km/h, bei 250 km/h bremst die Elektronik standardmäßig ein. Doch genau diese Zahlen lassen sich auch auf einem anderen Datenblatt wiederfinden. Die bereits auf dem Markt befindlichen Modell-Varianten S 600 und CL 600 können das genauso, leisten dabei nur acht PS weniger.

Meister des Durchzugs

Es herrscht Leistungsdichte im eigenen Hause. Da drängt sich die Frage auf, für wen die AMG-Modelle überhaupt bestimmt sind. Anders gesagt, wie sie sich unterscheiden, ob und wie sie eine sportliche Grenze ziehen. Technisch gibt es erste Anhaltspunkte. Während in den 600er-Varianten ein unaufgeregt klingender 12-Zylinder-Motor mit 5,5 Liter Hubraum für Vortrieb sorgt, setzt AMG auf ein anderes Konzept. Der komplett eigenständig entwickelte 6,3-Liter-V8-Saugmotor ist äußerst drehfreudig. Dank des großen Hubraums steht bei niedrigen Touren trotzdem ordentlich Drehmoment an. Das bedeutet Durchzug im gesamten Drehzahlband. Im österreichischen Kitzbühel konnte sich die internationale Presse davon schon jetzt ein Bild machen.

Bereits im Leerlauf blubbern die vier verchromten ovalen Auspuffrohre, je zwei an jeder Seite, unverhohlen die Angriffsbereitschaft des V8s hervor. Imagepflege aus dem Sound-Labor, wo der AMG-Armada sorgsam die grimmigen Trompetentöne antrainiert werden. Das serienmäßige Siebengang-Automatikgetriebe "7G-Tronic" lässt sich über einen Wählhebel an der Lenksäule in die vier Einstellungen Parken, Neutral, Rückwärts und Fahren bringen. Das Gas braucht nur sachte mit dem Fuß angetippt zu werden. Spielerisch setzen sich die rund zwei Tonnen der S-Klasse als auch des CL in Bewegung. Genauso spielerisch sind die AMGs zu fahren. Komfortables Dahingleiten bleibt durch die sportlichere Abstimmung des adaptiven Fahrwerks ABC (Active Body Control) ungetrübt.

Sportler auf Knopfdruck

Die uneingeschränkte Alltagstauglichkeit ist typischer AMG-Stil. "Ich kann, wenn ich will" ist die Devise. Denn über einen Taster in der Mittelkonsole lässt sich das Fahrprogramm "Comfort" in "Sport" oder "Manuell" umschalten. Letztere Modi bringen die Elektronik dazu, dass Fahrwerk grundsätzlich härter zu trimmen. Im Sport-Modus schaltet das Getriebe weiterhin selbst, allerdings etwas ruppiger und dadurch 30 Prozent schneller. Manuell bedeutet, dass der Fahrer selbst über zwei Schaltpaddels am Lenkrad die Gänge wählt. Und das geht fast doppelt so schnell wie im Automatik-Modus. Die über fünf Meter langen Autos verwandeln sich damit nicht in Rennwagen. Aber sie lassen ihre Größe vergessen. Folgen präzise den Lenkbewegungen, schaukeln sich nicht auf. Untermalt von einem elitären, unaufdringlichen Wummern. Wie bei einer Luxusjacht.

Eine Hochleistungs-Bremsanlage mit Bremsscheiben aus Verbundstoff sorgt für eine unermüdliche und kraftvolle Verzögerung. Den Kunden soll klargemacht werden, dass die AMG-Kreationen von S-Klasse und CL im Bedarfsfall über Rennstrecken geprügelt werden können. Das Kombi-Instrument im Cockpit kann daher einen "Racetimer" einblenden, der Rundenzeiten, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeiten ermitteln kann. Wie viele der betuchten Kunden die Funktionen jemals nutzen werden, sei dahingestellt. Aber in bestimmten Kreisen reicht es hier sicher aus, von den Möglichkeiten zu wissen. Und vor allem darüber erzählen zu können. Denn über die Hälfte der Produktion ist für den amerikanischen Markt bestimmt, wo die Polizei den Highways näher als der Fahrer dem Limit ist.

Dezenter Breitbau

Die Karossen der beiden AMG-Modelle wurden mit Bedacht aufgebrezelt. Nur nicht zu prollig, aber doch bitte bulliger als die Serie sollen sie wirken. Der CL ist im Prinzip eine S-Klasse mit zwei Türen und acht Zentimeter Radstand weniger, der CL wirkt schon in der Serie filigraner. Das ließ natürlich etwas mehr Spielraum. Ein angedeuteter Diffusor passt gut in sein Coupé-Heck. Sowohl CL- als auch S 63 AMG haben breiter ausgestellte Radhäuser, große Kühleröffnungen an der Front und natürlich riesige Leichtmetallräder im 19-Zoll-Format, um sich vom Rest der Palette abzuheben. Beim Heck der AMG-S-Klasse entschieden sich die Designer für eine ausladende Kante im hinteren Stoßfänger. Von hinten betrachtet sieht das wuchtig aus. Von der Seite eher wie eine Stiege, um von hinten bequem auf den Kofferraumdeckel klettern zu können.

Die Mercedes CL 63 AMG und S 63 AMG schließen sicher eine Lücke im Modellprogramm. Die S-Klasse gibt es nun als "kleinen AMG". Denn der S 65 AMG mit 6-Liter-Biturbo und 612 PS ist manchem Kunden mit einem Preis von 206.422 Euro vielleicht eine Schippe zu viel. Wie viel die neuen Modelle bei ihrem Verkaufsstart im Januar 2007 genau kosten sollen, steht noch nicht fest. Sportsfreunde der gehobenen Liga brauchen sich dann jedenfalls nicht mehr mit den komfortbetonten S 600 und CL 600 auf dem Golfplatz blicken zu lassen. Dafür gibt es ja AMG, ein Name, der für Sportlichkeit steht. Mercedes unterstreicht das mit den beiden neuen Modellen. "Unser Ziel ist es, Mercedes-AMG als eigenständige Marke in der Mercedes-Car Group zu positionieren und sie noch deutlicher von Mercedes-Benz und den Wettbewerbern abzugrenzen", hieß es deshalb auf der Pressekonferenz in Kitzbühel.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.