HOME

Strandhotel Binz / Rügen: Warum in die Ferne schweifen

Gerade im verregneten deutschen Sommer kommt sie immer wieder: die Sehnsucht nach blauem Himmel, weitem Meer und Sonnenschein. Während andere sich auf Mallorca tummeln, entschied sich stern.de-Redakteur Jens Maier für eine deutsche Insel: Rügen.

Die Wettervorhersage verheißt leider nichts Gutes: "Nach Durchzug einer Gewitterfront, Schauer in weiten Teilen Norddeutschlands." Regenjacke und Schirm reisen mit - Sommer 2004 in Deutschland. Zum Glück ist die größte deutsche Insel auch bei schlechtem Wetter eine Reise wert. Dann kann man all das ansehen, was Rügen außer Strand und Meer noch zu bieten hat, was man aber im vergangenen Sommer nie zu sehen bekam, weil man ständig baden, auf Seebrücken flanieren und in der Sonne liegen musste.

Und damit gar nichts schief gehen kann, bin ich in einem Wellness-Hotel untergebracht. Das Dorint Strandhotel Binz, direkt an der Strandpromenade und dem kilometerlangen weißen Sandstrand des Seebads gelegen, verspricht Erholung, auch wenn Petrus es mal wieder nicht gut meint. Dafür soll vor allem das "Active Spa" mit Pool, Saunen, Dampfbad, Solarium und Schönheitssalon sorgen. Auf 430 Quadratmeter können Körper und Geist in Topform gebracht werden.

Sylt ade

Nach einer beschwerlichen Überlandfahrt, die Ostsee-Autobahn A 20 ist leider nur in Teilstücken fertig gestellt, komme ich erst am späten Abend an. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit ist mein Fahrzeug nicht das einzige mit dem Kennzeichen HH auf dem Rügendamm. Vom einstigen Geheimtipp hat sich Rügen offenbar zum Trendsetter gemausert – Sylt ade. Kein Wunder, denn dem alten DDR-Muff wurde der Garaus gemacht: Alte Bädervillen mit verspielten Holzbalkonen, verglasten Veranden und runden Erkern – die Bäderarchitektur im Seebad Binz lässt sofort Urlaubsstimmung aufkommen und wähnt den Erholungssuchenden im sonnigen Süden.

Doch als ich aus dem Auto steige hat mich der Regen wieder. Mit einer Brise salziger Seeluft zwar, doch nicht weniger nass. Ab ins Hotel. Das Strandhotel Binz ist nicht in einem der restaurierten Prachtbauten untergebracht, sondern ein kompletter Neubau. Das tut dem Ambiente jedoch keinen Abbruch. Die Architektur des Hotels fügt sich mit Erkern, Türmchen und Balkonen herrlich in das Gesamtbild ein. Nach dem Check-In verabschiede ich mich müde von der Fahrt in mein Zimmer. 54 Suiten und neun Studios, alle mit Terrasse, Balkon oder Loggia, bieten Komfort und Flair. Warme Farben und Möbel im mediterranen Stil dominieren die Einrichtung.Von sanften Sonnenstrahlen, die in mein Zimmer scheinen, werde ich am anderen Morgen geweckt. Moment mal, Sonne? Das muss ein Traum sein. Doch der Blick vom Balkon über das Blau der Ostsee, das die reflektierenden Sonnenstrahlen wie Diamanten funkeln lässt, beseitigt letzte Zweifel. Der Sommer ist da. Nach einem kurzen Strandlauf finde ich mich alsbald auf der Hotelterrasse wieder, genieße mein Frühstück vom reichhaltigen Büffet bei einem Gläschen Sekt und schmiede Pläne für den Tag.

Volles Programm

Man könnte sich die Gutshäuser anschauen, die Kirchen, die Jagdschlösser. Man könnte eine Fischtour machen und sich von Süden nach Norden durch die besten Räucherfischbuden essen. Man könnte mit Schiffen aus Sassnitz die Insel umrunden, in der Enklave Mönchgut Rindfleisch mit Pflaumen essen oder den Geburtsort des Dichters und Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt besuchen, dessen Eltern noch Leibeigene des Grafen von Putbus waren. Oder man könnte sich bei den Störtebeker-Feststpielen in Ralswiek unter die Piraten mischen. Oder aber man besucht die berühmten Kreidefelsen und kraxelt die 120 Meter auf einer glitschigen Treppe zur Küste hinunter.

Man kann aber auch nichts von alledem machen. Einfach nur in einem der hoteleigenen Strandkörbe liegen, mit den Füßen im Sand bohren und in Erinnerungen an den Super-Sommer im letzten Jahr schwelgen.

Von Jens Maier

Wissenscommunity